Prag - Burg - Apple - Wenzel

3. 10. 2017

Die Regenausrüstung hatten wir uns eigentlich erst für Wien eingepackt, denn dort kann es voll das ganze Programm verregnen, wir wissen, wir waren dabei. Aber auch in Prag regnet es. Kaum waren unsere Sachen von gestern trocken, standen wir bereits wieder im strömenden Regen. Wir wollten in die Burg und dort in die Basilika, dort wären wir fein am Trockenen.

Dachten wir, als wir das kurze Stück Treppe vom Hotel her hochstiegen. Gepäckkontrolle und Metallscan, das kannten wir bereits von gestern Abend. Und auch den gestern verpassten Ausgang lag bei Tageslicht klar erkennbar vor uns. Und wie gesagt, der Regen war auch da, und gefühlt halb Asien. Es war wie in Tokio am Hauptbahnhof, so stelle ich mir das vor. Bloss, dass dort die Selfiestangen wohl verboten sein dürften. Triefnasser Schirm und Selfiestick, wir sahen wunderbare Kunststücke – wie im Zirkus.

Langsam aber sicher weichte uns der Regen ein, während wir uns auf den Einlass in Veitsdom hinschoben. Endlich standen wir im imposanten Dom. Wir entwickelten eine Technik, zwischen den Reisegruppen hin und her zu schwirren und unsere bevorzugten Blickpunkte ganz individuell zu erkunden.

 

Doch einmal ist genug Dom und wir standen wieder im Regen, vor der Goldenen Seitenpforte des Doms. Wir ahnten, dass in kürze das enge, goldene Gässchen total überlaufen sein würde und platschten durch die Pfützen dorthin. Ich glaube, wir hatten Glück – die Besucherströme im Gässchen waren akzeptabel, vielleicht dank dem Dauerregen? Vielleicht war es sogar gut, schon um zehn Uhr pfludinass zu sein?

Wir versöhnten uns mit den Souvenirläden, als wir im Kafkahaus standen und sich Peter in der Vitalis-Buchhandlung (www.vitalis-verlag.com ) das Buch «Franz Kafka und Prag» erwarb. Offenbar das Lieblingsbuch der resoluten Buchhändlerin. Wir schlossen sie sofort ins Herz, als sie fotografierende Touristen energisch aus dem Laden wies. Schüchtern fragte Frau Bernasconi, ob denn sie wenigstes ein Erinnerungsfoto schiessen dürfte? «Of course!», rief die Buchfrau aus, «Kaufen Sie Buch, machen Sie Foto!». Sie nahm Rosmarie kurzentschlossen die Kamera aus der Hand, drückte uns eine Papiertüte des Ladens in die Hand und knipste munter drauflos.

 

Wir besichtigen – wieder im Malstrom der Reisegruppen – die St. Georgs Basilika und den alten Königspalast. Dann war genug der Steine, wir flohen aus der Burg. Unsere Linie 22 trug und hinunter zu der Karlsbrücke. Dort waren deutlich weniger Leute unterwegs – dem Regen sei Dank. Doch vorher mussten wir noch Hausaufgaben erledigen, die uns Bibiana aufgedrückt hat: «Trdelnik» - nein, kein Sprachtraining für Vokalfaule sondern ein süsser Kringel in Form und Grösse eines Fernrohrs – nur mit deutlich mehr Kalorien. Das kann noch optimiert werden mit einer Füllung aus 200 Prozent Zucker plus Schokolade zum binden. Lecker, lecker. Wir waren für den Tag verpflegt. Bibiana erklärte uns am Sonntag noch, dass diese Speise nicht Tschechisch, sondern von Ungarn kommt – lecker ist es so oder so.

Nicht weit vom gegenüberliegenden Brückenkopf kehrten wir ins Apple Museum zurück, es war uns schon vorgestern aufgefallen; www.applemuseum360.com. Dank freundlichem Nachfragen liess uns die junge Apfelfrau als «Student» durchgehen. Wir schwelgten in Erinnerungen als wir die wirklich gut assortierten Räume durchschritten. Und da stand er – der Apple IIe – mein erster Computer, Modell 1983. Zwei 5.25 Floppy-Laufwerke, ein Monitorli, nur Schrift, dafür giftig grün. Andy und ich hatten ganze Wochenenden damit getüftelt und gespielt. Später kam Ashton-Tates Framework dazu, dank einer CPM-Karte. Auch Frau Bernasconi wagte sich damals daran und stieg erstmals in die Tiefen der Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Tabellen ein. Wir schwelgten in Erinnerung. Vor den Schaufenstern schoben sich die Massen durch den Regen, etwas wehmütig verliessen wir das elegante Museum und gingen «Gässeln».

Wir schauten in das Gasthaus zum Kelch, dem Stammlokal des braven Soldaten Schwejk, standen vor dem tanzenden Haus und bummelten den Wenzelsplatz hoch. Ehrfürchtig standen wir vor der Gedenkplatte für Jan Pallach, der junge Student, der sich 1969 als Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte. Ich erinnere mich gut, wir zuhause im beschaulichen Bern von der unerhörten Tat erfuhren. Die Wellen rund um den Prager Frühling schlugen weit aus.

 

Der Regen hatte aufgehört, die Sonne beleuchtet den grossen Platz – die Stimmung wurde heiterer. Besonders als Frau Bernasconi in einem Nebengässchen einen Souvenirladen plünderte. Tja, die hatten so viele schöne Sachen, die man in andern Läden nicht finden konnte. Zwei, drei Kleinigkeiten – mehr nicht - Peter übertreibt mal wieder masslos!  Die vielen Pflastersteine machten uns müde und irgendwie sind wir ihnen überdrüssig geworden. Die Tramway 23 brachte uns ab Platz Richtung Hotel. Doch das Licht war so prächtig, dass ein Abstecher zum Dom einfach noch drin liegen musste. Und so stiegen wir einmal mehr früher aus als geplant – für ein gutes Bild ist man nie zu müde.

Und übrigens, morgen müssen wir nochmals ins Goldene Gässchen» Frau Bernasconi hat dort Souvenirs entdeckt, die ihr nicht aus dem Kopf wollen. Und Herr Maibach wird wohl den Buchladen nochmals besuchen wollen. Gut ist, dass die Tickets zwei Tage gültig sind!

Und da wir ja unser Hotel tatsächlich grad bei der Burg haben – und vielleicht schaffen wir es morgen vor sieben Uhr auf der Karlsbrücke zu sein, um noch einige Bilder von der leeren Karlsbrücke zu knipsen!