Donnerstag, 26.1.2017

(Nur so: in 11 Monaten ist Weihnachten vorbei)

Ein weiterer kalter Nebelmorgen breitete sich vor unseren Fenstern aus und wir hatten unter null Lust auf kalt und feucht. Unter der warmen Bettdecke hervor reservierte Frau Bernasconi Tickets ins Miniatur-Wunderland, dem Modelleisenbahnparadies, das praktischerweise nur ein paar Minuten vom Hotel weg liegt. «Bella Italia», wir kommen – ein wenig südliche Wärme kann nicht schaden. Denn diesen erst kürzlich eröffneten Abschnitt kannten wir noch nicht. Entsprechend liessen wir uns Zeit, Italien und vor allem Rom als Modellanlage gründlich zu studieren. Etwa die Mönche, welche beim Papamobil einen Reifenwechsel vornehmen oder die schrillen Vögel auf dem Petersplatz. Vom Kolosseum können wir jetzt tatsächlich behaupten, es auch von innen gesehen zu haben. Natürlich verglichen wird das Miniatur Rom mit unseren realen Eindrücken in den letzten Herbstferien und sucht Orte und Winkel, die wir besucht hatten.

 

Wunderland ist wirklich jedes Mal wieder ein Erlebnis. Gerne erinnere ich mich als ich vor zwei Jahren mit einer Reisegruppe der Tab-Thurgau durch das Wunderland zog. Während die Männer sich mit Ulla und mit mir viel Zeit nahmen die vielen kleinen Wunderwerke zu betrachten, wartete Brigitta mit den Ladys im Strassencafé unten beim Eingang. Natürlich – es war einiges wärmer – und es hatte viel mehr Leute als heute. Halt stopp – was erzähl ich da – mir taten die Lehrerinnen und Lehrer leid, die ihre Schützlinge dauernd darauf aufmerksam machen mussten, nichts anzufassen, leise zu sein, auf die andern anzupassen …

 

Ab so viel Italianità liess sich Hamburgs Sonne nicht lumpen und zauberte ein paar Sonnenstrahlen durch den Nebel – der bald einmal einer eisigen Bise wich. Für uns das Signal: Nichts wie nochmals hoch in die Elbphilharmonie. Wie anders alles aussah im Sonnenlicht! Der Raum der Plaza wirkte plötzlich höher, weiter und von der Terrasse aus schweifte der Blick über den Hafen und die Stadt. Es ging gegen Mittag und das schöne Wetter hatte bereits unzählige Schaulustige angelockt – Zeit für uns, zu verschwinden. Auf der Schifflinie 72 machten wir einen Schlenker an die Landungsbrücken. Zum Aufwärmen schipperten wir mit der 62 gleich weiter – einmal mehr nach Finkenwerden. Auf dem Rückweg plagte uns das fitnessmässige schlechte Gewissen und so spazierten wir von der Oevelgönne bis zum Fischmarkt, natürlich mit einer Tasse Kaffee im Elbeclipper, eines unserer ersten Hotels, die wir in Hamburg heimgesucht hatten.

 

Dann das ganze wieder zurück, mit der 62 an die Landungsbrücken, mit der 72 einmal rund um Elbphie – im schönsten Sonnenuntergang brach sich das flache Licht in den gewellten Fensterfronten, einfach Hollywood.

 

Frau Bernasconi war ziemlich tiefgekühlt. Mit der Kamera parat immer auf dem Oberdeck, im eiskalten Wind mit klammen Fingern. Derweil Herr Maibach im schön geheizten Passagierraum über ein Nickerchen nachdachte. Doch noch gab sich Frau Bernasconi nicht geschlagen. Es galt, eine Stunde zu überbrücken. So trainierten wir für einen zukünftigen Trip nach London und beschäftigen uns mit einer Tüte Fish-and-Chips. Langsam ging die Sonne unter, es wurde Nacht im Hafen – aber noch lange nicht ruhig.

 

Denn es wurde Zeit für eine Lichterfahrt durch die Speicherstadt und den Hafen. Frau Bernasconi feilsche mit dem Ticketverkäufer um vier Euro, die sie später als Trinkgeld dem Barkassenführer spendete. Ups and downs in Businesslife halt. Die nächtliche Fahrt durch die dezent beleuchte Speicherstadt, dem riesigen Lagerviertel mit zahlreichen Kanälen war verträumt und romantisch wie einen Reise zurück in der Zeit. Damals, als noch über 30 000 Menschen dort Schiffe be- und entluden, Zölle erhoben und die Fäden des Kaffeehandels zusammenliefen.  Krass der Gegensatz dann im modernen Containerterminal, taghell erleuchtete Kräne, die im Sekundentakt tausende von Containern in bis zu 400 Meter lange Frachtschiffe luden.

 

Voller Eindrücke, aber tiefgefroren kletterten wir aus der Barkasse «Ruth» und suchten unseren Bus. Dem inzwischen etwas unterkühlten Charme von Frau Bernasconi war es zu verdanken, dass der Busfahrer, der uns fast vor der Nase wegfahren wollte, einen Extrastopp einlegte, uns in die Wärme einliess und zu Hotel zurück chauffierte.

Und da im Hotel ein Wasserschaden die Sauna ausser Gefecht setzte, war ich für einmal dankbar eine Badewanne zur Verfügung zu haben  – nach einem wärmenden Bad sieht die Welt schon wieder viel «kuuler» aus.