Reise nach Prag

Unser erster Morgen in Prag - doch der Weg bis dahin war abenteuerlich und anstrengend. Jedenfalls sind wir gesund und und wieder munter. Und wir schreiben nun die wilde Geschichte vom behüteten Schiffsleben über Bombenentschärfung und grenzwertigem Zugsreisen zum Bijou-Hotel auf der Prager Kleinseite.

30.9.2017

Die Schiffsreise ist Vergangenheit – wir blicken auf ein einmaliges Erlebnis zurück, das wir noch etwas verdauen müssen. Nun sind wir wieder als Individualtouristen unterwegs. Aber als zürnten uns deren Reisegötter, war der Weg nach Prag mit etlichen Hindernissen gepflastert. Spannend war es auf jedenfalls und wir wurden in die Achterbahn des realen Lebens katapultiert.

 

Die Melodia legte leicht verspätet an, etwas ausserhalb Passaus, für uns gefühlt in der Pampa vor Passau. Unser Taxi stand bereit. Doch zuerst musste die Crew noch einen improvisierten Weg bauen, damit wir das Schiff verlassen konnten. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Frau Bernasconi tigerte schon ganz nervös treppauf treppab durch das Schiff. Nein, auch sie konnte nicht von Bord gehen, ausser sie wäre die kurze Strecke geschwommen. Um 09.24 würde unser Zug von Passau nach Regenburg weiterfahren, es würde knapp.

Als wir endlich aussteigen durften, war das Taxi schon wieder weg. «Ich kann nicht so lange warten», teilte die Driverin mit. Okee - und wie kommen wir jetzt zum Bahnhof?  Das Gepäck hatten wir bereits wo blieb das Ersatz-Taxi? Minuten verstrichen, eine um die andere. Der Zug würde nicht warten. Endlich - der Taxidriver brauste mit uns zum Bahnhof. «Sie schaffen das schon». So kamen wir denn doch noch rechtzeitig in den Zug. Schon, bloss dieser war hoffnungslos überfüllt. Keine Chance für einen Sitzplatz – aber es würde ja nicht lange dauern bis wir im Regensburg umsteigen würden. Immerhin fand der mässig interessierte DB-Schaffner dann doch noch zwei Plätze für die grummelnden und brummelnden Schweizer.

Umsteigen in Regensburg. Wir freuten uns auf unseren Sitzplatz in der 1. Klasse. Wir wollten es uns gemütlich machen, denn immerhin sollte die Reise bis Prag rund 4 Stunden. Keine Chance. Die fünf Abteile erster war hoffnungslos überfüllt, wie der gesamte übrige Zug. Die Odyssee konnte beginnen. Wir quetschten uns in ein 2. Klasse Abteil. Dort lernten wir unsere zukünftigen Schutzengel Thomas und Bibiana kennen. Die beiden hatten sich ein verlängertes Wochenende in Prag frei geschaufelt. Thomas hievte unsere viel zu schweren Koffer in die Gepäckfächer hoch und schon hatten wir uns eingerichtet. Pünktlich um 10.31 fuhr der Zug von Regenburg los, geplant wäre eigentlich, um 14.41 in Prag einzufahren. Leider nein. Kurz nach Regensburg blieben wir stehen. Keine Durchsage, keine weiteren Informationen. Nada. Es dauerte rund 30 Minuten bis dann die Information kam, dass im vor uns liegenden Schwandorf eine Bombe entschärft werden musste. Thomas googelte und las uns den entsprechenden Bericht vor. Die Evakuierung der Bevölkerung und die Entschärfung der Bombe waren bereits seit Freitag geplant. Bis 14:00 Uhr etwa sollte das Prozedere dauern. Die Streckensperrung hingegen wurde leider in keiner Weise von der Bahn kommuniziert. Halt, halt, das stimmt nicht ganz: In Regenstauf – dem Ort an dem unsere Reise nach Prag zum Erliegen kam – hing ein Aushang im Bahnhof. Inzwischen plünderten die klugen Männer die naheliegende REWE-Filiale und deren biwaktauglichen Waren.

Bald einmal wurden die ausgestiegenen Passagiere in den Zug zurückgepfiffen. Es ging weiter! Bevor Freude aufkommen konnte, hielt der Zug im nächsten grösseren Bahnhof, in Schwandorf. Unser Zug würde mit dem nachfolgenden aus München zusammengelegt. Leider nur die Passagiere und nicht die Wagen, alle mussten raus und drei Stunden später wieder in den nächsten Zug einsteigen. Dieser Zug war hoffnungslos überfüllt. Mir kam es wie ein Viehtransport vor. Viele standen in den Gängen, die meisten mussten über Koffern steigen. Irgend ein Depp zog die Notbremse. Danach dauerte es nochmals eine Weile bis sich dann der Zug endlich Richtung Prag bewegte.

Bibiana und Thomas hüteten das Gepäck, während Peter sich irgendwo noch einen Sitzplatz ergattern konnte und ich einen Klappsitz im Gang. Nach rund zwei Stunden wurden in Tschechien tatsächlich drei leere Wagen angehängt. 200 Sitzplätze – unglaublich. Dank dem Rugbyreifen Einsatz von Thomas, der einmal mehr unsere Koffer in die Ablage hochhievte, fanden wir einen ruhigen Platz in einem Abteil. So durften wir die letzten zwei Stunden doch noch gemütlich nach Prag fahren und den Sonnenuntergang geniessen.

Der Hotel-Taxifahrer holte uns am Bahnhof ab und brachte uns in ein wunderschönes Hotel unterhalb der Burg. 19.30 sind wir im Hotel angekommen. Danke Thomas und Bibiana, dass ihr uns auf der Reise von Regensburg nach Prag begleitet habt und uns beim Ein- und Aussteigen mit den Koffern geholfen habt.  Ehrlich – ohne euch hätten wir es nicht geschafft und sässen wohl immer noch mit weiteren Randständigen in Schwandorf auf der Bahnhofsbank!

 

Frau Bernasconi und Ruhe geben? Nicht solange noch Schuhe an den Füssen sind! Also stellten wir das Gepäck ins Zimmer und schwärmten aus. Durch die engen, schummrig beleuchteten Gässchen trieb es uns auf die Karlsbrücke – es musste einfach sein. Prag – eine unglaubliche Stadt! Mit der Tramway 22 ratterten wir rund um die Burg, um «von oben herab» zu unserem Hotel zu stossen – den Aufstieg hätten wir wohl kaum mehr geschafft.

Frau Bernasconi gab endlich Ruhe, fiel ins Bett. Noch bevor der Kopf auf dem Kissen aufschlug weilte sie bereits im Reich der Träume.

1. 10. 2017

Ein neuer Morgen – gestern war gestern. Nach der engen Schiffskabine geniessen wir unsere «Riesenhalle» hier in Prag, ich glaube das Bad ist grösser als unser Logis auf der Melodia. Das Hotel «Goldener Stern» liegt ein Steinwurf von der Burg. Gleich nach dem Frühstück stiegen wir hoch und liessen uns von der einmaligen Aussicht über Prag verwöhnen.

Den restlichen Tag durch liessen wir uns durch die goldene Stadt treiben. Herr Maibach findet zwar eher, es sei die Stadt der wunden Füsse: obwohl als Berner Kopfsteinpflaster gewöhnt, schadet hier ein Blick nach unten nie – eben ein wenig uneben hier.

Auf der Karlsbrücke trafen wir unsere beiden wieder. Nochmals ein ganz grosses Merci an Thomas und Bibiana. Übrigens, Bibiana ist in der Slowakei geboren, und zu unserem Glück versteht sie die Einheimischen, ja sie spricht sogar mit ihnen! Bibiana ist zu unserer Reiseleiterin geworden, denn ersten weiss sie alles und zweitens wo man gut und günstig essen kann!

Treffsicher führte Bibiana ihre hungrige Schar ein paar Tramstation aus dem Trubel bei der Karlsbrücke.  In einer kleinen Seitengasse, die nur sie kennt, in einem Lokal, das niemand kennt sassen wir in einem mit dunklen Holz getäfelten Restaurant mit sehr schweren, dicken Stühlen und speisten Rustikales mit viel Fleisch und sympathisch wenig (keinem) Gemüse.

Die nahegelegene Standseilbahn führte uns hinauf auf den Petrin. Den ehemaligen Austragungsort der Spartakiaden liessen wir hinter uns und bummelten gemütlich einen prächtigen Rosengarten, durch herbstliche Parkanlagen zurück zu der Burg. Es war wohltuend, den Rummel in der Stadt weit unter uns zu wissen und die Ruhe eines schönen Herbsttages auf uns einwirken zu lassen.

Und wenn ich die eine oder andere Station vergessen habe – Thomas und Rosmarie werden bestimmt anhand eines lückenlosen Fotoprotokolls nachdokumentieren.

 

Abend dann führte uns Thomas in ein angenehm hotelnahes Lokal mit noch dickeren Tischplatten und noch weniger Gemüse. Abgesehen von einem Sauerkräutchen, das nur so im Munde zerging. Dazu Knödel aus einem himmlischen Paralleluniversum – mehr essen ging einfach nicht mehr. Traurig liessen wir den letzten Knödel in die Küche zurückgehen. Also für Vegetarierinnen waren die letzten Tage etwas schwierig – Gemüse war Mangelware.