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Im Tarotgarten - 3. September 2004

Il Giardino die Tarocchi
http://www.nikidesaintphalle.com

Florenz mit seinem historischen Gewühl haben wir hinter uns gelassen, natürlich im grössten Morgenverkehr! Rosmarie hat sich wacker gehalten trotzdem wir uns an die Sommerhitze im Auto erst wieder gewöhnen müssen. Fiesole liegt hinter uns und damit ein Tag im mittelalterlichen Kloster San Francisco und im römischen Amphitheater sowie beim zweitbesten Gelati dieser Reise - Pfefferminze und Limone. Das beste Gelati? Das kommt noch, piano, piano. Im Moment brausen wir über die Via Aurelia in die südlichste Ecke der Toskana. Siena ist abgehakt und die unzähligen Türme des fernen San Gimignanos blitzten kurz im Dunst auf. Jetzt biegen wir - nur 120 km vor Rom - in ein kleines Nebensträsschen ein das zum Tarotgarten führt. Niki de Saint Phalle konzipierte ihn - zum Teil gemeinsam mit Jean Tinguely - von 1979 - 1996.
Ich gebe zu, dass ich eigentlich nur ein paar nette bunte Figürlein erwartete, so etwas wie esoterische Gartenzwerge. Ich war nicht der einzige, der maulte, bei 36 Grad Hitze den Hügel zum Garten hinauf kraxeln zu müssen. Doch dann standen wir vor den Monumentalplastiken, die den Figuren der Arcana Maiora nachempfunden sind. Tausende von Mosaiksteichchen, Spiegelfragmente und Plättli verwandeln die begehbaren - und sogar bewohnbaren - Plastiken in ein buntes Mosaik, das vor Symbolen nur so strotzt.
Hauptsächlich Frauen und Mädchen liessen sich vom urweiblichen Charme der kraftvollen und doch zerbrechlichen Figuren verzaubern. Männer reagierten eher amüsiert und wendeten sich mehr den kräftigen Eisenplastiken Jean Tinguely's zu.
Am Abend waren wir nudelfertig. Ein kleiner Apero bei Giannina im freundlichen Hotel Valle del Buttero brachte uns noch mal auf Trab, den Hügel von Capalbio zu erklettern und uns im Ristorante Porta in die toskanische Küche zu vertiefen. Und dann, mit vollen Köpfen und runden Bäuchen talwärts schlendernd, machten wir halt bei einer kleinen Gelateria. Zwei alte Tanten sassen auf dem Bänkchen davor und tratschten in der Kühle der Nacht. Und wir schleckten uns die Finger beim besten Kakao- und Haselnuss- und Stracciatella - Glace dieser Reise.

Ich bin ganz schön froh, dass Peter der Tarotgarten gefallen hat. Als ich ihm den Vorschlag machte, diesen zauberhaften Garten zu besuchen maulte er etwas "da gehen doch nur die esoterische Hühner hin". Dabei wurde dieser Garten von der Doppelskorpionfrau und einem Zwillingsmann - Jean Tinguely - gemeinsam geschaffen. Der Zufall aber wollte es, dass vor Kurzem eine Fernsehsendung über diesen traumhaften Tarotgarten in arte TV ausgestrahlt wurde. Es muss wohl eine der letzten Aufnahmen mit Niki de Saint Phalle gewesen sein. Sie führte das Film-Team durch den Garten auch durch ihr Haus - sie hatte in der komplett als Wohnung eingerichteten Figur der "Herrscherin" gelebt.

"Da kann man ja durch die Figuren laufen, so gross sind sie", meinte Peter bewundernd. Er hatte wie oben beschrieben, eben eher esoterische Gartenzwerge erwartet. Zum Glück gibt es das Fernsehen, welches auch Zweifler wie Peter überzeugen kann. Und die Wirklichkeit hat das Fernsehbild weit übertroffen - der Tarotgarten hat Peter und mich restlos begeistert.

Es war wie vor einem Jahr, als wir in Florida Hand in Hand durch das Disney Magic Kindom bummelten. Gerne hätten wir noch länger in diesem Garten verweilt - aber wir kommen bestimmt wieder.

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