Delfthaven und Euromast

Wieder steht ein Bilderbuchtag für uns bereit. Das Frühstück war last minute – leider wird die Futterkrippe bereits ab 10:00 geschlossen. Aber dem schönen Wetter – und dem Bauchgefühl - zuliebe sind wir halt früh aus den Federn.

 

Schon bald brachte uns die Metro zur Haltestelle Delfthaven, der erstaunlicherweise nicht in Delft liegt, sondern der historische Hafen von Rotterdam. Gut beschildert fanden wir die alten Hafenquais und schlenderten durch die Gässchen rund um Voorhafen und Achterhafen. Wir bewunderten die Kirche der Pilgerväter und die unmittelbar daneben liegende Brauerei «Pelgrim». Für Gebrautes war es eindeutig zu früh, so wechselten wir auf die Sonnseite und in «Het Wapen van Delfthaven», einem allerliebsten kleinen Restaurant mit einer schönen Terrasse. Eigentlich sollte es bloss ein Kaffee werden, doch dann wurde es ein «High-Tea» mit allen Schikanen. So fein, Sandwiches, Kuchen, Törtchen. Wir arbeiteten uns wacker durch die Etagen des Servicegestells.

 

Bewegung war dringend notwendig und so bummelten wir bei schönstem Herbstwetter dem Coolhaven entlang, um dann zum Euromast einzuschwenken. Unterwegs bestaunten wir die Hebebrücken, die Schleusenanlage und die vielen Lastkähne. Unsere Hamburger Hafengefühle waren spätestens jetzt erwacht.

 

Noch ein neues Erlebnis, als Senior ein reduziertes Ticket zu verlangen. Aber es heisst ja Euromast, und so haben wir ein paar Euro gespart, natürlich nur, um sie später gleich wieder auszugeben. Egal. Zuerst einmal liessen wir uns 185 Meter in den Himmel schiessen und staunten nicht schlecht über die Aussicht auf Rotterdam. Es war wie ein Blick ins Mini-Wunderland, so herzig kleine Autöli und Schiffchen.

 

Deutlich wurde aus dieser Perspektive, wie sinnvoll die Verkehrswege entflochten sind: Schiff im Kanal, Velos auf eigenen Wegen, Fussgänger bleiben unter sich und die Autos haben die Strasse. Klar, müssen wir auf die Fietsen aufpassen. Wir sind froh um jedes Velo, das scheppert. Zum Glück sind unsere Ohren noch recht gut, so können wir jeweils rechtzeitig auf die Seite hüpfen. Daran haben wir uns noch nicht ganz gewöhnt. Majestätisch gleiten die schweren Räder daher, die Lenkerinnen und Lenker halten ein gemütliches Schwätzchen, weichen elegant aus. Der Fahrstress, den wir von zu Hause kennen, scheint weitgehend zu fehlen. Wir wurden auch noch nie «zusammen gestaucht» nur weil wir mitten in der Fahrbahn standen.

 

Ganz im Gegensatz zu den Wassertaxis. Noch hoch oben auf dem Turm hatte Herr Maibach die Anlegestelle der gelben Wassertaxis entdeckt. Und natürlich mussten wir sofort hin und das ausprobieren. Ein Anruf reicht, dann geht es etwa zehn Minuten und das Sammeltaxi legt mit elegantem Schwung an. Wir wollten nach Leuvenhaven, zum Maritimmuseum. Der Kapitän schoss ab wie die Rakete, das Boot stand fast senkrecht im Wasser. Nicht einmal die mutige Frau Bernasconi getraute sich mehr, ein Handyfoto zu schiessen, denn das Handy flatterte bedenklich in Richtung Wasser. Es war wie Rodeo, das erst im historischen Hafen ein Ende nahm, wo zum Glück offenbar eine Tempolimite gilt. Gut durchgeschüttelt waren wir reif für die Zimmerstunde und ausreichend Erholung.

 

Danach zog es uns wieder in die Markthal, wo wir feine Chinesische Nudelsuppe und vegetarischen Wok genossen. Ein Bummel durch die nächtlichen Strassen zum Centraal rundete diesen zweiten Tag ab. Die Verkehrswege haben wir so langsam im Griff und solange ich nicht auf ein Velo steigen muss, ist die Welt für mich in Ordnung. Und doch … manchmal ist es schon fast schade, dass ich meine Velokarriere vor rund vier Jahren an den Nagel gehängt habe.

Jedenfalls schaffen wir es bequem mit dem ÖV durch diese grosse Stadt zu kurven ;-)