Hamburg im Januar 2018

3. 1. bis 10.1.2018

Sonneuntergang, Elphilharmonie im Gegenlicht
Sonnenuntergang auf den Magellanterrassen

Der Nachfeiertagsurlaub ist schon Tradition geworden. Ferien im Durchzug, wie Peter brummelt. Doch dann stehen wir wieder am Hafen und bummeln an unseren Lieblingsplätzen vorbei und es zieht uns hinein, wir sind auf den Planet Hamburg.

Sturm Burglind – Flug

Irgendwie hatten wir es letzthin nicht so mit den Verkehrsmitteln. Nach den Kapriolen der Deutschen Bahn im letzten Herbst entschlossen wir uns, diesmal direkt ab Bern nach Hamburg zu fliegen.  Kurz vor dem Reisetag wurden die Wetterprognosen zum Sturm "Burglind" immer dramatischer. Frau Bernasconis sowieso schon minimale Begeisterung zum Fliegen wurde auf eine harte Probe gestellt. Doch der Flug startete pünktlich. Kaum in der Luft, begann unser wilder Ritt durch die Sturmböen Richtung Hamburg. Kaffee gab es nur im Deckelbecher.

Doch bei Hamburg hatte Burglind etwas nachgelassen und der Flug verlief schon fast beschaulich. Als Gegenleistung regnete es in Hamburg dann drei Tage lang. Ununterbrochen und waagrecht. Wir nutzten die Regenzeit zum Einkaufen, entschleunigen und für einen ersten Musicalbesuch.

 

Kinky Boots - "Hammermusical"

Das Musical von Cindy Lauper hatte uns bereits im Trailer angesprochen. Ein bankrotter, Schuhhersteller stellt die traditionelle Produktion auf "Kinky Boots", auf kniehohe Showstiefel um. Damit bedient er mehrheitlich Männer die gerne Damengarderobe tragen, sich aber durchaus als "Kerle" verstehen. Die unvermeidlichen Verwechslungen und das Gender-Durcheinander waren vorprogrammiert, das Happy-End schliesslich befreiend. Elegante und kraftvolle Tanzeinlagen, Dynamik und ein "Lasst uns alle in Frieden zusammenleben" mündeten in eine grandiose Party-Show. Einzelne Menschen im Publikum erschienen kostümiert und feierten kräftig mit – schliesslich steht das Theater an der Reeperbahn.

Angereichert mit Musik und Farben traten wir in die kalte verregnet Hamburger Nacht. Ein paar Schritte, zwei drei Böen und schon waren wir so etwas von durchnässt, dass wir blitzartig ins Hotel unter die Decke flüchteten.

 

Shoppingday und Hamburgkoller

Dank dem grauen Wetter hatten wir endlich Zeit ein bisschen zu shoppen. Auch wenn mein Jeansladen «Project» Ende 2017 geschlossen wurde, fanden wir zum Glück noch andere Läden, um einzukaufen. Ich bin schon  traurig, dass dieser Superjeansladen geschlossen wurde.  Der Samstag war grau in grau und das erste Mal hatten wir so etwas wie «Hamburgkoller» - wir fuhren mit dem Schiff nach Finkenwerder und die Leute auf dem Schiff sahen wohl alle etwa gleich missmutig drein wie Peter und ich. Das Schiff war überhitzt. Wir flüchteten uns ins Hotel und schliefen mal eine Runde, bis es dann dunkel war und wir das grau nicht mehr sehen mussten. Dafür belohnten wir uns mit einem herrlichen Abendessen im «Schönes Leben» - es war so lecker, dass es uns für den ganzen Tag entschädigte. So langsam klarte es auf, so dass wir dann nach dem feinen Essen noch etwas durch den Hamburgerwind marschieren konnten.

 

Baakenhafen

Dann kamen doch noch die sonnigen Tage. Über Nacht waren die Regenwolken weggeblasen und ein freundlicher, aber kalter Morgen holte uns hinaus an dir frische Luft. Ein ausgedehnter Bummel zog uns aus dem Hotel zum Baakenhafen. Auf dem weiten Gelände des ehemaligen Baakenhafens, zwischen der Überseeallee und den Elbbrücken dehnt sich das Neubaugebiet der HafenCity weiter aus. Bereits erkannten wir in der Ferne das Holiday Inn bei Billwerder. Gemächlich spazierten zum Hotel zu. Gleich daneben wohnten wir bei unserem ersten Hamburgbesuch in einem kleinen Appartement. Vor rund 14 Jahren suchten wir eine "gemeinsamen erste Stadt", in der wir noch nie gemeinsam aber auch nicht mit anderen Leuten waren. Tönt kompliziert, ist aber ganz einfach – "unsere Hamburger City-Premiere".  Seither bekräftigen wir den Spirit von früher mit regelmässigen Besuchen an der Elbe. Hamburg ist für uns aber auch eine Möglichkeit unsere Ruhe zu finden, denn wir müssen nicht jedes Mal wie wild in Hamburg herumrennen – tja manchmal machen wir es dann doch, denn es gibt immer wieder Neues zu sehen!

 

Pompös

Aus einem spontanen Einfall heraus, entschieden wir uns, in Schmidts Tivoli die letzte Aufführung von "Pompös, das grosse Winterspektakel" - präsentiert von Emmi & Willnowsky zu besuchen. Der Einfall wurde zum Reinfall. Gepriesen als witziges Entertainment der Mutter Corsage war die Vorstellung eher peinlich, man mag gar nicht darüberschreiben. Dem begeisterten einheimischen Publikum gefiels – uns deutlich nicht.  Wären die dürftigen Conferencen nicht von soliden Show Acts unterbrochen worden, wäre es kaum auszuhalten gewesen. Froh, dem spätpubertären Klamauk zu entkommen spazierten wir von der Reeperbahn zurück ins Hotel. Es gab viel zu diskutieren, die Backsteinmauern sind ganz rot geworden. Es war wirklich nicht lustig und wir staunten eher über so viel "Humor" unter der Gürtellinie.

 

Neuer Tag, neues Ziel.

Weiter schönes Wetter. Uns zog es nach Flottbek, zum botanischen Garten, dem Loki-Schmidt-Garten. Der spröde Wintercharme des Parks bezauberte uns trotz der Kälte. Wir notierten uns den Garten als Ausflugsziel für wärmere Tage. Vorbei am Jenisch Haus führte uns der Weg durch den weitläufigen Jenischpark hinunter an die Elbe. Bei vergleichsweise frühlingshaften Temperaturen marschierten wir der Elbe entlang zurück zum Hafen. In Övelgönne reichte es uns. Wir kletterten in die Fähre zwischen Finkenwerden und den Landungsbrücken, hüpften mit der nächsten Fähre zur Elbphilharmonie und liessen den Tag in der Speicherstadt ausklingen.

Der letzte Tag in Hamburg war wieder grau. Zu grossen Sprüngen waren wir nicht mehr aufgelegt, wir liessen uns durch die Strassen treiben, besuchten ein paar Läden, tuckerten nochmals mit der Fähre nach Finkenwerder. Packen. Das von Winterkleidern und tausend Dingen überladene Hotelzimmer wandelte sich langsam wieder in ein normales Hotelzimmer zurück. Wie der Geist in die Lampe passte schlussendlich all unser Material in die beiden Rollkoffer und die Rucksäcke.

Apropos Geist in der Lampe: Am Abend freuten wir uns auf das zweite Musical Highlight der Woche: Aladdin. Noch einmal liessen wir uns von Aladdin und seiner wunderschönen Prinzessin in den Orient entführen, liessen uns vom Dschinn, dem Geist aus der Lampe, in die seine glitzernde Wunderwelt entführen, fieberten mit, als Aladdin der die drei Wünsche, die ihm die Lampe gewährte, so klug einsetzte um ein Happy End herbeizuführen. Heile Welt, wenigstens auf der Bühne.

Am nächsten frühen morgen brachte uns zwar nicht ein fliegender Teppich, sondern eine Dornier 328 zurück nach Bern und noch vor dem Mittag rauschte die Waschmaschine der Sultanin auf Hochtouren.

Prognose: Der nächste Hamburgbesuch wird wohl in einem Sommer sein, damit wir auch die warme und helle Jahreszeit von Hamburg kennenlernen.

 

Impressionen Hamburg 2018