Von Bern bis Melk

 

Ferienbeginn morgens um vier Uhr dreissig? Doch doch das gibt es, sogar bei Frau Bernasconi! Ich kannte mich selber kaum mehr, aber um 06:04 sassen wir bereits im Zug und gähnten uns  Aarau entgegen. Noch vor Sonnenaufgang checkten wir im Busterminal in Baden-Rütihof ein und rollten bald einmal in einem komfortablen Bus Richtung München, weiter zum Einschiffen in Passau. Was für nautische Laien seltsam klingen mag ist für uns Meerjungfrauen und Seebären der Gang über den Steg vom Festland in die Excellence Melodia, unser schwimmendes Hotel für die nächsten Tage.

 

Zugegeben, wir waren beide sehr skeptisch, Busfahrt und dann Flussreise – sind wir dafür nicht noch etwas zu jung? Nun die Busfahrt war sehr bequem, keine Hektik, genug Platz, kein Navigstürm, kein Tachometer, kein Tanken in letzter Minute. Die Staus ging nur Kurt etwas an, der steckte das mit der Gelassenheit des Berufschauffeurs furt.

 

Auf der Melodia nahm uns Kapitän Iliya Stoyanow und seine Crew herzlich in Empfang. Andächtig lauschten wir den Bordregeln und Gepflogenheiten, die uns Sabine, unsere Reiseleiterin, nett und bestimmt erzählte.

 

Wir sahen uns an und grinsten – weil wir ziemlich genau wussten, was jeder dachte. Kurz zusammengefasst: auf dieser Reise würde Kindergeschrei kein Störfaktor sein – und auch überbordende Partystimmung nicht. Aber ehrlich, auch wir sind nicht mehr die wirklichen Teenager. Jedenfalls sitzen wir alle im selben Boot.

 

Die Melodia legte ab und bei einem wirklich ausgezeichneten Nachtessen, abwechslungsreich aber leicht zubereitet, trieben wir donauabwärts. Die Reise führt unter Brücke durch und durch Schleusen. Nach dem reichlichen Nachtessen waren wir so happy, dass wir auf dem Sonnendeck noch einige Meter hin und her marschieren konnten. Immerhin ist eine Schiffslänge gute 100 Meter und bei 10 Runden ist man doch auch bei einem Kilometer.  In Erinnerung blieb uns bei den nächtlichen Runden ein nachbarschaftlicher Schwatz in einer engen Schleuse mit Leuten auf dem Sonnendeck, von Schiff zu Schiff. Dann ging die Fahrt weiter bis in die frühen Morgenstunden. Aufwachen mit dem Blick auf den breiten Fluss, frühstücken am Fluss – die Donau wird unser Zuhause.

 

Zweiter Ferientag – schon wieder früh raus! Der Stift Melk war unser Ziel. Neulich erzählte mir Madeleine, eine gute Freundin, dass sie in Melk eine Klassenzusammenkunft gefeiert hatten – und sie schwärmte von Melk. Wir jetzt auch.

 

Wir hängten uns orange Kästchen um und liessen uns durch die Ausstellung und die Geschichte des Klosters treiben. Die einfache Regel von Bendictus prägte die Eindrücke aus diesem Rundgang: «Höre mein Sohn und du wirst ankommen. Ora, labora et lege. Bete, arbeite und lerne.» Höhepunkt waren letzte, ausklingende Orgelklänge in der prächtigen Barockkirche.

 

Madeleine du hattest recht –  der Stift von Melk ist wirklich einmalig und die Aussicht auch.

 

Weiter ging es weltlich: Zurück auf dem Schiff stand das Mittagessen bereit und danach war Sirenenalarm und Schwimmwestenübung auf dem Sonnendeck. Hundertdreissig Passagiere in der orangenen Rettungsweste – man muss es gesehen haben. Der Kapitän, immer für ein Spässchen bereit, liess sich mit Peter ablichten - einer mit einer orangen, der andere mit einer blauen Schwimmweste.

 

Jetzt sind wir wieder unterwegs, die nächste Station wird Wien sein. Wir sind beide bereits etwas aufgeregt. Eine neu Form der Annäherung an eine unserer Lieblingsstädte, wir sind gespannt. Wir nehmen bereits eine erste Auszeit aus dem allgegenwärtigen Gruppenleben und gehen auf eigene Faust los - und freuen uns darauf. Wien da sind wir wieder einmal.

 

Und nach dem Abendessen sind wir  los gezogen.  Die eine Gruppe fuhr zum Heurigen und die andere zu einem klassischen Konzert - und wir marschierten Hand in Hand zur U-Bahn. Mit der U1 fuhren wir zum  Stephansplatz und uns schien es, als wären wir nie weg gewesen. Hmmm ... den Weg zum Opernhaus fanden wir allerdings nicht auf Anhieb.  Opernhaus ;-) Dort wartete Marie-Luise auf uns, eine Wienerin, die in der Schweiz lebt und zufällig gerade an diesem Wochenende in Wien war. Sie führte uns zum Grand-Hotel und so genossen wir den Abend im kleinen Kreis. Danke Marie-Luise, dass du du so spontan Zeit für uns hattest - es war einfach kuul. Nun sind wir wieder in unserem Schiff und werden morgen nochmals Wien unsicher machen, bevor wir dann am Abend nach Budapest ablegen werden.