JEDERMANN - IN DER SPEICHERSTADT IN HAMBURG

Dank Leslie und Viktor haben wir einen herrlichen Theaterabend erlebt. Leslie teilt mit mir die Liebe zum Buch (Buch Luzern) und die Liebe zu Hamburg, aber auch die Liebe zum Theater. Und zufälligerweise haben wir es geschafft zur gleichen Zeit in Hamburg zu sein. Es war ein wunderbarer Abend, denn wir zusammen verbringen durften.

 

Ein herausragender Theaterabend ist leider schon vorbei. Die «Jedermann»-Aufführung in der Hamburger Speicherstadt übertraf alle unsere Erwartungen. Das ewige Thema, der Pakt mit dem Teufel, die Vergänglichkeit, Gier, Macht und Einfluss endet mit der unausweichlichen Konfrontation mit dem Tod oder heute besser mit der Todin, gespielt von einer eindrücklichen Jantie Billiker. Neben den Starrollen des Teufels (Erik Schäffler)  und natürlich des Jedermanns (Robin Brosch)  wäre es nicht fair, einzelne Besetzungen hervorzuheben: Das gesamte Ensemble hat eine begeisternde Zusammenarbeit präsentiert und das Publikum mitgerissen (Gesamte Besetzung s. im Internet https://hamburger-jedermann.de/ensemble.html  Entsprechend positiv fiel auch der Schlussapplaus aus.

 

Der gierige Kaufmann Jedermann verkauft seine Seele für den Grundbesitz der Speicherstad. Sofort macht er sich daran, das alte Gemäuer umzugestalten, Rendite muss her, immer mehr!

 

Doch die Speicherstadt leistet auf ihre Art Widerstand. Der Hafenchor, Walking Deads, Kaufleute wollen ihre Rechte geltend machen, der Konsum, die Landleute, die High Society, Kultur, Politik – aller huldigen Jedermann. Mitten im grössten Rummel klopft der Tod an, mächtig und imposant aus den gegenüber liegenden Speichern. Der listige, aber dann doch etwas frustrierte Hamburger Teufel will seinen Deal mit Jedermann abschliessen. Jedermann leistet stur und hartnäckig Widerstand, ein harter Brocken. Doch als sich alle von ihm abwenden, die Erinnerungen, die Finanzwelt, die Technologie, ergibt er sich in sein Schicksal und der Todin, die Jedermann nach dem Todeskuss mitnimmt, ein starker Abgang eines starken Paares.

 

Komödie, Klamauk, Spektakel halten sich die Waage mit dem Drama – ein wunderbarer, anregender Abend in einer beeindruckenden Kulisse.

 


Jedermann Muss aufgeben - so Schade

Leider erfahren wir auf der Homepage des Veranstalters (hamburger-jedermann.de) dass dies einer der letzten Vorstellungen von Jedermann war.  Welche Ironie - nach so vielen Jahren erliegt diese Tradition der im Stück angeprangerten Modernisierungen.

 

"Sehr geehrte Damen und Herren,

 

das Projekt „Der Hamburger Jedermann“ hat seit 1994 in 25 Spielzeiten die Hamburger Speicherstadt zu einem Ort der Kunst, des Theaters und des Lichts gemacht.

 

 Es hat beispielhaft und mit enormer Akzeptanz die Themen der Zeit und des Wandels formuliert und mit hoher künstlerischer Qualität zum Ausdruck gebracht. Als langjähriger Höhepunkt des Hamburger Sommers und der HafenKulturTage hat „Der Hamburger Jedermann“ Theatergeschichte geschrieben.

 

Die fundamentalen Veränderungen der Stadtentwicklung, des Verkehrs und der Umstände gleichzeitig stattfindender kommerzieller Nutzungen des Ortes verbunden mit aktuellen Bau- und Sanierungsmaßnahmen - die konkret bedeuten, dass bisher gemietete Räume nicht mehr verfügbar sind - lassen eine Fortführung des Projekts unter angemessenen und zumutbaren Bedingungen nicht zu.

 

Aus diesen Gründen kann „Der Hamburger Jedermann“ in Zukunft nicht mehr fortgesetzt werden.

 

Wir bedanken uns bei unserem Publikum, bei allen Unterstützern und Unterstützerinnen und bei allen, die an diesem einmaligen Projekt mitgewirkt und teilgenommen haben. Behalten Sie uns in guter Erinnerung.

 

Mit herzlichem Gruß

 

Ihr

 

THEATER IN DER SPEICHERSTADT"

veröffentlicht am 31.8.2018