Neulich im Stern gelesen

Münchner Buchhändler schreibt wütenden Brief an Amazon

Link: www.stern.de

 

"Amazon will die Welt beherrschen!"

 

Dieser Artikel in der online-Ausgabe des Sterns hat mich dazu bewogen, einige Worte dazu zu sagen. Gibt es das Kulturgut Buch noch? Oder ist es einfach eine Massenware geworden wie alles andere auch?

Im Brief schreibt der Buchhändler weiter: "Wir lieben und kennen unsere Kunden. Amazon nur Ihre Daten."

 

Dieser Artikel passt auch in die Schweiz. Der Unterschied ist, dass in Deutschland nach wie vor Buchpreisbindung herrscht, in der Schweiz wurde diese vor einigen Jahren aufgehoben. Wie sinnvoll oder nicht sinnvoll das ist, sei dahingestellt. Als Buchhändlerin kann ich damit leben.

Letzte Woche erhielt ich eine Anfrage einer Schule. Ich wurde gebeten eine Offerte für Schulbücher auszustellen. Sie hätten zwar den Auftrag, mehrere Offerten einzuholen, doch bleibe wahrscheinlich Exlibris der Günstigste Anbieter,  wurde mir gesagt. Und tatsächlich, als ich meine tiefst möglichen Preise mit denen von Exlibris verglich – no Change für mich. Denn die Verlage gewähren grosszügige Rabatte an Handelsketten, die dann auch an Schulen bessere Preiskonditionen offerieren können. Doch wollte ich mich noch nicht geschlagen geben. Ich rief beim Verlag an und fragte nach meinen Konditionen. Die Preise für meine Einkäufe lägen deutlich höher, als die Verkaufspreise von  Exlibris. Die Antwort der Kundenberaterin:  "Oh, tatsächlich? Wir können leider nicht mehr Rabatt gewähren - wir können nichts machen". Nichts als ein grosses, entwürdigendes Rechtfertigungs – Blabla.

Als ich nachhakte, «Ob denn wirklich nichts zu machen sei?», hiess es. «Nein, wir müssen uns an die Konditionen halten. «An welche Konditionen genau?» Ich liess nicht locker. Da erhielt ich dann keine Antwort mehr.

 

Zur Geschäftsleitung konnte ich schon gar nicht durchdringen, die schaufelten das Problem auf ihre Mitarbeiter ab. Irgendwann wird es nur noch Discounter geben, die Bücher liefern aber keine Dienstleistung mehr anbieten. Mich ärgert es, wie Schulen unter Spardruck am "billigsten" Ort Bücher einkaufen müssen, egal ob der Buchhandel Dienstleistungen anbietet, die ein Discounter nicht anbieten kann.

 

Weiter schreibt der Buchhändler aus München: "Denkt nach - hier - heute - jetzt! Sonst gibt es in fünf Jahren keine Einzelhändler mehr. Wie langweilig wird das denn???"

 

«Wie langweilig wird das denn sein?» Unpersönliche Autoren, unpersönliche Verlage, unpersönliche Buchhandlungen – ach dann haben wir ja noch Amazon, die die Daten kennen, aber nicht die Kunden.