Freitag, 27.1.2017

Ein klarer Morgen kündigte sich vor unserem Hotelfenster an, so dass das Alternativprogramm «Zollmuseum» noch vor Sonnenaufgang gestrichen wurde. Schade, Frau Bernasconi hätte sicher ein paar gute Tipps nötig, wie sie ihren Wagenladung Hoddis über die Grenze bringen könnte.

 

«Planten un Blomen» waren für heute der geeignete Tagesstart. Der grosse Park mitten in der Stadt hatte es uns schon bei früheren Besuchen angetan – leider hatte uns der Regen immer daraus vertrieben.  Heute nicht! Sogar die Bise liess etwas nach. Von Blomen war natürlich nicht viel zu sehen, aber die gefrorenen Teiche und das flache Licht gaben prächtige Wintermotive. Irgendeinmal schaffen wir es bestimmt, den Park an einem schönen warmen Sommertag zu besuchen. Vielleicht schaffen wir das tatsächlich einmal, denn im Sommer haben wir Hamburg noch nicht erlebt.

 

Mitte im Park liegt eine grosse Eisbahn, die an diesem sonnigen Morgen stark besucht war. Adrette Eisprinzessinnen drehten gekonnt ihre Runden. Daneben versuchten Schlittschuh-Neulinge mit ersten wackeligen Schritte. Zwei Muslimas zogen konzentriert ihre Bahn. Burschen und Mädchen genau im richtigen Alter standen an der Bande – dem besten Partnervermittlungsinstitut, das gewisse Berner Giele schon seinerzeit auf der KaWeDe für sich entdeckt hatten. Es war trotz der Kälte eine fröhliche Stimmung und wir schauten gerne einen Moment zu. Aber auf die Schlittschuhe wagten wir uns dann doch nicht.

 

Doch genug Nostalgie, denn Frau Bernasconi wollte auf den Turm. Das war gar nicht so einfach, denn zuerst musste der Michel her, dessen Turm wir besteigen wollten. Natürlich waren wir nicht derselben Meinung, in welcher Richtung der liegen solle. So liessen wir Eisfeld und Park hinter uns und googelten den Weg zur St. Michaeliskirche – dem Michel und Wahrzeichen Hamburgs.  Der Michel sieht von aussen etwa gleich hoch aus wie das Berner Münster. Von innen ist er aber mindesten doppelt so hoch wie der Eiffelturm. Denn Frau Bernasconi war mit Todesverachtung am Fahrstuhl vorbeigerauscht und so krabbelten wir keuchend allen Höhenmetern entlang bis zuoberst. Die Versuchung war gross in den Lift einzusteigen und nach oben zu fahren. Und mittendrin in den Lift zu steigen kam dann doch nicht mehr in Frage. Für einmal hatte Frau Bernasconi nicht mehr viel zu sagen, als sie ausser Puste oben ankam.

 

Kalt jedenfalls war uns nicht mehr. Wir wurden mit einer einmaligen Aussicht über die Stadt belohnt, die Sicht war klar und reichte fast bis Amerika. Und Isa hier sind dann auch noch die gewünschten Bilder der Aussicht. 

 

Nach unten nahmen wir allerdings doch lieber den bequemen Lift, standen bald einmal wieder auf dem Kirchplatz und klopften uns gegenseitig auf die Schultern.

 

Der Bus 111 brachte uns zurück ins Hotel, ein Boxenstopp war dringend notwendig. Gegen Abend nahmen wir einen neuen Anlauf und zigeunerten in die Reeperbahn, zu unserem Lieblingschinesen. Der war inzwischen ein Geheimtipp geworden. So sassen nicht mehr Kiezgesichter und ihre Ladies hinter den Nudeln, sondern elegante Damen und Herren in Räuberzivil, in Hemd und Jackett, aber ohne Krawatte. Das Essen war selbst verständlich immer noch ausgezeichnet und die Kellner wahre Künstler im verdichteten Wirtschaften. Und Alain die Portionen sind immer noch reichlich.  Brigitta und Ulla an euch habe ich auch ganz fest gedacht.

 

Bald einmal zogen wir aber die Kälte dem Rummel vor. Wir schlenderten durch die Reeperbahn, sagten dem Hafen Adieu und fanden, das auch diese Woche viel zu schnell vergangen ist.

 

Nun die Koffer sind schon fast gepackt wir haben wieder eine erlebnisreiche Woche hinter uns – freuen uns aber auch wieder auf unser zu Hause mit dem Wissen, dass wir bestimmt ein nächstes Mal nach Hamburg «pilgern» werden.

 

Danke, dass wir euch auf unsere Reise mitnehmen durften - bis zum nächsten Mal irgendwo und irgendwann.