Meine Freundin Irene feierte am 12.1.04 ihren 50. Geburtstag. Und Sabrina,
ihre Tochter weilt seit September 2003 in Paris. So drängte sich die
Reise nach Paris förmlich auf. Im November entstand die Idee, dass
wir diesen speziellen Geburtstag in Paris feiern könnten. Eine Überraschung
für Sabrina – Familie vereint – ein bisschen romantisch
war der Gedanke schon!
Wir mussten aufpassen, dass wir uns bei Sabrina nicht "verplapperten" und
wer Irene und mich kennt, weiss wie schnell das geschehen kann... Wir waren
also auf der Hut, sei es am Telefon oder beim mailen. Verschwiegenheit
ist ziemlich kompliziert, wenn man der ganzen Welt mitteilen möchte,
dass man nach Paris fährt...
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sabrina etwas merken würde, war gross.
Was, wenn Sabrina plötzlich am 12. Januar in die Schweiz reiste und
wir bereits im Zug nach Paris sässen? Zum Glück konnten wir Elisabeth,
die Gastmutter von Sabrina einweihen, die uns bei unseren Plänen unterstütze.
Am 10.1. fuhren wir also gemütlich mit dem TGV von Bern nach Paris.
Als es um die Feinplanung des grossen Auftrittes ging, stellte Irene vor
lauter Aufregung die Handynummer von Sabrina ein. Eigentlich wollten wir
aber Elisabeth anrufen. So kurz vor dem Ziel hätte dies noch ins Auge
gehen können. Aber so schnell wie Irene improvisierte, ist es knapp
gut gegangen.
Endlich sind wir im Gare de Lyon angekommen. Irene hielt es vor lauter
Spannung nicht mehr aus. Also, husch ins Hotel und Abmarsch in Einerkolonne
zu Sabrina.
«Was machen wir wenn Sabrina Herrenbesuch hat», meinte Peter
süffisant
als wir bereits im Lift in den 6. Stock waren. «Ja dann warten wir
eben vor der Türe, das würde ja wohl nicht ewig dauern»,
sagte ich lachend. Wir stiegen aus dem Lift und standen einen Moment lauschend
vor der Türe. Aber es blieb ruhig. Also klopfte ich behutsam.
Ein verschlafenes «Hallo» hörte ich hinter der Türe,
bevor Sabrina den Schlüssel drehte. Blitzschnell war sie wach und
fiel mir um den Hals. Sie konnte es kaum glauben, dass wir tatsächlich
nach Paris gereist waren. Irene und Bruder Alain, hielten sich noch im
Treppenhaus versteckt. Zuerst kam Irene dazu und schliesslich Alain. Die
arme Sabrina war echt verblüfft. «Ich glaubes nöd.»,
sagte sie immer wieder. Das war wirklich eine gelungene Überraschung.
Wir standen wie die Weihnachtsmänner in ihrem kleinen Zimmer herum.
Fünf Menschen in diesem Raum, da wurde es uns rasch zu eng. So zogen
wir los, um Paris unsicher zu machen. Gemeinsam schlenderten wir ins Zentrum
und zur Nôtre Dame. Wir suchten ein Lokal zum Essen. Fünf Personen,
fünf verschiedenen Meinungen. Mac Donald kam nicht in Frage, chinesisch
auch nicht, griechisch vielleicht. Es gab ja nun mehr als ein griechisches
Lokal – also Speisekarte betrachten, durch die Gassen schlendern,
bevor wir uns dann endlich entschlossen Platz zu nehmen. Fünf Menschen,
fünf verschiedene Menüs... aber es hat geschmeckt. Dann teilten
wir unsere Gruppe, die Jungen, Alain und Sabrina, zogen weiter und überraschten
ihre Freundin Amaya beim Kinobesuch.
Wir Alten waren zu müde, um uns noch ins Nachtleben von Paris zu stürzen
und so waren wir, wie es sich gehört, um 21.00 schon im Hotel und
lagen flach. Nach dem anstrengenden Tag waren wir fix und foxi.
Am Sonntag besuchten wir eine Pink Floyd Ausstellung und Amaya und Alain
wollten unbedingt auf den Eiffelturm, Schlittschuhlaufen und bei Freunden
kochen.
Wir reiferen Jahrgänge stellten uns ein gemächlicheres Programm
zusammen. Eine nächtliche Bootsfahrt auf der Seine, das dürfte
sicher etwas besonderes sein. Endlich konnte ich meine Kamera auf Lichtempfindlichkeit
testen... Und es war megakalt...und windig.
Der 12. Januar, das war der grosse Tag von Irene – 50 Jahre jung
und froh. Die Jungen kamen mit Lachs, Champagner, feinem Baguette angereist – für
einen kurzen Moment stellten wir im Hotel den ganzen Frühstücksraum
auf den Kopf und so gab es nebst den obligaten Schoggibrötli eben
ein gediegenes Champagnerfrühstück. An alles hatten sie gedacht,
auch an Honig und Butter... Eine gelungene Überraschung der Jungmannschaft.
Kurz nach dem Frühstück war wieder "Altenprogramm" angesagt
Musee Grevin, das Wachsfigurenkabinett mitten in Paris, anschliessend ein
Bummel über den Montmartre, und danach entspannten wir uns bei einer
Busfahrt quer durch Paris.
Am Abend waren jung und alt wieder vereint und gemeinsam feierten wir den
Geburtstag im kleinen Kreis. Die Bedienung liess leider zu wünschen übrig,
das Essen aber war Spitze und die kleine Geburtstagsüberraschung war
allerliebst. Da kamen drei Servierfrauen singend mit einem kleinen Dessert
angerauscht. Leider kann ich diese süssen Stimmen nicht nachmachen.
Es war so lustig – zuerst haben wir gedacht, dass ein Kind Geburtstag
feiern würde, weil die drei Grazien so süss sangen. Aber es war
tatsächlich das Ständchen für Irene... Das kleine schnugglige
Dessert war leider nur für eine Person und so war die Überraschung
schnell verschwunden.
Peter und Alain fuhren am Dienstag wieder zurück in die Schweiz und
Irene und ich blieben noch bis Donnerstag in Paris. Es waren kurzweilige
Tage – da Peter nun nicht mehr dabei war, mussten wir selber schauen,
dass wir in die richtige U-Bahn stiegen und nicht verloren gingen...
Gemeinsam genossen wir die Abende mit Sabrina. Schon bald hiess es leider
Abschied nehmen. Und am Donnerstag – ist es uns doch noch passiert,
dass wir wie die Champs Elysés durchhühnerten bis die Füsse
zu schmerzen begannen; und plötzlich waren alle Metrostationen wie
vom Erdboden verschluckt! Es war zum verzweifeln, vorher stiessen wir andauernd
auf Metrostationen und jetzt, wo die Abfahrtszeit nach Hause nahte, waren
die Stationen einfach weg...– mini Närve. Wir mussten uns mächtig
beeilen, damit wir rechtzeitig im Hotel unser Gepäck abholen konnten.
Aber Ende gut alles gut, wir sassen im Zug Richtung Bern. Und jetzt, wo
Irene endlich ihr Handy im Griff hatte, und nach Hause anrufen wollte,
war das Telefonguthaben aufgebraucht!
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