Charlottetown - Great Canadian - Quebec - Vancouver - Toronto

Charlottetown - Cap Breton 18.09.2010

Schottischer geht es nicht mehr: Nach dem Dauerregen von gestern war es heute Morgen umso verblüffender, einen wolkenfreien Himmel und einen hollywoodliken Sonnenaufgang vor dem Hotelfenster zu sehen. Wir waren bereits früh auf den Beinen, denn es galt die 09:30 Fähre von Prince Edwards Island (Wood Islands) nach Nova Scotia (Caribou) zu erreichen. Nachdem unser Kleiderlager den Weg zurück in die Koffer und diese in den Kofferraum des braven Fords gefunden hatten, führte uns Beate Navigate gekonnt auf den East Costal Drive, dem Highway 1. Sie sagte uns eine knappe Stunde Fahrzeit voraus und wir waren locker im Zeitplan. Bis zum ersten „Yard Sale“: ein paar Autos parkten am Strassenrand, an ein paar Tischen wurde allerhand Trödel angeboten. Jemand wird umziehen, ein Garagenverkauf, sagten wir uns. Doch dann folgte alle paar hundert Meter ein weiterer Flohmarkt, mit ein paar bunten Ballons gekennzeichnet. Beate mahnt zur Eile, doch der Highway war zur Shoppingmeile und Partyzone umfunktioniert worden, an ein zügiges Fahren war nicht zu denken.

 Cape Breton Canada

Immerhin wurden wir mit einem prächtigen Reisetag verwöhnt, ein herrlich klares Licht, Bodennebel, sie sich in der Sonne auflösten entschädigten für die nassen Füsse von gestern. Die Beate war sichtlich nervös geworden, als wir so gemütlich tuckerten, aber es ging tatsächlich nicht anders. Es war ein komisches fahren heute morgen und so waren Peter und ich für ein Mal kein Herz und eine Seele, aber die gute Beate vermittelte, so dass sich unsere Stimmung bis zur Fähre aufgeheitert hatte.
Übrigens Sandra, die Beate tut gut daran, ab und zu ruhig zu sein, denn sonst hätte ich sie bestimmt das eine oder andere Mal zum schweigen gebracht, aber grundsätzlich ist sie nicht so schlecht, den der Peter „chüderlet“ und redet ihr immer wieder gut zu.
Die Fähre schluckte unseren Wagen anstandslos und während 75 entspannenden Minuten reisten wir zurück auf das Festland. Abwechselnd auf Highways, auf Nebenstrassen und kleinen Trails fuhren wir in einen prächtigen Herbstnachmittag; die Pullover lagen bald auf dem Rücksitz. Bei Aulds Cove überquerten wir den Damm, der die Grenze zur Insel Cape Breton darstellt. Irgendwie verloren wir den Bezug zu Kanada, die Ortschaften sahen immer schottischer aus, waren sogar in Gälisch angeschrieben. Da konnte Beate natürlich nicht mehr mitreden und verweigerte sich grundsätzlich und überhaupt. Schade, gerade hier hätte ich ihre Hilfe gut gebrauchen können, aber wenn Frauen einen Kopf machen, nützt alles fingerlen und drücken nichts mehr. Und ich war froh, dass sie den Mund hielt, denn sie hätte uns sicher den ganzen Tag durch irgendwelche Schotterpisten gehetzt.

Cape Breton

Als schottisches Finale des heutigen Tages bogen wir ins Gleonra Inn ein, unser aktuelles Zuhause, Die paar wenige Gästezimmer sind einer Whiskey-Distillerie angeschlossen, der einzigen Single-Malt-Brennerei in Nordamerika, sagt man. Jetzt sitzen wir im gemütlichen Pub, hören melancholische schottische Weisen und schwelgen in Erinnerungen uns an unsere Schottlandferien. Rosmarie übrigens macht Furore mit ihren Schweizerkreuzli-Hosenträgern, die sie wohl bereits ein paar Mal gut hätte verkaufen können. Schade Brigitta, habe ich nur ein paar geschenkt bekommen, aber diese gebe ich keinesfalls für kein Geld und so werde ich diese „Suspenders“ wieder heil nach Bern bringen.
Telefon, SMS und Wireless:  Nach Charlottetown, einer Stadt mit einem breiten Kommunikationsangebot sind wir wieder in einem abgeschiedenen Hotel gelandet. Ein Handynetz steht nicht zur Verfügung, telefonieren, SMS schreiben und surfen via Handy sind nicht möglich, dies war an den meisten Orten dieser Reise so. Erstaunlich aber: in jeden Hotel und sei es noch so abgelegen und einfach finden wir schnelle, sicherheitsaktivierte Wifi-Netze zum freien Gebrauch für die Gäste. So bleiben wir dank unseren Computerli mit der Welt verbunden und können so auch unsere Reiseberichte schreiben, die für uns ganz wichtig geworden sind, denn soviel wie wir sehen und erleben könnten wir gar nicht behalten. Es sind unglaublich viele Eindrücke und Erlebnisse und bei den vielen Kilometer durch die Wälder, würden die Wälder grundsätzlich alle gleich aussehen.
Schon bald ist unserer Rundreise hier im Osten von Kanada zu Ende. Wir werden die Beate am Montag mit dem Auto in Halifax abgeben und am 28.9. werden wir wohl ihre Schwester, die Renate Navigate in Empfang nehmen. Aber vorher stehen uns noch herrliche Tage bevor. Wie immer werden wir darüber berichten, sofern wir ein Wireless haben, aber die Chancen stehen gut

Glenville - Ingonish 19.09.2010

Walk and drive: Trotz Übernachtung neben einer Whiskey-Distillerie erwachten wir weitgehend beschwerdefrei, abgesehen vom Dauerbetrieb eines Ventilators oder sonst einer Maschine schliefen wir ungestörte elf Stunden durch – doch was will man anderes in der Wildnis?
Beate Navigate hatten wir für heute frei gegeben, dort wo wir durchwollten, gab es nur eine einzige Strasse - dachten wir. Im Visitors Center wurden wir mit dem Cape Bretons Highlands National Park vertraut gemacht. Um das riesige Gebiet auch nur annähernd kennen zu lernen, würde ein einziger Tag definitiv nicht ausreichen. So reduzierten wir uns auf drei Trails, kurze Wanderungen an sehr speziellen Orten: eine Küsten- und Klippenwanderung, ein Spaziergang durch ein „Black Water“ – Sumpfgebiet und einen Bummel durch einen Wald mit uralten Ahornbäumen.

Cape Bretons, Canada
Cape Bretons, Canada

Den Rest des Parkes besichtigten wir vom Autofenster aus, wie die meisten übrigen Besucherinnen und Besucher. Es gab viele kleine Ausfahrten, um zu fotografieren.
Die freundliche Parkwächterin im Visitorscenter hatte uns – auf französisch, denn wir sind bei den frankokanadischen Akadiern gelandet – die Strasse nach Meat Cove empfohlen. Well, sprach Tell, das war aber eine Achterbahn auf einer Schotterpiste, die gekonnt um Schlaglöcher herum gebaut war. Sogar die fahrerprobte Rosmarie wurde stiller und stiller. Die kleinlaut befragte Beate gab nur noch Koordinaten an und die Himmelsrichtungen, sowie die Information: Not paved road. Danke, Beate! Doch der Blick auf die Küste war hinreissend und ein Fotosujet jagte das nächste. Manchmal entstand der Eindruck, wir wollten einen Kanadakalender zusammenknipsen. Die Schlaglöcher waren ernorm und als mein Göttergatte irgendwann meinte: Also wenn du in ein solches Schlagloch fährst dann können wir definitiv in der Wildnis bleiben, hier findet uns kein Mensch.“ So gab ich mir jede erdenkliche Mühe, diesen Löchern auszuweichen und ob so vielen kurven bin ich wirklich müde geworden.

Cape Bretons, Canada
Cape Bretons, Canada

Vor der Rückfahrt auf der Achterbahn verdrückte Frau Bernasconi sicherheitshalber drei Candybars, um die Konzentration hochzukurbeln. Doch dann hatte uns die „gute“ Strasse wieder und wir sausten direkt ins Tageshighlight, der Keltic Lodge, ein nobles Haus, das den krönenden Abschluss unserer Rundreise bilden sollte.
Sollte – denn die grosse Lodge erwies sich als alter miefiger Kasten mit dem unrenovierten Charme der Jahrhundertwende. Das erste Zimmer, das uns angeboten wurde, mussten wir zurückweisen, sinistre Besenkammen sind definitiv nicht geeignet für zwei Breite. Nach einigem Hau und Ruck bekamen wir dann doch noch ein freundliches, grösseres Zimmer mit Seaview. Jetzt sitzen wir im abgewetzten Plüsch glorreicher Vergangenheit und hoffen, dass das Schlossgespenst heute frei hat.
Und als ich mich heute abend in einen alten Sessel pflatschte, meinte Peter freundlich: „Bist du müde?“ „Ja, sicher“, erwiderte ich leicht genervt. „Von was bist du den müde geworden?“ – Ja genau, das ist der krönende Abschluss, die Beate hat geschwiegen, ich bin unzählige male „right and left“ gefahren und da ist sogar Frau Bernasconi müde geworden.
Tja und morgen haben wir eine lange Reise vor uns. Wir fahren durch ganz Nova Scotia nach Halifax, um am Dienstag nach Quebec zu fliegen – aber vorher werden wir sicher berichten, was wir alles gesehen oder eben nicht gesehen haben.

Ingonish - Halifax Flughafen 20.09.2010

Zurück nach Halifax: Schloss Schabenhall liegt weit hinter uns und trotz der frühen Stunde, Abfahrt war um 07:10, drivt Frau Bernasconi munter Richtung Süden. Die ersten zwei Stunden rundeten wir unsere Fahrt über das Cape Breton ab, bis wir wieder bei Aulds Cove über den Damm die sympathische Insel verliessen. Unterwegs übertraf sich Beate Navigate selber und errechnet den kürzesten Weg nach Baddeck – plötzlich standen wir hinter einer Autokolonne, die auf die Fähre wartete, die uns ans andere Flussufer zum Highway bringen sollte.
Glücklicherweise mussten wir nicht lange warten und so tuckerten wir über Nebenstrassen zum Highway, misstrauisch beäugt von Eltern und Schulkindern, die am Strassenrand auf den Schoolbus warteten. Da wir tatsächlich so früh unterwegs waren, sahen wir mehr Menschen als sonst, und für ein Mal war uns klar, dass hinter den Briefkästen am Strassenrand tatsächlich auch Leute wohnen.
In einem kleine Strassencafe, dem Red Barn bei Baddeck, gab es ein spätes Frühstück und mit neuer Energie brausten wir Truro und Halifax entgegen. Ein schneller Kaffee und ein Muffin bei Tim Hortens blieb die einzige Pause.

Cape Bretons, Canada

Dann lotste uns Beate Navigate sicher zurück zum Flughafen Halifax und zu ihren Gespänli von Alamo. Ich muss zugeben, ich werde Beate vermissen, ihre nette Stimme, ihre freundlichen Worte, wenn wir ihr misstrauten und in eine andere Richtung fuhren. Trotzdem sie manchmal störrisch sein konnte, hatte sie uns doch stets unterstützt und oft aus dem Kakao geholfen. Die nette Lady von Alamo macht mit gefurchter Stirne ein Protokoll, weil die hintere Stossstange des Fords auf wundersame Art in Halls Harbour eine Plastikabsperrung geküsst hatte – unsere Vollkasko hat sich jedenfalls bereits bezahlt gemacht.
Jetzt sitzen wir am Flughafen in Halifax im Hotel, ich wasche die Jeans, die von selber standen und Frau Bernasconi organisiert die Flugtickets für unseren Weiterflug morgen nach Quebec.
Nova Scotia, Prince Edward Island und New Brunswick waren tolle Destinationen, die wir gerne bereits haben. Wir finden, dass Travelhouse uns eine wirklich gute Reiseroute zusammen gestellt hat. Sie liess uns viel Freiraum und Freiheiten, wir brausten mit unserem Ford rund 3000 km und kamen glücklicherweise, abgesehen einer kleinen Beule heil in Halifax an. Wir genossen die schönen Hotels, allen vorab das Hotel Parrsboro Mansion - bei Familie Schöne, die das Beste Frühstück dieser Reise servierte. Wir fanden aber auch das Hotel in den Eisenbahnwagen genial. Im Hotel Little Shemogue war das Essen himmlisch und im Glenora Inn kamen wir bei einer schönen schottischen Umgebung voll auf unsere Rechnung. Tja und die vielen Highlights dieser Reise … Glücklicherweise haben wir die Reiseberichte, denn wir hätten wohl wirklich nicht alles behalten können., Wir geniessen es, dass der eine oder die andere in Gedanken uns auf dieser Reise begleiten.

Röfe an dich haben wir ab und zu gedacht, wenn wir über Stock und Stein „geholpert“ sind und jedes Mal wenn wir einen grossen Camper gesehen haben, mussten wir schmunzeln.
Und Brigitta du reist mit meinen Hosenträger durch ganz Kanada, ich habe extra keine andern mitgenommen.
Madeleine, ich hoffe du hast dich nicht in unser Buch verbissen, so dass du auch noch ein bisschen mit uns auf der Reise bist.
So und nun bevor ich wehmütig und sentimental werde, freuen wir uns auf den nächsten Abschnitt unserer Reise. Morgen fliegen wir nach Quebec und werden sicher an Sven denken, der letztes Jahr seine Hochzeitsreise nach Quebec gemacht hat. Und ab Donnerstag geht’s mit dem Zug durch ganz Kanada nach Vancouver und sofern wir Netz haben, werden wir natürlich immer wieder unsere Reiseberichte schreiben. Also diese Woche keine Beate Navigate, sie hat sich nun etwas Erholung verdient. Und was ihre Schwester Renate Navigate im Westen zu berichten weiss, wir werden sehen …

Halifax - Quebec 21.09.2010

Halifax Tarmac

Bonjour Quebec: Ferien mir Rosmarie heisst, früh aufstehen, herumrennen, warten. Es ist wie in der Rekrutenschule: Um fünf Uhr dreissig ist Tagwacht, dann husch husch einen dünnen Kaffee herunterstürzen und ab zum Koffer schleppen. Denn wir müssen in den Flieger nach Montreal und dort umsteigen nach Quebec. Nach dem schnellen Morgenprogramm heisst es dann am Flughafen warten und herumhängen, bis wir endlich boarden können – aber das ist ja eigentlich nichts neues. Verblüffend ist nur, dass das Gesamtgewicht der Koffer in zwei Wochen um etwa fünf Kilo zugenommen hat. Immerhin nehmen nur die Koffer zu und nicht wir. Was mich bei diesem Programm, das wir absolvieren echt erstaunen würde.
Neu für uns war aber, das beim Umsteigen in Montreal nur wenige Passagiere in der Abflughalle warteten, eine knappe Handvoll. Die Crew checkte ein und als wir eher zufällig einen Blick bei unserem Gate aus dem Fenster warfen sahen wir ein allerliebstes, kleines Propellerflugzeug schüchtern warten. Für die Aviatiker und uns: eine Bobardier Dash 8 der 100er Serie, mit 36 Passagierplätzen. Es wurde soeben aufgetankt, ich weiss nicht, ob es schon Kerosen erhält.

Quebec

„Hast du die Crew gut angesehen?“, fragte ich meinen Göttergatten. „Ich nehme an, die waren auch an einem Kurs?“ Ich war etwas beruhigt, aber als ich das Flugzeug sah, musste ich direkt nochmals eine Pille aus der Packung, die mir Corinne zum Geburtstag geschenkt hat nehmen. Jedenfalls war mir schon etwas „Gschmuech“ -. als ich die Propellermaschine sah. Und trotz aller meiner negativen Befürchtungen, war es ein schöner Flug und ich sah die Vielfalt von Quebec bereits von oben …
Frau Bernasconi bekam es mit der Flugnervosität und hüpfte herum bis alle selber tubentänzig waren. Doch das Flugi brachte uns sicher und zuverlässig nach Quebec und eine Taxifahrt reicher (und 35 Dollar ärmer) traten wir in unser königliches Hotel Manoir Victoria ein – ein turnhallengrosses Zimmer mit künstlichem Kaminfeuer und einer Zweiersprudelbadewanne.

Kaum traten wir aus dem Hotel begann es zu giessen. Also zurück, Jacken fassen und erneuter Abmarsch einmal mehr im feinen Sprühregen, der hier offenbar das Wetter dominiert. Mangels eigener Kopfbehaarung kaufte ich mit einen Filzdeckel, der mir – so sagt Frau Bernasconi – gut steht. Prompt hörte es auf zu regnen. Aber Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Und nachdem ich mich in den letzten Tagen mit meinen wenigen Englischkentnissen abmühte, kann ich dies hier in Quebec vergessen. Aber mein Schulfranzösisch reicht bei weitem nicht, denn sie reden hier „trés vite“ und bis ich verstanden habe, was der andere gesagt hat, ist er schon längst über alle Berge.
Jedenfalls freuen wir uns auf den morgigen Tag, denn Quebec ist wirklich eine faszinierende Stadt und nach zwei Wochen driven, nehmen wir es hier ein bisschen gemütlicher. Und – endlich wieder einmal ausschlafen … mal sehen.
Übrigens Sergio, bis jetzt hat alles geklappt und deine Tipps waren sehr wertvoll. Also nicht von Halifax nach Quebec mit dem Auto fräsen ... das wäre nun definitiv zu viel gewesen, das musste sogar Frau Bernasconi einsehen ...

Quebec 22.09.2010

Quebec

Gestern Abend hörte es endlich auf zu regnen. Noch etwas klamm in feuchten Kleidern liessen wir uns italienisch verwöhnen, im Portofino dinierten wir fein und für einmal europäisch. Ein Bummel durch das nächtliche Quebec entschädigte für den Regentag. Oft fühlten wir uns in einer französischen Provinzstadt: hell erleuchtete Gassen unzählige Bistros und elegant beleuchtete Gebäude legten einen Zauber über die Stadt.
Dank Wifi konnten wir am Morgen bereits nachschauen wer Bundesrat und Bundesrätin geworden ist. Mit einer bin ich ganz zufrieden und für den Herrn hätte ich mir die Dame gewünscht, aber man kann nicht alles haben. Gewählt ist gewählt und so nehmen wir dies auch hier in Quebec zur Kenntnis. Jedenfalls waren wir schon wieder früh unterwegs. Wir wissen gar nicht mehr was ausschlafen eigentlich heisst.
Dann ging es europäisch weiter: im Paillards, eine Boulangerie – Kette gab es starken (!) Kaffee und richtige Croissants und Baguettes zum Frühstück, ganz wie in Paris. Richtiges Brot, es wurde höchste Zeit, bevor uns die Zähne ob all dem Gummizeugs ausfallen. Dick eingepackt in alles, was warm gab und auch nur annähernd wasserdicht aussah starteten wir die Erkundung Quebecs.

Quebec

Zuerst statteten wir dem süssen kleinen Bahnhof „Station du Palais“ einen Besuch ab und holten die Tickets für unsere Zugfahrt quer durch Kanada ab. Denn ab Morgen (einmal mehr: früh aus den Federn) werden wir für 5 Tage im Zug sitzen und erst in Vancouver, 4500 Kilometer weiter wieder aussteigen. Wir waren schon etwas aufgeregt, als wir die Billete tief unten im Rucksack verstauten. Sofern wir Wifi an Bord haben, melden wir uns aus dem „Canadien“, wie unser Zug heisst.
Wir sind gespannt wie wir die Reise mit dem Zug erleben, aber vielleicht schaffen wir es einmal etwas länger liegen zu bleiben. Keine Beate Navigate, die uns den Weg zeigt, aber vielleicht treffen wir einen liebenswürdiger Schaffner, der uns fürs Frühstück früh aus den Federn holt. „Oder ein nettes Girl in einem kurzen Röckli“, meint Peter gerade. So hat jeder und jede seine Fantasien. Wir werden sehen – jedenfalls freuen wir uns wie kleine Kinder auf diese lange Reise.
Der kauf eines warmen Regenhutes gestern hat sich gelohnt! Kaum standen wir wieder vor dem Bahnhof, schien die Sonne. Schicht um Schicht wanderten unsere Winterkleider in die Rucksäcke. Wir erkundeten das Hafenviertel und trafen eine alte Bekannte aus Hamburg wieder: die Aida, Kreuzfahrtschiff mit 2500 Passagieren hat am Quai in Quebec festgemacht. Während unseren Ferien in Hamburg hatten wir das riesige Schiff beim Auslaufen ein paar Kilometer Richtung Finkenwerder begleitet.

Quebec

Mitte im grössten Touristenrummel besichtigten wir die historische Unterstadt rund um die Place Royale. Überlaufen aber immer noch sehr charmant und sehenswert. Mit herzigen Bistrots wie etwa das „Le Lapin saute“ und zahlreichen eleganten Boutiques. Das Funiculaire trug uns für zwei Dollar hinauf zum Schloss, von dort aus wanderten wir einmal rund um die Zitadelle, ein mächtiges Befestigungswerk, das hoch über dem Hafen thront.

Quebec

Nach fast sechs Stunden marschieren waren wir ziemlich auf den Felgen und nach einem Sandwich bei Paillards tauchten wir erleichtert und mit müden Knochen in unsere gigantische Sprudelbadewanne ein und relaxten uns durch den restlichen Nachmittag – bevor wir wieder ausrücken um das quicklebendige Quebec by night zu erkunden.

Quebec - Toronto 23.9.2010

Quebec - Toronto mit dem Zug: Wieder einmal war Frühaufstehen angesagt, wenn das so weiter geht, freue ich mich schon bald wieder auf die Bürozeit. Es war noch dunkel, als wir in der Morgenkälte vor dem Hotel in Quebec auf das Taxi zum Bahnhof warteten. Nach einem Bahnhoffrühstück – Croissants und richtiger Kaffee – wurden wir in den Zug geleitet, der uns nach Montreal von dort nach Toronto führen sollte. Das Umsteigen in Montreal war recht mühsam, treppauf, anstehen, treppab, mir allen Gepäck und Null Lift oder Rolltreppen. Fitness pur. Bahnreisen in Kanada ist nicht einfach auf den Zug rennen, sondern da heisst es „in Line“ stehen – und warten, bis das Gate aufgeht. Und wenn du im Zug bist, kannst du nicht einfach schnell abhuschen – aber eine Zugfahrt ist wirklich ein Erlebnis.
Die Fahrt quer durch Ontario verlief dann aber geruhsam, je weiter wir reisten desto mehr wurde es Herbst. Die Bäume an den Geleisen wurden immer bunter und wir freuen uns auf einen schönen Indian Summer. Auch die Temperatur wurde deutlich milder. Verblüfft waren wir vom starken Wifi an Bord der beiden Züge, gratis und praktisch. Wir hoffen, dass es auch auf der grossen Reise so sein wird.
Im Toronto dann fanden wir nach einigem Suchen den Bereich im Bahnhof, der für unser Einchecken reserviert ist. Zuerst musste das Gepäck sortiert werden, denn die grossen Koffer reisen im Gepäckwagen und stehen uns nicht zur Verfügung. Das Handgepäck hingegen wird direkt in unsere Kabine gebracht.
Frau Bernasconi war heute nicht ganz so im Strumpf wie sonst, aber Frau Bernasconi muss ihren 500 Jahres Plan aufgeben und sich ganz einfach überraschen lassen was auf sie zukommen wird. Und wenn Herr Maibach keinen Stadtplan hat, dann wird er nicht mit Frau Bernasconi durch Toronto schlendern, denn sonst würden wir den Weg nie und nimmer zum Bahnhof zurückfinden. Eigentlich wollten wir noch auf den CN - Turm, aber die Aussicht liess es nicht zu, so marschierten Herr Maibach und Frau Bernasconi keifend zum Bahnhof zurück.
So blieben Frau Bernasconi und Herrn Maibach noch ein paar Stunden Zeit, um sich vor Nervosität zu keifen, wie ein altes Ehepaar. Bei einer feinen Pizza wurde das Geplänkel beigelegt, ein paar Schritte Bewegung um den Bahnhof herum und dann hiess es Einchecken und in der Lounge auf die Abfahrt warten, warten auf 75 Stunden Zugfahrt, 4500 Kilometer.

im Zug nach Vancouver 25.09.2010

Nachdem wir die erste Nacht super geschlafen haben, fahren wir nun gemütlich,, manchmal langsam, manchmal schnell durch die Wildnis von Kanada. Es ist wirklich traumhaft. Läck du mir. Ich hätte mir das nie träumen lassen. Aber der Reihe nach.
Nachdem wir gestern völlig erschöpft in unserer Kabine angekommen sind, mussten wir uns an die engen Raumbedingungen gewöhnen. Hatten wir doch mehrheitlich wirklich grosse Zimmer und grosse Betten zur Verfügung. Die kleinen Räume sind optimal genutzt. Wir bewegen uns wie in einer „Bäbistube“ – und kommen trotz allem gut aneinander vorbei. Wenn Frau Bernasconi die Leiter in ihr Bett hoch gekrochen ist, dann gibt es noch etwas mehr Platz. Und wenn Herr Maibach es sich im unteren Teil gemütlich macht, dann ist der Raum gar nicht mehr so klein. Vor allem ist der Raum hoch, so dass Frau Bernasconi in ihrem Bett fast stehen kann.
Ein kleines WC steht uns ebenfalls zur Verfügung, so dass wir dies nicht mit allen teilen müssen. Die „Etagendusche“, die wir mit den andern im gleichen Wagen teilen, ist gross und sauber. Und das Personal sehr nett und hilfsbereit.

Da wir zu Frühaufstehern mutiert sind, standen wir auch heute Morgen schon vor sieben auf und als wir den Rollo hochzogen, sahen wir nur Wasser und Wälder. Die bunt gemischten Wälder sind bereits herbstlich gefärbt und die Aussicht aus unserer Kabine ist einfach herrlich.

Great Canadien
Great Canadien

Als wir nach dem Frühstück zurück kamen, fanden wir unsere Betten nicht mehr, denn die wurden zwischenzeitlich hochgezogen und zwei gemütliche Sessel zieren nun unsere „Bäbistube“. So konnten wir uns schon fast wieder normal im Raum bewegen. Und den Rest der Morgentoilette beenden. Und während dem Zäheputzen, schaue ich einfach zum Fenster hinaus und geniesse die herrliche Aussicht. Ich komme aus dem schwärmen nicht mehr heraus. Mit dem Auto würde man wohl nie durch solch zauberhafte Landschaften fahren können.
Und nun hoffen wir natürlich, dass wir in Vancouver nicht „vollgefressen“ ankommen, denn ausser ruhig sitzen, essen, schlafen, schreiben und lesen und zum Fenster hinausschauen, sind bis jetzt keine anderen Tätigkeiten möglich. Die einzige Tätigkeit ist es die schweren Türen zum Speisewagen zu öffnen.
Übrigens Wifi gibt es nur an grösseren Stationen, so dass wir für ein Mal nicht jederzeit online sein können. Auch das Mobilenetz ist für ein Mal nicht einfach zur Verfügung. Die Realität ist tatsächlich fast nicht zu beschreiben, so schön ist es.
Nun gab es einen kurze Rauchpause in Hornepayne mitten in der kanadischen Wildnis, die wir für einen Fotoaufenthalt und Beine vertreten benutzten. Es regnet in Strömen und so zog der eine oder andere etwas schneller an seinen Zigaretten. Im Zug ist absolutes Rauchverbot und so sind diese kurzen Aufenthalte für die Rauchenden sehr willkommen.

Great Canadien

Man sitzt oft in seiner kleinen Kabine, im Panoramawagen oder in der gemütlichen Bar, treffen tut man sich aber vor allem beim Essen. Ken, der Chef de Service, versteht es immer wieder die unterschiedlichen Menschen an einen Tisch zu setzen, so dass manch lustige Gespräche entstehen. Es sind vorwiegend Menschen in unserem Alter, die diese Reise machen. Zwei Jungs sehe ich seit gestern immer wieder im Aufenthaltsraum am „gamen“ – ihnen ist es wohl zu langweilig. Für uns ist es sehr kurzweilig und wir entspannen uns gut. Für Samstag in der früh haben wir in Winnipeg vier Stunden Aufenthalt. Einige werden die Zeit mit einer kurzen Stadtrundfahrt vertreiben und wir werden sicher die Gelegenheit nützen unseren Bericht auf den Blog zu laden. Internet gibt es nur an vier Orten auf dieser langen Reise. Keine Bange,  wir werden nicht vier Stunden am Computer sitzen. Uns ist jetzt schon nach Bewegung zu mute und nach warmen Kleidern. Im Zug ist es ziemlich frisch und die warmen Kleider sind im Gepäckwagen irgendwo in diesem ellenlangen Zug. Und zu unserem Gepäck kommen wir erst in Vancouver wieder, aber in Winnipeg wird es sicher einen warmen Pullover zu kaufen geben. Wir werden sehen.
Jedenfalls ist diese Zugreise einfach nur „great“ und die Zeit vergeht wie im Fluge. Heute haben wir von einem Ehepaar aus München gehört. „Wir hoffen, dass wir die Tage auf engstem Raum gut überstehen, es wäre schade, wenn jeder alleine heim fliegen müsste“.
Und da ich nicht gerne fliege, werde ich sicher mit Peter zurückfliegen.
Und nun fahren wir wieder durch Wälder und Seen und durch den Regen und trotz allem – es ist einfach wirklich eine „geile“ Reise.
Und nach 24 Stunden ohne Handynetz, ohne Wifi sitzen wir in einer Lounge in Winnipeg und haben „vier Stunden Ausgang“ -  vier Stunden online zu sein – vier Stunden, um ein bisschen zu laufen und dann geht’s weiter – und dann melden wir uns aus Vancouver wieder, denn bis Vancouver sind wir nicht mehr online und haben auch kein Handynetz … und wir werden das gut überstehen – megagrins. Heute regnet es nicht mehr aber es ist kalt und so werden wir uns sicher noch irgendwo einen Pullover erstehen … damit wir nicht „erfrieren“ …

Winnipeg - Vancouver 25./26.09.2010

Great Canadien

Winnipeg ist nicht unsere Destination und einen Pullover haben wir auch nicht gekauft. Dies lag nicht daran, dass es keine zu kaufen gab, sondern daran, dass alle Läden erst ab 10.00 geöffnet haben. So zogen wir es nach einem ca: 90 Fussmarsch vor, wieder zum Bahnhof zurück zu kehren. Und da wir noch etwas zu früh zum „boarden“ waren, entdeckten wir ein grosses Eisenbahnmuseum in der Station von Winnipeg. Liebevoll sind die Stücke gesammelt worden und Eisenbahn ist Eisenbahn, wenigstens was das Sammeln und die Sammler betrifft. Ein älterer Herr „chlütterlete“ an einer elektrischen Eisenbahn herum und brachte nach einigem „Basteln“ die Bahn tatsächlich zum laufen. Dieses Museum muss wohl früher die Station von Winnipeg gewesen sein. Beim durchspazieren durch das Museum blickten wir durch ein Fenster und sahen den Zug Nr. 1 – unseren Zug – in der ganzen Länge. Es ist unglaublich wie lange der tatsächlich ist. Und in Edmonton sollen sie nochmals Wagen anhängen, weil viele Menschen in Jasper einsteigen werden.
Nachdem kurzweiligen Museumsbesuch fanden wir uns nochmals in der „Internetlounge“ ein, um nochmals Mails und SMS zu checken, denn nun ist es bis Vancouver vorbei, online zu sein. Und wir leben gut damit, organisiert ins Internet zu gehen …

Great Canadien
Great Canadien

Schön, dass ihr übrigens immer noch mit uns auf der Reise dabei seid. Es ist wirklich eine kurzweilige und spannende Reise. Pünktlich um 12.00 fuhr der Train Nr. 1 von Winnipeg Richtung Jasper weiter. Jasper werden wir am Sonntagmittag erreichen, ein weiterer Höhepunkt dieser Reise. Nachdem wir durch die Weite von Manitoba fuhren, sind wir nun in Sasketchewan angekommen. Jede Provinz hat ihren Reiz und nach den kilometerlangen Wäldern von Ontario kam uns Manitoba gerade recht. Das schöne Wetter und die liebliche Gegend – einfach grandios. Ich sags euch, es ist wirklich eine Reise, die genussvoll und reich ist an Bildern, Eindrücken und Emotionen. Aushalten muss man die Enge des Zuges, aber auch die vielen Menschen, denen man im Zug nicht immer ausweichen kann. So gibt es eine Dame, die am Morgen jeweils 35 Min. die gemeinsame Dusche besetzt und alle andern müssen anstehen. Handkehrum gibt es Menschen, denen eine Dusche nicht schaden würde. So jagt man nach den besten Plätzen im Panoramawagen oder nach der einzigen Stromdose im Aufenthaltswagen. Es ist eine spezielle Art des Zusammenlebens und wir selber kommen aber ganz gut damit zurecht. Auch an das „ins Bett hochklettern“ habe ich mich gewöhnt und an „in der Nacht auf die Toilette gehen“ ebenfalls. Peter hat sich eine leichte Erkältung zugezogen. Dank Klimaanlage hört man beim einen oder anderen ein Hüsteln, husten oder Niesen. Man kann sich auch in sein „Kabäuschen“ zurückziehen, lesen, dösen oder einfach zum Fenster hinaus schauen.

Great Canadien

Und jede Nacht haben wir eine Stunde gewonnen und bis wir in Vancouver sind, sind es gegenüber der Schweiz 9 Stunden Differenz. Es ist sehr angenehm so langsam zu reisen, obwohl der Zug manchmal mit einer grossen Geschwindigkeit durch die „Prärie“ rauscht. Ab und zu kreuzen wir Güterzüge mit mehr als 100 Wagons, unvorstellbar so etwas bei uns zu sehen.
Walti jetzt weiss ich was du meintest, als du uns erzähltest, dass du mit dem Camper jeweils lange warten musstest bis die Barriere wieder hoch ging … Das kann tatsächlich lange dauern.
Und jetzt sitzen wir in der Lounge im Zug und stehen wieder einmal – und warten auf den nächsten Güterzug. Die Streckenführung ist nur eingleisig, denn die Strecke Toronto – Vancouver ist hauptsächlich für den Güterverkehr bestimmt. Es gibt wenige Personenzüge, denn die grossen Distanzen werden vor allem mit dem Flugzeug zurück gelegt. Der Zug Nr. 1 fährt 2 x wöchentlich von Toronto nach Vancouver und umgekehrt. Die Weite, die Grösse, die Distanz – dies alles ist wirklich sehr beeindruckend. Die Crew wurde übrigens in Winnipeg ausgewechselt, so dass Walter nun unser Chef de Service ist. Ein Sonnboy und hübscher aufgestellter Kanadier, der mit seiner Lockerheit die Crew und die Gäste immer wieder zum lachen bringt.
Die Stimmung ist gut und man gewöhnt sich an diese Art des Reisens. Bleibt der Zug für ein Mal stehen ist man schon fast verunsichert, denn das gleichmässige Geräusch, das vorbeirauschen der Gegend, aber auch die Langsamkeit des Reisens … ja, ich komme wieder ins schwärmen. Hätte mir jemand gesagt, dass ich jemals drei Tage und vier Nächte in einem Zug verbringen würde, ich hätte es nicht geglaubt. Schon bald werden wir in Jasper sein und durch die Rocky Mountains schleichen. Und schon bald wird unsere Zugreise enden und in Vancouver werden wir entscheiden wie unsere Reise weitergehen wird.
Die Rocky Mountains muss man erlebt haben. Ich bin überwältigt und auch müde von den vielen Eindrücken. In Jaspers machte der Train Nr. 1 halt und wir hatten eine Stunde Aufenthalt. Hand in Hand marschierten wir durch Jaspers und erstanden endlich die warme Jacke für Peter. Es ist im Zug nicht wärmer geworden aber mit der warmen Jacke wurde es erträglicher. Peter hustet schon viel weniger … In Jaspers fanden wir tausend Souvenirläden – aber die Zeit reichte nicht, um noch mehr Geld auszugeben. Und nun, nach einem letzten Nachtessen und einer leisen Wehmut fahren wir Vancouver zu. Die Rocky Mountains haben wir hinter uns gelassen. Wir sind sehr glücklich, diese Zugreise gemacht zu haben. Wir werden wohl das „Putteln“ beim schlafen am meisten vermissen. Auch unsere kleine Kabine ist uns lieb geworden, hat sie uns doch immer wieder Rückzugsmöglichkeiten geboten, um uns von den vielen Eindrücken ein bisschen auszuruhen.
Ich sehe Peter und mich jetzt schon debattierend vor dem PC sitzen, um die weitere Reise zu planen. Sollte es schön bleiben, fahren wir nach Calgary und sollte es regnen, können wir uns ganz gut in Vancouver verweilen – wir werden sehen. Jedenfalls werden wir zusammen nach Hause fliegen …
Und nun haben wir unser Gepäck in Vancouver ausgecheckt und sitzen wieder in einer Lobby mitten in Down Town von Vancouver und es regnet ... der Regen hat uns immer wieder begleitet. Hier ist es allerdings mild und demnächst ziehen wir wieder unsere Regenjacken an und ziehen los ...vermutlich bleiben wir bis Mittwoch in Vancouver bevor wir wieder in die "Prärie" Richtung Calgary aufbrechen.
Ach übrigens, es war gar nicht so schlecht nicht online zu sein - und doch sind wir beide so etwas wie "Internetjunkies", denn kaum haben wir im Hotel eingescheckt, haben wir die Businesslounge entdeckt und so planen wir den Rest unserer Reise ... aber nun wollen wir trotz Regen noch etwas von Vancouver sehen ...

Vancouver 27.09.2010

Vancouver

Ankunft Vancouver Pacific Central Station 09.42: Gemächlich bummelte unser „Canadien“ durch die Region und die Vororte von Vancouver. Das gab uns Zeit, ein letztes feines Frühstück an Bord des schönen Zuges zu geniessen und dann zu packen – beinahe etwas Ungewohntes nach vier Tagen Hotelzug. Den Kopf noch voller Bilder von der wunderbaren Reise quer durch Kanada, stürzten wir uns in die lebendige Stadt Vancouver, allen voran durch die Granville Mall. Manchmal waren es fast zu viel Leben und zu viele Leute für uns, nach all den ruhigen Tagen.
Ein merkwürdiges Gefühl war es schon, im Hotel plötzlich soviel Platz zu haben, ein riesiges Badezimmer statt ein Brünneli und eine Gemeinschaftsdusche, breite Betten anstatt Kajütenbetten mit Leiterli. Sicher ist, dass uns das Rattern und Wiegen des Zuges diese Nacht fehlen wird.
Dennoch trieben uns die Erinnerungen an unseren letzten Besuch kreuz und quer durch die Stadt: Gastown, das historische Viertel mit der Dampfuhr oder Chinatown mit den unzähligen exotischen Läden. Beinahe waren wir versucht, unseren Aufenthalt zu verlängern, doch dann fanden wir es dennoch verlockend, noch ein paar gemächliche Tage Richtung Calgray zu driven. Also packen wir bereits ein weiteres Mal, Morgen holen wir unseren Wagen bei der Autovermietung.
Nach einem langen Spaziergang durch die Stadt mit vielen wenn und abers und Umbuchungsgelüsten nahm uns der Empfangschef des Hotels St.Regis in Vancouver die Entscheidung ab. Gerne hätten wir einen Tag angehängt, aber das Hotel ist ausgebucht, so dass uns die Entscheidung abgenommen wurde. Und in Vancouver nochmals ein anderes Hotel suchen, nochmals ein- und auschecken war uns dann doch zu viel.

Vancouver

Vancouver ist nach wie vor eine tolle Stadt. Man spürt die Nachwehen der olympischen Spiele. So werden aktuell die Souvenirs der olympischen Spiele verramscht. Man spürt aber auch, dass Armut in Vancouver Einzug gehalten hat. Neben den herausgeputzten, hohen Glastürmen des Bankenviertels, finden man rund um das schöne Chinatown viele Randständige, die sich ihren Unterhalt mit Betteln verdienen. Es ist tatsächlich so, dass auch in Vancouver die Zeit nicht stehen geblieben ist, so ist es sicher besser an manchen Orten am Abend nicht alleine durch die dunklen Strassen zu spazieren.
Und nun freuen wir uns nochmals in die Weite des Landes zu driven, die Natur zu geniessen, um gut erholt wieder in die Schweiz zurückzukehren.

Vancouver - Salmon Arm 28.09.2010

Zwei Japaner bei Starbucks: Mit einem leisen Bedauern verliessen wir unser praktisches Businesshotel Downtown Vancouver, ein Taxi brachte uns zur Hertz – Autovermietung in der Granville und einige Formulare mehr und etliche Dollare weniger sassen wir in einem knallroten Toyota Corolla, ein etwas reiferes Modell. Zuerst rümpfte die beste Finanzministerin in meinem Leben etwas die Nase ob der Zusatzkosten: Vollkasko ohne Selbstbehalt und GPS, das kostet etwa gleich viel wie ein gutes Nachtessen, aber nach der kulinarischen Zugreise schadet etwas weniger Fooden ja auch nichts. Jedenfalls hatten wir wieder viele neuen Knöpfe zum spielen, den Tankdeckel brachten wir mit der Hilfe eines freundlichen jungen Mannes auf, wie man den Kofferraum öffnet kommt erst in der zweiten Lektion, nämlich Morgen.
Auch Renate Navigate ist schon eine ältere Lady, funktioniert aber einwandfrei. Sie lässt sich nicht streicheln wie ihre Schwester, anstatt per Touchpad wird sie mit einem etwas seltsamen Tastensystem scharf gemacht. Ist fast wie ein Jump-and-run-game. Unter uns gesagt, die Stimme von Beate hat mir besser gefallen, aber bitte nicht weitersagen. Im Gegensatz zu ihr spricht Renate aber Deutsch und noch etliche andere Sprachen, die ich morgen ausprobieren werde, um Rosmarie endgültig in den Wahnsinn zu treiben. Am liebsten hätte ich es japanisch ...
Item, unser Navi lotste uns schnell und effizient durch Vancouvers Verkehrsgewühl, bis wir endlich auf den Trans Cadadien Highway No. 1 einbogen und Renate verkündete, dass wir in 477 km in Salmon Arm sein würden, wo Rosmarie per Internet am Vorabend ein Zimmer reserviert hatte.

Nur noch ein Kaffee bei Starbucks, bevor wir richtig Gas geben würden, also runter vom Highway, munter um die Ecke gebogen und hindersi Einparken. Da entdeckte unser Feuerwehrauto einen süssen kleinen Honda und rrrums schrammte unser Heck in die Türe des Wägeli. Eine junge Frau schoss aus dem Starbucks: „That’s my car!“ Oh je, und es war das Auto vom Mami und die Misere begann. Telefon hin Telefon her, am Schluss landeten wir in der Schule der jungen Dame, wo sie eine Lektion als Cheerleaderin besuchen wollte. Nun, ich wäre lieber zu den Cheerleaderinnen zuschauen gegangen, aber leider musste ich mich mit Telefonaten, Fotokopien, Formularen, entrüsteten Eltern und neugierigen Freundinnen herumschlagen und das alles im Glaskasten des Colleges in dem es zu und herging wie in einem Bienenhaus, voller ganz junger Bienlein. Nun, einmal nimmt auch der Papierkrieg ein Ende. Frau Bernasconi hatte sich soweit beruhigt, dass wir nach zwei Stunden die Fahrt wieder aufnehmen konnten. Ich glaube es war ihr ein bisschen langweilig. Während Peter sich mit den jungen Damen herumschlug wartete ich beim Auto, denn es war besser, dass die „Grossen“ dies zusammen regelten, so schrieb ich endlich meine Postkarten auf dem Auto, die ich schon seit drei Wochen schreiben wollte. Und aus lauter Langeweile erschreckte ich einen kleinen Jungen, der bei Veloständer die Schlösser der Velos betrachte und dies seiner Mutter in Hochdeutsch erklärte. Als ich ihn ebenbfalls auf deutsch fragte, was denn so besonders mit den Schlössern sei, sah er mich ziemlich stober an und verschwand am Rockzipfel seiner Mutter.
Jetzt weiss ich endlich, wieso es mit den Papier ausfüllen so lange gegangen ist. Ich kann Peter gut verstehen, bei so vielen „Bienleins“.

Kamloops

Auf der 5 sausten wir nach Kamloops, glücklicherweise auf eine fast leeren Highway, wir wollten unbedingt vor dem Einnachten im Hotel ankommen. Ein herrlicher Indian-Summer-Tag entschädigte uns für den Ärger vom Vormittag und je weiter wir in die Rockies vordrangen, je weniger bedauerten wir, Vancouver verlassen zu haben. Es war einfach eine grandiose Fahrt, leider mit viel zu wenigen Ausweichplätzen zum für Fotohalte – wir hätten Bilder für mehrere Kanadakalender schiessen können. Nach Kamloops stiessen wir wieder auf den Trans Canadien. Ziemlich auf den Felgen waren wir froh, in einem wirklich angenehmen Hotel mit ein paar Fernfahrerbeizen rundherum angekommen zu sein.

Kamloops

Es war wirklich ein toller Tag und so werden wir morgen Richtung Banff fahren und hoffen, dass wir etwas mehr Möglichkeiten für Fotohalte haben werden. Manchmal bin ich beim Fahren fast „vergibelet“, dass ich nicht aussteigen konnte, aber die Bilder sind in meinem Kopf und vielleicht gibt es morgen wieder so ein strahlender Tag. So wie es aussieht, sollte uns das schöne Wetter die letzten Tage noch begleiten.

Salmon Arm - Banff 29.09.2010

Ab nach Banff: Das Frühstück in Salmon Arm war sehr amerikanisch – Selfservice auf Plastiktellerli mit Plastikbesteck. Wobei die Unterscheidung zwischen Tost und Teller nicht immer auf Anhieb gelang. He nu, wir waren noch bestens verpflegt vom Schnitzelburger aus dem Home-Restaurant vom Vorabend. Dafür wurde uns am Morgen die aktuelle Tageszeitung unter der Zimmertüre durchgeschoben – die gehörte aber nicht zum Frühstück. Nach einem unverbindlich freundlichen Checkout waren wir mit unserem knallroten Toyota wieder auf dem Trans Canadien Highway 1, Richtung East, Richtung Banff.

Trans Canadien Highway

In der Nacht hatte dicker Nebel das Tal des Eagle Rivers bedeckt. So um neun, in der warmen Morgensonne lichteten sich die Nebelwolken und lösten sich in den Tannenhängen auf. Ein Fotosujet jagte das nächste und wenn das so weiter geht, machen wir bald einen Kalender mit unseren Bildern. Nach Revelstoke waren Reparaturarbeiten in grossem Stil im Gang: die heftigen Regenfälle der letzten Woche hatten mehrere Schlammlawinen ausgelöst, die Strasse wäre einen Tag vorher noch unpassierbar gewesen.
Die Reise auf dem Highway verlief teilweise entlang der ehemaligen Eisenbahnlinie. Zahlreiche Aussichtsplattformen mit Infotafeln waren dem aufwändigen Bau der Eisenbahnlinie und deren Geschichte gewidmet. Besonders eindrücklich: die zwei Spiraltunnel, wie wir sie von Wasen kennen. Man sagt, dass bei langen Güterzügen - bis zu 200 Güterwagen sind nicht selten – die Lok schon aus dem Tunnel fährt, während im talseitigen Portal noch die letzten Wagen einrollen.

Trans Canadien Highway
Trans Canadien Highway

Die Fahrt ging weiter hoch in die Berge, bis wir es nach 20 Jahren wieder sahen – ein weit gespanntes grünes Kupferdach schimmerte neben dem Highway. Rogers Pass, und alle unsere Erinnerungen an diesen speziellen Ort kamen mit einem Mal hoch.

Da muss ich jetzt zurückblenden: Es war auf unserer Hochzeitsreise, wie gesagt, vor zwanzig Jahren. Wir hatten in Lake Louise übernachtet, in der Mountaineers Lodge. Nach einem Besuch beim See und dem Schlosshotel zog es uns weiter Richtung Banff. Ein kalter Tag, wolkenverhangen, aber das kümmerte uns junge Reisefüdlis nicht gross. Unterwegs begann es zu schneien, aber eine Glarner Bergfrau beeindruckt das nicht weiter. Doch das Schneetreiben wurde immer heftiger. Das Mietauto war schlecht ausgerüstet, Sommerreifen, die Scheibenwischer versagten unter der Schneelast. Alle paar Meter hüpfte ein damals noch wesentlich wendigerer Peter in den Schneesturm und kratze mit einer leeren 35mm Filmdose die Scheiben frei. Ein regelrechter Blizzard hatte uns im Griff, warf innert wenigen Stunden meterhoch Schnee in die Rockies. Im Bow Valley ging nichts mehr. Die Strasse nach Banff war gesperrt, dorthin wo wir her kamen wollten wir keinesfalls mehr zurück und die dritte Strasse an der Kreuzung war mit schräg stehenden Lastwagen und abgerutschen PW`s verstellt. Die junge Frau Bernasconi wartete bis der Sheriff ausser Sichtweite war, schaute lächelnd zu ihrem frischgebackenen Herrn Gemahl hinüber und meinte: „Da gömer dure, gäll?“ Und ohne eine Antwort überhaupt abzuwarten nahm sie Anlauf und kurvte elegant um die Wracks, kam richtig in Fahrt und wir stoben aus dem eingeschneiten Talkessel. Als wir endlich den Asphalt der 93 unter den Reifen spürten, legten wir eine Pause ein, wollten Rast machen auf einem Ausweichplatz. Doch dann fiel mein Blick zurück, die Strasse hinauf und ich sah eine riesige Schneewand auf uns zu rasen. Wir schlugen die Wagentüren zu uns sausten weiter talwärts, nur weg von diesem neuen Blizzard. Nach Golden suchten wir uns ein Motel. Inzwischen war es Nacht geworden, der Schneefall hatte wieder eingesetzt. Die Strasse war rutschig und wir todmüde. Doch weit und breit keine Übernachtungsgelegenheit. Nur Schnee, Tannen und Strasse. Im weiterfahren malten wir uns unser Traumhotel aus. Doch mit jedem Kilometer wurden unsere Wünsche bescheidener. Wir strichen das Kaminfeuer, wir strichen das Restaurant, ebenso das helle gut geheizte Zimmer, nur noch anhalten können und aus dem Auto fallen war unser Wunsch. Wir hätten alles gegeben ein Zimmer zu finden.

Rogers Pass Glacier Lodge

Da strichen die Scheinwerfer über ein grünes Kupferdach, das Best Western Logo leuchtete auf und die erlösende rote Leuchtschrift „vacancies“. Wir betraten die Glacier Lodge begrüsst von einem ausgestopften Bären und buchten ein Zimmer an der Rezeption, wie wenn nichts weiter wäre. Und als wir in den Speisesaal traten fragte uns eine blutjunge Kellnerin, in langem Abendkleid, unter dem Turnschuhe hervorlugten, ob wir am Fenster sitzen möchten oder lieber am Kaminfeuer. Wir waren seelig. Und bei einer Zigarette in der Bar war alles vergessen, der Schneesturm, der Stress. Einfach alles …


Jetzt, 20 Jahre danach parken wir wieder auf „unserem“ Parkplatz, gehen am selben ausgestopften Bären vorbei. Die Bar ist noch die alte, die Rezeption, der Flur mit den Türen zu den Zimmern. Neu ist ein Souvenirladen dazugekommen, eine Busladung Brasilianer drängt sich um die Auslagen. Der Speisesaal ist derselbe geblieben, die geschwungenen Stühle, die weinroten Tischdecken, und der Kamin – heute ohne Feuer. Ein nervöser Kellner scheucht uns aus unseren Träumereien auf, er braucht den Saal, die Gäste aus dem Souvenirshop drängen zum Essen. Wir gehen zurück zum Wagen und sehen, wie der Rogers Pass im Rückspiegel verschwindet. Was wohl aus der jungen Kellnerin von damals geworden ist?
Weiter ging die Reise durch den prächtigen Indian Summer, über den Kicking Horse Pass Richtung Banff. Was vor Jahren noch ein schmaler Highway war, wird jetzt auf vierspurig getrimmt, Trucks und Touristen erobern diesen Teil der Rockies. Doch es bleiben noch unzählige schöne Ecken, die auf Rosmaries Kamera warteten.
Renate Navigate brauchte uns sicher bis vor das Fox Hotel, einer weitläufigen, modernen Hotelanlage im Lodge Stil. Nach etwas feilschen tauschten wir ein kleines, dunkles Zimmer günstige gegen eine feine Suite und geniessen so in einem gediegenen Ambiente die letzten Tage unserer Reise.
Und morgen werden wir uns wohl in „Klein-Interlaken“ vergnügen – denn ich denke kaum, dass wir nochmals einen Nationalpark ansehen werden – höchstens wenn uns „Moose and Bears“ garantiert würden … also ein Shopping-day ist uns garantiert.
Beim Abendessen fragte uns der Kellner im Hotelrestaurant, ob wir gerne beim Kamin sitzen möchten. Und ratet, was wir antworteten …

Banff 30.09.2010

Ein Tag in Banff: Ausschlafen, und einmal nicht packen – da kommt wirklich Ferienstimmung in der Kaserne auf. Entsprechend gemütlich gingen wir es an. Nach dem Frühstück brachte uns der Dorfbus quer durch Banff zu der Talstation der Banff Gondola, die uns von rund 1400 MüM auf 2200 MüM auf den Gipfel des Sulphur Mountains brachte. Wir fühlten uns wie im Berner Oberland: Sesselilift, Japaner so weit das Auge reicht und Tannenwälder.
Oben bei der Bergstation erwartete uns aber ein herrlicher Rundblick auf die Rockies, die den Talkessel von Banff umschliessen. Noch einmal ein strahlend schöner Herbsttag, keine Wolke am Himmel – Frau Bernasconi hatte den Finger permanent auf dem Auslöser. Derweil bestaunte ich mutige Japanerinnen, die den letzten Aufstieg zum Gipfel in Stögelischuhen in Angriff nahmen. Gerade als wir den Eindruck hatten, es reiche uns langsam entluden sich ganze Busladungen von Touristen auf den Sulphur Mountain – Zeit für uns, wieder ins Tal zu gondeln. Wir überliessen den Japanerinnen und Japanern das Feld. Im Starbuckscafe genossen wir einen feinen Latte Macchiato Caramel und dies in einer ruhigen und gemütlichen Atmosphäre mit einer nach wie vor herrlichen Aussicht.

Wir besuchten noch die weit herum berühmten Thermalquellen Upper Hot Springs. Nun viel zu sehen gab es nicht, ein Pool mit heissem Wasser, wenn dort heilende Schwefelmineralien drin waren, dann heisse ich Chlor.
Zurück downtown Banff besuchten wir mindestens jeden Souvenirladen um nichts zu kaufen, auch ein Weg, um sich müde zu machen. Den Nachmittag verbrachte Frau Bernasconi im hoteleigenen Thermalbad und Herr Maibach sinnierte still über das bevorstehende Ferienende. Alles hat ein Ende und so werden wir wohl nicht das letzte Mal in diesem schönen Land gewesen sein.

Frau Bernasconi lernt englisch: Also eigentlich hat sie es schon ein bisschen gelernt, aber hier ein Refresher. Es war auf der Fahrt hierher nach Banff, als wir uns gegen den kollektiven Klimaanlagen-Husten Täfeli im Drugstore erstanden. Die sind zwar gruusig, nützen aber dennoch nichts. Da sie für den Hals bestimmt sind heissen sie Halls. Ich vermute allerdings, das kommt von „Hall“, denn seither hustete Frau Bernasconi noch deutlich mehr und lauter als vorher. Aber etwas muss schon in den Täfeli sein, wir wurden immer fröhlicher und ausgelassener. Und zu den „Halls“ muss Frau Bernasconi noch etwas sagen – im Zug von Toronto nach Vancouver hustete sich manch einer oder eine durch und bis dann konnte sich Frau Bernasconi den Käferlis entziehen aber in Vancouver angekommen schlichen sich diese auch bei ihr ein, sehr zum Leidwesen von Herrn Maibach, der seine Käferli langsam aber sicher abstreifte. Aber nun wieder zurück zum englisch …
Als ein Schild ankündigte „Elk crossing“, fanden wir das als aufrechte Berner sexistisch und überlegten, wie man die Frau vom Elch politisch korrekt bezeichnet? Logisch: Elke ist das Weibchen vom Elk. Wir fanden das lustig und lachten und husteten wie ein Herz, eine Lunge und eine Seele.
Einem Elch kann man auch Moose sagen. Also, Wenn Moose gleich Elch dann ist Kuuss gleich Kelch. So sieht man wieder einmal deutlich, wie die Sprachen zusammenhängen.
So jetzt nehme ich mir noch ein Halls und freue mich auf einen lustigen Abend.

Calgary 01.10.2010

Ferienende und Heimreise: Ein wenig wehmütig war unsere letzte Nacht und das Frühstück in Banff schon, wussten wir doch, dass unsere Kanadaferien zu Ende gingen. Noch einmal auschecken, have a nice day und ein letztes Mal ein Gespräch mit Renate Navigate, die uns artig zum Flughafenhotel brachte, von wo wir Samstag früh den Rückflug antreten werden.
Wir waren schon etwas gereizt, als wir uns nach einer letzten herrlich sonnigen Fahrt aus den Rockies der grossen und lebendigen Stadt Calgary näherten. Ein anonymes Hotel erwartete uns, bloss eine Zwischenstation auf dem Heimflug.
Doch zuerst wollten wir den Wagen zurückbringen, irgendwie ahnten wir, dass es wegen der Parkbeule Stress geben würde. Und tatsächlich, als wir den Schaden rapportierten, wiesen zwei wenig freundliche Hertz-Leute unser Schadensformular zurück, ohne Polizeirapport gehe gar nichts. Trotz einigen Versuchen, als Kunde etwas Dienstleistung zu erhalten wurden wir zum Polizeiposten gescheucht, den wir nach etlichem herumirren und herumfragen im Airport tatsächlich auch fanden. Der Officer studierte aufmerksam unsere Papiere und befand, dass die Hertz-people nicht Recht hätten, es brauche keinen report. Ok, doch wie bitte sollen wir das den Hertzbuben klar machen? „I come with you.“, war die knappe Antwort. Und so schritten Frau Bernasconi und Herr Maibach im Konvoi hinter dem baumlangen, gut aussehenden älteren Ordnungshüter quer durch den Flughafen, beäugt von allen neugierigen Flugpassagieren. Es scheint mir, dass wir einfach noch etwas „Äctschen“ brauchten, um dem „Ferienendeschmerz“ auszuweichen.

Bei Hertz wurde nicht lange gefackelt, ein paar knorrige Anweisungen vom Officer und das Problem war vom Tisch. Wir waren so etwas von erleichtert. Hinter meinem Rücken zwinkerten sich Rosmarie und der Officer zu, ich vermute er hatte deutlich mehr Spass an der Angelegenheit als ich. Und Frau Bernasconi hat die Kompetenz und das Auftreten des Officers mächtig imponiert.
Jetzt packen wir ein letztes Mal die Koffer, leider nicht für eine neue spannende Destination, sondern um zurück ins Leben B nach Hause zu reisen.
Aber wir freuen uns wie viele andere auch auf ein gutes Stück Brot und auf ein Stück feinen Schweizerkäse. Nach fast vier Wochen „Rubber-Breads“ and Eggs, Bacon oder Ham, werden wir die Schweizerküche sicher wieder schätzen.

Toronto 2.10.2010

Nun gibt es kein zurück mehr. Wir sind bereits eingecheckt und warten auf unseren Flug nach Zürich.
Nachdem Peter beim Securitycheck wegen einer Tube Zahnpasta von einer unfreundlichen Dame auseinander genommen wurde, gab es ihm die Möglichkeit den Rucksack neu einzuräumen. Jedenfalls haben wir nicht allzu nette Worte für Calgary - die Leute sind unhöflich und irgendwie haben wir den Eindruck, dass nach den Olypmischen Spielen in Calgary, die Zeit stehen geblieben ist.
In Toronto angekommen, wurden wir wieder gewohnt freundlich empfangen, so wie wir es in den letzten gut drei Wochen in Kanada erlebt haben.
Wir sitzen mit einem lachenden und einem weinenden Auge hier im Flughafengebäude und freuen uns auch wieder in Zürich zu landen. Und an alle, die mit uns auf die Reise mitgekommen sind, wir werden bestimmt eine weitere Reise planen ... für uns war es schön zu wissen, dass der eine oder andere dabei war. Wie auch immer gemeinsam reisen verbinden. Bis bald in der realen Welt wieder in Bern.
Rosmarie und Peter