Meissen 16.10.2019

Heute haben wir uns einen alten Wunsch erfüllt – einmal schauen, wo das filigrane Meissnerpozellan herkommt. Es ist eine Jugenderinnerung von Peter, bei seinen Eltern zuhause standen zwei, drei galante Figurenszenen in einer Vitrine, ein liebevoll gehüteter Familienschatz aus längst vergangenen Zeiten, dem man ja nicht zu nahe kommen durfte! Nicht berühren! Nur schauen!

 

Heute sollte diese Distanz endlich abgebaut werden. Zu Trainingszwecken hatten wir schon mal am Vorabend Windowsshopping praktiziert, beim Meissnergeschäft am Neumarkt. Nach einem Blick auf die prächtigen Figuren und Geschirr die uns sofort verzauberten, entzauberte uns das zweite Auge auf das Preisschild unmittelbar sofort. Soviel hatten wir in unserem beider ganzen Leben nicht für Geschirr ausgegeben Wir staunten nicht schlecht, nach den letzten sonnigen Tagen rechneten wir nicht mit Regen. und es regnete in Strömen. Nichts desto trotz freuten wir uns auf diesen Tag. Wir bummelten dick in Regenjacken verpackt, durch die Altstadt zu den Terrassen, also zum Schiffsanleger und kletterten an Bord des Schaufelraddampfers «Personendampfer Pillnitz». Das schöne Boot war 1886 gebaut worden und seither liebevoll in Schuss gehalten. Das Stampfen der zweizylindrigen Dampfmaschine rollt in unserem Ohr weiter, ein beruhigendes Hintergrundgeräusch zur gemächlichen Fahrt auf der Elbe. Die Stadt wich einer ländlichen Gegend, der Fluss lag da wie ein blaues Band. Reiher, Enten, Kühe, Schafe schauten uns beim Vorbeiziehen zu. Inzwischen stand ein wirklich fantastisches Frühstück auf unserem Tisch und entschädigte uns für allerhand improvisierte Morgenrituale.

 

Nach kurzweiligen zwei Stunden, die Herr Maibach meist alleine verbrachte, weil Frau Bernasconi auf dem Schiff herumturnte und den Akku der Kamera leerte, legte die «Pillnitz» in Meissen an. Ein schneller Blick auf den fernen Dom und den Stift, und schon eilten wir durch das mittelalterliche Städtchen Richtung Manufaktur. Ein modernes Gebäude erwartete uns, voll bereit für Besucherinnen und Besucher. Während einer abwechslungsreichen und unterhaltsamen Führung mit Ramona Köhler konnten wir Keramikern und Malerinnen bei ihren Tätigkeiten zuschauen. Schnell wurde uns klar, dass wir für solche präzise manuellen Arbeiten völlig untalentiert wären. Ich denke, dass wir ziemlich viel Ausschuss produzieren würden, die man dann sicher im Outlet wieder finden würde.

 

Wir besuchten das weitläufige Museum, voller unerreichbarer Gegenstände. Weltlicher ging es dann im Shop zu, wobei auch hier die Preise gottseidank Frau Bernasconis Tassenkaufwut spürbar dämpfte. So standen wir denn vor den wunderschönen Tassen und berieten uns ob und überhaupt wir uns eine so elegante Tasse leisten konnten. Die Preise betrugen zwischen 70.00 – 600.00 Euro. Oder ob wir doch lieber im Outlet eine Tasse kaufen sollten.  Wir entschieden uns für eine Tasse für 70.00 Euro – eine so teure Tasse habe ich meiner ganzen Sammlung nicht und nach Meissen kommt man ja auch nicht alle Tage. Diese Tasse bedeutet mir sehr viel und sie wird sicher einen Sonderplatz in meiner Sammlung einnehmen.

 

Unglaublich schnell waren die drei Stunden in Maissen vorbei und wir kletterten wieder auf die «Pillnitz». Die Sonne hatte die Wolken verdrängt und wir glitten durch einen wunderbaren Sonnenuntergang zurück nach Dresen, an den Anleger 7.