Prag - Karlin - Vysehrad

2.10.2017

Nach einem späten Frühstück hatten Rosmarie und ich uns den Karlin als Ziel vorgenommen. Doch natürlich liessen wir uns auf dem Weg dorthin von einem romantischen Tor verführen und landeten überraschend im charmanten Park beim Parlament. Doch genug abgeschweift, ab in die U-Bahn und von Malostranska nach Florenc. Dort bummelten wir durch den Karlin, der Empfehlung aus dem Reisführer «111 Orte in Prag, die man gesehen haben muss». Dieser bezeichnet Karlin als das Viertel über dem Wasser. Hochwasser, Sanierung, alt neben neu, Quartierszene und Hipster Corner, auch die unverkennbare Gentrifizierung erinnern uns an die Matte in der Zeit seit dem letzten grossen Hochwasser.

Tram 24 brachte uns zurück ins Zentrum, zum Republiky und dort gleich ins Palladium und zum Beef Burger. Beef Burger scheint irgendwie der Stern von Prag zu ein, schon unser Fahrer am Bahnhof wollte dort abmachen. Aber ich schweife ab. Jedenfalls trafen wir dort Bibiana und Thomas wieder. Der Rest der unendlichen Stunden im Einkaufszentrum ist rasch erzählt. Thomas und ich skizzierten Filmprojekt «Einsame Männer vor Läden» und, weil die Zeit noch reichte gleich das Sequel: «Einsame Männer in Schuhläden». Die Idee «Staubige Männerskelette in Einkaufszentren» haben wir als unrealistisch verworfen, das Palladium würde bestimmt regelmässig gereinigt.

 

Bibiana und Rosmarie hingegen fanden eine herrliche Papeterie und Buchhandlung. Tja, wir sahen die Männer, wie sie ungeduldig vor dem Fenster warteten, aber die Vielfalt liess uns nicht so schnell wieder rauskommen. Bibiana wollte für ihre beiden Jugendlichen noch was einkaufen und ich verweilte bei den vielen schönen Notizbüchern.

 

Gut ausgerüstet mit allerlei Krimskrams rauschten wir mit der U-Bahn nach Vysehrad. Niemand hatte Lust auf noch mehr Rummel, so kam uns die stille, idyllische Parkanlage der Nationalen Gedenkstätte gerade Recht. Nach wenigen Schritten bot sich ein einmaliger Blick weit über die Stadt, hinüber zur Burg. Der Besuch in der Kirche Peter und Paul brachte einen besinnlichen Moment in den sonst eher weltlichen Besuch in Prag. Nicht fehlen durfte, eine Kerze für alle Lieben anzuzünden.

Unser Weg führte über den Ehrenfriedhof. Wir besuchten die Gräber der Komponisten Antonin Dvorak (Sinfonie aus der neuen Welt) und Friedrich Smetana (Die Moldau). Bibiana – ganz in ihrem Element entdeckte noch unzählige weitere Künstler, die uns ehemaligen «Westlern» verborgen blieben.

 

So viel Kultur und frische Luft gaben Hunger. Nicht weit von Vysehrad fanden wir ein Gässchen mit Restaurants – sehr touristische und eher weniger touristische. In einen einfach Lokal assen wir ausgezeichnet und die Lebensgeister kehrten zurück.

Apropos zurückkehren: Morgen reisen die beiden zurück und lassen uns alleine in Prag zurück. Entsprechend herzlich war der Abschied – es waren Sternstunden gewesen in Prag – und die sind ganz, ganz selten.

 

Müde und etwas benommen stiegen wir in die 22, die uns sicher und schnell ins Hotel zurückführen sollte. Bis Prohofelec und dann links runter und nichts wie ins Hotel. Doch dann, Prazsky hrad stach uns der Hafer. Wir stiegen aus, erinnerten uns an den Hotel-Rezeptionisten, der uns den Weg quer durch die Burg empfohlen hatte. Etwas Tageslicht war noch, also nichts wie hin. Doch dann, im zweiten Hof, war es um uns geschehen und wir liessen uns einmal mehr verführen. Wir standen vor der St. Georgs Basilika und staunten nur noch. Prompt verpassten wir den Ausgang und stapften zwei Kilometer in der Burg herum, bis uns ein freundlicher Polizist endlich den richtigen Ausgang zeigen konnte. Ah, und fürs Protokoll natürlich begann es zu regnen. Die Regenmenge stieg laufend und indirekt proportional zu unserer Laune. Die ewigen Pflastersteine wurden rutschig. Herr Maibach bedachte die Prager Strassenbauer mit etlichen berndeutschen Ausdrücken, die hier herum glücklicherweise niemand verstehen würde. Und Frau Bernasconi sagte für einmal kein Wort mehr, denn sie brauchte die Luft, um den falschen Weg wieder hinaufzusteigen.

 

Triefend kamen wir im Hotel an, verwandelten das Badezimmer in einen Tumbler. Dann genossen wir die letzten Wanner-Kekse von unserem Einkauf bei Rewe in Regenstauf.