Zentralfriedhof

7. 10.2017

Eigentlich wollten wir heute ins jüdische Museum – aber Halt – das bleibt am Samstag ja geschlossen. So gehen wir den eben Morgen oder am Montag oder bei einem nächsten Besuch hin. Der Zentralfriedhof stand ebenfalls auf unserem Programm. Nachdem wir das jüdische Viertel und den Friedhof in Prag besucht hatten, interessierten wir uns erneut für den jüdischen Friedhof in Wien. Ich weiss nicht, wie oft wir schon im Zentralfriedhof waren und wie manchen Kilometer wir schon marschiert sind. Immer wieder fasziniert uns dieser Friedhof. Die Ruhe und die Grösse sind ein schöner Gegensatz zur lebendigen Stadt.

 

Ich glaube es, ist die Grösse und die Vielfalt und dass an einem Ort so viel Platz zur Verfügung steht. Platz für viele Religionen und Schichten der Gesellschaft. Platz aber auch für grosse Grabsteine und Denkmäler. Platz, für Menschen, die nicht lange auf der Welt waren, wie der Babyfriedhof.  

 

Wir streifen durch den jüdischen Friedhof und bewundern die unterschiedlichen Grabsteine. Die Herbstfarben vermischen sich mit dem Licht der Sonne und meine Kamera macht einfach nur noch klick. Ich sehe Motive, sehe Formen und Farben und merke wie mich die Inschriften auf den Steinen faszinieren. Diese Menschen sind schon lange tot – es geht eine eigenartige Energie von diesen Grabmälern aus. Ich bleibe immer wieder stehen, lese die Inschriften und mache mir Gedanken wie diese Menschen gelebt haben. Prag und Wien - wie sie sich in den Friedhöfen gleichen. Wien einfach etwas pompöser.

 

Wir marschieren durch die langen Wege zur Kirche und zu den Gedenkstätten der Prominenten. Diese liegen in der Nähe der Kirche. Ich sehe das Grab von Curd Jürgens, das mich schon beim ersten Besuch unglaublich fasziniert hat. Diese überdimensionale Grösse der Gedenkstätte und ganz hinten ist das bescheidene Grab von Theo Lingen, den ich sehr gerne mochte. Ein Mann stand vor seinem Grab fotografierte und meinte fast ehrfurchtsvoll «Wissen Sie, ich mag den Theo Lingen, er hatte sich immer vor seine Frau gestellt, die Jüdin war.» Wir marschieren weiter und treffen auf die Gedenkstätte von Udo Jürgens. Ein wunderschönes Grabmal, das rege besucht wird. Dann suchen wir den Falco, der aber ganz an einem anderen Ort begraben liegt. Als wir zu seiner Gedenkstätte kamen, fuhr eine Kutsche mit asiatischen Touristen vor. Der Kutscher sagte ihnen wohl wer das ist und es dauerte nicht lange und die Kutsche fuhr weiter. Wir blieben einen Moment stehen und betrachteten das Kunstwerk wo Mama Hölzl und Sohn (Falco) begraben liegen.

 

Wir marschieren weiter durchs «Niemandsland» an keinen Grabstätten vorbei und da hörten wir es rascheln. Ganz vorsichtig näherten wir uns dem Geräusch und ein Rehpaar schoss aus dem Gebüsch. Ich schlich mich behutsam mit der Kamera an die beiden Tiere heran. Sie blieben stehen.

 

Tja – und dann verliessen wir die Ruhestätte und ratterten mit dem Tram langsam Richtung Innenstadt. Beim Opernhaus stiegen wir aus, weil wir noch zu Kaffee und Kuchen wollten – das Mozart und der Sacher und der Demel waren natürlich alle heillos überlaufen. In der Stadt hörten wir Sirenen, die Polizeipräsenz war gross. Drei Demos an einem Nachmittag! Wir versuchten es beim Café Aida und hier erhielten wir leckeren Kaffee und feinen Kuchen.  Es war hektisch und in Ruhe Kuchen und Kaffee geniessen, das war heute  irgendwie eher Wunschdenken. Wir sind froh, dass wir wieder in unser ruhiges und gemütliches Puppenhaus zurückkehren durften.

 

Essen beim Fassl-Wirt

 

Am Abend waren wir noch mit meiner Cousine Anita verabredet. Sie lebt mit ihrer Familie seit mehr als 30 Jahren in Wien und betreibt mit ihrem Mann, Alfons, das Restaurant Fassl Wirt an der Favoritenstrasse 235a. Vor rund 3 Jahren besuchten wir sie das erste Mal und der Weg zum Restaurant war sehr kompliziert. Lag das Restaurant doch weit aussen und hinter einer grossen Baustelle. Anstelle der damaligen komplizierten Tramfahrt konnten wir heute bequem mit der U1 bis zur Haltestellen Adlaugasse fahren. Der Fassl-Wirt ist ein Steinwurf von der U1 entfernt. Ein glückliches Wirtepaar empfing uns, denn die U-Bahn ist jetzt seit Anfangs September geöffnet. Wir genossen ein feines bürgerliches Abendessen und zum Dessert – wie könnte es anders sein – einen unglaublich leckeren Marillenknödel – unglaublich was Alfons auf den Tisch gezaubert hat. Übrigens Pamela, Alfons hat mir von dem Abend mit euch vorgeschwärmt. Du scheinst bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben!

 

Und nun sind wir so satt und mögen kein Blatt mehr.  

 

Und während ich hier fertig schreibe, beginnt Peters letztes Arbeitsjahr!