Halifax - Charlottetown

Kanada - los gehts - 16.8.2010

Hochzeitsreise Rosmarie und Peter

Dieses Bild entstand im Jahre 1991 bei unserer ersten gemeinsamen Reise nach Kanada - es war unsere Hochzeitsreise (Bild in Maxville auf der Dorishaven Farm aufgenommen) und fast 20 Jahre später ist es wieder soweit.
Vom 8. September bis 2. Oktober sind wir in Kanada unterwegs: Wir das sind Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach.
Wir fliegen via London nach Halifax und beginnen unsere Rundreise dort und werden am 2.10. aus Callgary zurückkommen - und in dieser Zeit gibts hier unsere Berichte zu lesen ...

Diagnose: leichtes Reisefieber - 5.9.2010

Eigentlich nehmen wir uns ja eisern vor, immer erst im letzten Moment zu packen, kuul zu bleiben und einen oder zwei Tage Entspannung vor der Reise zu geniessen. Doch die Anziehungskraft leerer Koffer ist stärker als unsere schwachen Vorsätze.
Nach einigen "nur schnell die Kabel" sortieren und ein "wenig Ordnung machen im Züügs" eskalieren unsere zwei Ruhetage zur Packorgie. Frau Bernasconi tigert durch die Gemächer und legt dies und das mal auf's Sofa, um einen Überblick zu gewinnen.
Und Herr Maibach weiss bereits, was ihn erwartet: packen bis zur vollständigen Erschöpfung und danach zwei Tage aus dem Koffer leben.

Fliegender Wechsel in Zürich - 7.9.2010

Es kam, wie es kommen musste. Ab allem kuul bleiben wollen beim Packen kamen wir etwas in Verzug und last minute sozusagen stellten wir mit Schrecken fest, dass unsere Koffer zu klein waren! Bloss der alte Seesack, gefüllt bis zum Platzen, konnte mit unserer Packwut mithalten.
Und so erstanden wir uns am Flughafen Kloten einen nigelnagelneuen Riesenkoffer mit vier Redli und unter den neugierigen bis mitleidigen Blicken (die arme Asylanten, so ein älterer Herr...) packte Frau Bernasconi unsere Haushaltung in den neuen Koffer um. Damit gings zum elektronischen Selbsteinchecken, was uns einigermassen gelang, bis der Buchungskomputer bei Rosmaries Pass nur noch Bahnhof verstand (muss wohl an der Foto liegen). Also einchecken wie anno dazumal.
Von unserem Hotel - dem Alegra Kloten - aus unternahmen wir einen ausgedehnten Bummel durch das nahe Zürich, liessen alte Zeiten aufleben, denn das Vorspiel zur weiter unten erwähnten Hochzeitsreise fand seinerzeit weitgehend in Zürichs dunklen Gässchen statt und meistens unter einem Regenschirm. Doch das ist eine andere Geschichte.
Morgen früh um fünf Uhr (in Worten: fünf Uhr, auch für Frau Bernasconi) geht es los, ein Hupf nach London und dann ein langer Flug nach Halifax.

Rosmarie am Kofferpacken

Es kam, wie es kommen musste. Ab allem kuul bleiben wollen beim Packen kamen wir etwas in Verzug und last minute sozusagen stellten wir mit Schrecken fest, dass unsere Koffer zu klein waren! Bloss der alte Seesack, gefüllt bis zum Platzen, konnte mit unserer Packwut mithalten.
Und so erstanden wir uns am Flughafen Kloten einen nigelnagelneuen Riesenkoffer mit vier Redli und unter den neugierigen bis mitleidigen Blicken (die arme Asylanten, so ein älterer Herr...) packte Frau Bernasconi unsere Haushaltung in den neuen Koffer um. Damit gings zum elektronischen Selbsteinchecken, was uns einigermassen gelang, bis der Buchungskomputer bei Rosmaries Pass nur noch Bahnhof verstand (muss wohl an der Foto liegen). Also einchecken wie anno dazumal.
Von unserem Hotel - dem Alegra Kloten - aus unternahmen wir einen ausgedehnten Bummel durch das nahe Zürich, liessen alte Zeiten aufleben, denn das Vorspiel zur weiter unten erwähnten Hochzeitsreise fand seinerzeit weitgehend in Zürichs dunklen Gässchen statt und meistens unter einem Regenschirm. Doch das ist eine andere Geschichte.
Morgen früh um fünf Uhr (in Worten: fünf Uhr, auch für Frau Bernasconi) geht es los, ein Hupf nach London und dann ein langer Flug nach Halifax.

Halifax 08.09.2010

Unser Flugzeug nach Kanada

Mitten in der Nacht, gerade als die schönsten Träume so richtig auf Touren kamen, riss uns der Wecker unbarmherzig aus dem Schlaf. Presto, presto gings von der Dusche direkt zum Einchecken und einen Liter Kaffee und eine Stunde später sassen wir vor einem Becher Starbucksirgendetwas in Heathrow und rüsteten uns mit Mut für die nächsten sieben Stunden.
Für diese lange Zeit muss ich Rosmarie ein Riesenkompliment machen, und wer uns kennt, weiss, dass dies ein historisches Ereignis darstellt. Rosmarie wollte weder unterwegs aussteigen noch mit dem Piloten über die optimale Route diskutieren, noch die Stewardessen in den Wahnsinn treiben, ja auch mich liess sie vergleichsweise zu anderen Reisen unbehelligt. Sie wusste jetzt auch, dass der Pilot schon viele Kurse besucht hat, um in die richtige Richtung zu fliegen. Wir vergnügten uns ein wenig mit den elektronischen Spielsachen, wurden gefüttert wie junge Vögel und mir gelang sogar, an meiner neuen Geschichte weiter zu schreiben. Und oh Wunder, Frau Bernasconi schlief ein; sie sieht so lieb aus, wenn sie schläft. Und für einmal sagte sie kein Wort mehr, brummelte nicht, murmelte nicht und akzeptierte den langen Flug – das soll doch etwas heissen.

Rosmarie in der Autovermietung
Peter in Halifax

In Halifax bestiegen wir unseren gemieteten Kleinwagen – er ist etwa dreimal so gross wie unser Vehikel zu Hause. Es verging allerdings einige Zeit, bis wir herausfanden, wie man den Kofferraum öffnet. Da sich mit der Fernbedienung des Autoschlüssels auch hupen lässt, hatten wir bald einerseits die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Personen in der Parkhalle und andererseits den Kofferraum immer noch nicht offen. Kurz bevor ich einen Dachträger zumieten wollte, gelang es der findigen Frau an meiner Seite doch noch, den Deckel aufspringen zu lassen. Während ich am Navi herumspielte erkundete Rosmarie alle Knöpfe und Schalter, die es offenbar braucht um heutzutage Autofahren zu können. Trotz Eiseskälte dank Klimaanlage fanden wir fast auf Anhieb unser Hotel downtown Halifax.
Inzwischen war es hier ein Uhr geworden und in Bern 18:00 und das macht einem ganz konfus. So machen wie wahrscheinlich diese Nacht durch und gehen um 21:00 Uhr zu Bett. Oder so. Aber vorher noch haben wir uns an einem der zahlreichen Foodstände in einer Markthalle verpflegt.
Den Nachmittag verbrachten wir dankbar bei einem ausgedehnten Bummel an der Waterfront, besuchten unzähligen Kleiderläden, und liessen uns durch die altmodischen Gässchen des historischen Halifax verzaubern. Und morgen fahren wir weiter, um Seehunde zu füttern – wenn wir sie denn auch treffen und sehen.

Halifax - Milton 09.09.2010

In der Wildnis:  Der Tag begann spät nach Schweizer Zeit, die wir immer noch intus haben. Doch dank der Zeitverschiebung von 5 Stunden kamen wir zu christlicher Zeit zu einem eindrücklichen Frühstück. Der Ford Fusion stand ebenfalls bereit und nach einem kurzen Fingerspiel mit der Navigatorin brausten wir los Richtung Peggy’s Cove.
Nebelschwaden kämpften gegen die durchbrechende Sonne, als wir beim kleinen Leuchtturm auf den Felsenbuckeln vor dem Fischerdorf standen. Berührt von der Erinnerung an den Flugzeugabsturz der Swissair 111 am 2.9.1998 schauten wir über das Meer zur Absturzstelle, wo 229 Menschen das Leben verloren. Wenige Kilometer weiter erinnerte eine Gedenkstätte an die tragischen Ereignisse. Wir dachten zurück an die Zeit, als wir die schreckliche Nachricht im Radio hörten, im Fernsehen die Bilder von der Suchaktion bei Halifax verfolgten. Es ist schon komisch, da hört man von weit her, dass etwas schlimmes geschehen ist und plötzlich ist man an diesem Ort – es ist ein spezieller und sehr spiritueller Ort. Energiereich ist er allemal. Und dank meinen schweizer Hosenträger hörte ich ab und zu ein "Grüetzi" ...

Peggis Cove Kanada
Peggis Cove Kanada
Lighthouse Route Nova Scotia

Dann holte uns das Leben wieder zurück und wir zogen weiter der Küste entlang, auf der Lighthouse Route, von Fischerdörfchen zu Fischerdörfchen. Ich entschloss mich, das Navigationssystem – gleich wie Freund Harald aus Hamburg – Beate Navigate zu nennen. So bin ich jetzt mit zwei Frauen unterwegs, was mir natürlich sehr gut gefällt. Ist Rosmarie eher schweigsam, rede ich mit Beate Navigate über die Strassenverhältnisse. Zudem sehe ich dank der raffinierten Satellitentechnik, wie schnell Frau Bernasconi fährt und verstehe, warum ich mit den Zähnen klappere. Das stimmt so nicht, manchmal klappere ich, weil die Beate Navigate mich völlig im Kreis herum fahren lässt.
Dann vermisste Frau Bernasconi das Migros und davon hat es jetzt in den abgelegenen Küstenstrichen nicht gerade all zu viele. Glücklicherweise fand Beate bei Bridgewater eine Shopping Mall und der Frieden war gerettet. Dann wurde es abenteuerlich. Selbst Beate Navigate versagte, als ich sie nach dem Weg zur Mersey River Lodge fragte. Mit der Wegbeschreibung von zwei charmanten älteren Ladies bogen wir in ein Strässchen ein, das nach ein paar Kilometern zur Schotterpiste wurde. Kilometerweit durch die Wälder, über Schlaglöcher, durch Pfützen. Natürlich begann es zu regnen und ich hatte schon die abstrusesten Frankenstein in Transylvanien-Bilder im Kopf. Während mein Göttergatte sich den Gedanken widmen konnte, versuchte ich soweit möglich, allen Schlaglöchern auszuweichen, was mir fast gelang.

Unpaved Road zur Mersey River Lodge

Nun sind wir in der Lodge glücklich angekommen, im hintersten Winkel. Kein Handy-Netz, aber ein WLAN! Die Lodge ist ein Traum der Stille, an einem malerischen Fluss, mitten im Wald gelegen, vier Gäste und ein multifunktionaler Gastgeber, der uns ein Chicken-Meal zubereitet – noch ist der Tag nicht zu Ende.
Eigentlich wollten wir allen noch ein SMS schicken, dass der Tagesbericht oben ist – megagrins – aber leider haben wir kein Netz - megagrins - aber immerhin hat uns der liebenswerte Lodgebesitzer sein W-Lan überlassen und das hat funktioniert …
Es gefällt uns sehr gut – und übrigens Röfe, heute haben wir eine „Bumskabine“ gesehen. Ich glaube kaum, dass ich jemals mit einem solchen Teil durch Kanada fahren würde, Bumskabine hin oder her. Da tuckere ich lieber mit einem "kleinen" Auto und schlafe ruhig und bequem in einem gemütlichen Hotelbett in der Prärie.

Milton - Digby 10.09.2010

Kejimkujik: Nein, das ist nicht mein neues Passwort, das ist ein Nationalpark im Landesinnern von Nova Scotia, der als historische Stätte dem Lebensbereich der Micmac Indianaern gewidmet ist. Doch eins ums andere.
Die Nacht in unserer abgelegenen Lodge erlebten wir unterschiedlich. Ursprünglich waren wir fünf Bewohner in der Wildnis: ein weiteres Ehepaar, natürlich Schweizer, der Inhaber Nicholas Whynot (nomen est omen), der sich bald für einen Abend downtown verabschiedete und die Bernasconi / Maibachs. Nach dem Schweizer Abend im Dining Room ging man sich geflissentlich aus dem Weg und bald einmal ins Bett, das einzige was man dort draussen ausser in der Nase bohren tun kann. Der rustikale Charme des Holzhauses ermüdete den Peterli derart, dass er sofort felsenfest schlief. Derweil dreht sich Rosmarie wie ein Poulet am Spiess, verfolgt von Shining-Fantasien. Das Frühstück in den Nebelschwaden über dem Mersey-River war eine Erlösung.
Die Einsamkeit in der Wildnis muss man tatsächlich ertragen können … und jedes Mal, wenn ich mich im Bett drehte, kam entweder das Leintuch mit oder aber ich musste aufpassen, dass ich nicht aus dem meterhohen Bett flog. Ich war tatsächlich froh, als es Tag wurde und ich zeitig aus den Federn konnte.

Kejimkujik Nationalpark Canada

Zurück über 13 km Schotterpiste, dann folgten wir dem Highway 8 Richtung Norden, um uns im Kejimkujik die Füsse zu vertreten. Doch zuerst waren Tickets zu lösen. Die freundliche, aber offenbar etwas kurzsichtige Kassendame fragte ob einer von uns beiden über 65 sei? Sie kann damit nur Rosmarie gemeint haben, aber sagt es ihr bitte nicht weiter. Jedenfalls verneinten wir entrüstet.
Der Bummel zu den Mill Falls führte durch einen verträumten Wald, das Wasser im träge fliessenden Fluss sah etwa aus wie Guinness, das sei aber ok so, die Natur halt, und das heisse Meresey Tea, lernten wir. Danach kurvten wir noch ein wenig im Park herum, überraschte Rehe beim äsen und fanden ein geschlossenes Café. So rauschten wir bald einmal auf dem Achter weiter nach Digby und von dort zum Smiths Cove, wo wir unseren Bungalow im Harbour Inn bezogen.

Kejimkujik Natonapark Canada

Unterwegs gerieten Rosmarie und Beate in eine Meinungsverschiedenheit. Ich hatte es schon lange erwartet. Rosmarie pflegt einen, sagen wir mal intuitiven Fahrstil. Beate hingegen ist eher genau. Nun, ich will nicht verraten, wer das Duell gewann, jedenfalls fanden wir den Weg ins Hotel. Ich weiss einfach, ich kann mich auf meine beiden Frauen verlassen und das ist sehr beruhigend. Diese Beate geht mir manchmal ganz schön auf die Nerven, wenn sie mir sagt ich solle links abbiegen und mich damit ins „Gjät“ jagt – das kann man mit Frau Bernasconi nicht allzu oft machen.
Am Nachmittag wollte Rosmarie Whale-Watching betreiben, doch die Wale waren schon in den Ferien und der Ticketschalter verwaist. Ein andermal. Dafür fanden wir einen Walmart und das ist auch nicht zu verachten. So kauften wir ein paar Sachen ein, die wir nicht benötigen, im Superstore daneben fanden wir feine Äpfel und einen Shopmanager, der uns versicherte, das bis gestern tipptoppes Wetter gewesen sei und das es heute nur ausnahmsweise regne – doch das sagen sie alle …
Wir haben uns nun schon sehr gut in Kanada eingelebt und Bern liegt viele Kilometer weit zurück – uns gefällts und wir hoffen, dass ihre warme Tage habt – wir überlegen uns demnächst ob wir den Skipulli anziehen sollen. Warm ist es tatsächlich nicht – aber wir sind ja noch eine ganze Weile hier …

Digby - Tatamagouche 11.09.2010

Train Station: Die Nacht in unserem Hexenhäuschen war kalt und um es behaglicher zu haben zogen wir in den oberen Stock, sprich das Schlafgemach. Wir hatten keine Lust mehr auf Ausgang und picknickten wir in unserer Bäbistube. Die Kälte trieb uns bald unter die so genannte Bettdecke - wahrscheinlich vormals ein hauchdünnes Sommerfell von einem notgeschlachteten Teddybären. So übten wir uns in alternativen Warmhaltetechniken, bis wir so müde waren, dass uns die Kälte nicht mehr störte. Natürlich gab es eine Heizung, eine zweistufige sogar: Grill und Frigo, wir entschieden uns für Frigo, denn die Einheimischen laufen noch mit kurzen Hosen herum und T-Shirts, derweil wir verschämt die Winterjacken aus den Koffern zerren.
Dafür entschädigte uns das Frühstück und nach etlichen Mails waren wir on the road again. Entlang dem Annapolis Valley durchquerten wir fruchtbares Agrarland, bestaunen grosse Farmen mit den typischen Scheunen und den Briefkästen am Strassenrand. Um Kentville herum waren immer mehr Marktstände, Einkaufszentren und kleine Shops am Evangeline Trail, der Strasse Nummer 1 zu entdecken.

Wir bogen links ab auf die 359 nach Halls Harbour. Beate Navigate hatte ihren schlechten Tag erwischt und verweigerte sich. Hall Harbour gibt es nicht, behauptete sie stur, „we are recalculating!,“ rief sie beharrlich aus. Wir liessen die gute Beate im Wagen zurück, denn inzwischen waren wir tatsächlich im Hafen angekommen. Es herrschte gerade Ebbe und die Boote im Hafen standen an langen Leinen festgezurrt auf Grund, gut sechs Meter unterhalb der Quaimauer.
Saubere Toiletten und einen Mug Kaffee später hatte sich die Situation grundlegend geändert: die Flut stieg und füllte das Hafenbecken, die Schiffe schwammen wieder brav auf dem Wasser und wir staunten nicht schlecht. Gerne hätten wir die vollen sechs Meter bestaunt, doch Beate Navigate war wieder erwacht und erinnerte daran, dass noch etliche Kilometer vor uns lagen.

Gerne hätte ich noch etwas länger den Gezeiten zugeschaut, aber der lange Weg nach Tatamagouche liess dies nicht zu und die blöde Beate Navigate hatte zuerst keine Ahnung wie lange wir von Hall Harbour ins Hotel zu fahren hatten. Aber immerhin erholte sie sich wieder etwas und Peter redete ihr gut zu, damit sie nicht ganz ausflippte. Ich sage euch, immerhin weiss ich jetzt wo „right and left“ ist und ich weiss auch wie lange es dauert bis sie mich wieder versucht irgendwo vom Weg abzubringen …
Abwechselnd über kleine Strässchen, durch Provinzorte, auf Highways cruisten wir Richtung Tatamagouche Station, unserem heutigen Tagesziel. Einwandfrei leitete uns Beate zum historischen Bahnhof – der in Wirklichkeit ein Hotel ist. Da waren wir wirklich überrumpelt: Das ganze Hotel ist in einem historischen Eisenbahnzug untergebracht. Unsere Suite ist Waggon 5, ein ehemaliger Bremserwagen mit Aussichtkanzel. Vieles von der alten Eisenbahnerromantik ist noch erhalten, dazwischen ist eine elegante Suite eingerichtet. Jetzt sitzen wir im Salonwagen, hängen am Wireless und freuen uns auf das Souper im Diningcar – es ist wie im Disneyland!

Tatamagouche Rail Hotel

Es stürmt und regnet und wir sitzen irgendwo im Kakao – aber so etwas habe ich wirklich noch nie gesehen – einen ganzen Eisenbahnwagen für uns alleine. Mit Dusche, Bad, einer kleine Küche und einem Aussichtsturm im Wagen, den man durch hoch klettern erklimmen kann. Jedenfalls sind Peter und ich hoch geklettert, denn diese Aussicht wollten wir uns nicht entgehen lassen. Und jetzt treffen wir immer wieder Menschen, die unsere Suite sehen wollen – ich sags euch – Girls and Boys – It’s great here …

Tatamagouche - Parrsboro 12.09.2010

Wandern oder nicht, Hauptsache zu Fuss: Die Nacht in unserem Eisenbahnwagen war aufregend, in mancherlei Hinsicht. Wind und Regenstürme schüttelten den schweren Wagen durch und als wir uns nach dem feinen Essen im Dining Car in unseren Aussichtsturm im Wagen zum Schlummertrunk zurückzogen wurden wir beinahe seekrank. Aber auch sonst herrschte im Wagen eine eigenartige Energie; wie manche Reise der Bremserwagen wohl durch Kanada mitgemacht hat? Es roch nach Holz, Metall und Schmieröl. Morgens früh war Peter nicht mehr zu halten und schrieb am kleinen Tischchen hoch oben im Ausguck an seiner Geschichte weiter.
Als Bähnlerstochter habe ich mich im Eisenbahnwagen sofort zu Hause gefühlt. Ich kann mich fast nicht mehr erholen, das war einfach „crazy“.

Frühstücksraum Tatamagouche Train Station

Dann hatten wir auch Frau Bernasconi aus den Federn gehoben und im ehemaligen Wartsaal stückten wir früh, mitten im Eisenbahnmuseum. Ein kurzer Dorfrundgang und dann gings weiter Richtung Wallace Bay. Dort suchten wir den National Wallace Wildlife Trail um eine lockere Stunde zu bummeln. Doch weit und breit fanden wir nichts als Schotterstrassen in alle Himmelsrichtungen. Beate Navigate hatte kapriziöse Eingebungen und führte uns kreuz und quer durch die Pampa. Rosmarie gefiel das besser als mir, ich hätte schon gerne wieder einmal Asphalt unter den Rädern gespürt.
Ich habe mich auf diesen Schotterpisten definitiv zu Hause gefühlt, denn die blöde Beate hielt endlich ihren Mund.

Wir schlängelten uns durch Wald und Forst und fanden irgendwann einmal wieder zurück in dichter besiedelte Gebiete und sogar auf eine Autobahn, die uns nach Parrsboro brachte; Small Town, Big Heart, wie der Flyer verkündet. Wenn schon kein Wildlife, dann wenigsten Strandwandern, sagten wir uns. Das war eine schöne Idee, bis Frau Bernasconi auf Patridge Island, ein Hügel am anderen, weit entfernten Strandende einen Kletterpfad entdeckte, der sofort ihre alten Wandergelüste aktivierte. So kraxelten wir hügelauf und hügelab, bis wir endlich den Weg aus dem Dickicht wieder fanden, den Stand entlang zurückmarschierten und erschöpft in unser Auto sanken. Und übrigens hat es hier unglaublich reine Luft, die meinen Lungen gut tut, da kann ich noch manchmal mit Peter die „Höger“ hinauf kraxeln.
Und als wir wieder zurück zum Auto marschierten, begegneten wir dem andern Schweizer Ehepaar, dem wir seit der Wildnis in der Mersey Lodge immer wieder begegnen.

Rund um Parrsboro

Zurück im prächtigen Parrsboro Mansion Inn reichte es für einen Schwumm im geheizten Pool, den die freundlichen Gastgeber speziell für Rosmarie aufdeckten, derweil ich die Mails durchcheckte. Mit grossen Vergnügen, Ursula, las ich, dass es auch ohne mich turbulent weitergeht, nur nicht aufgeben, in wenigen Wochen schon bin ich wieder bei euch. Merci jedenfalls für die lieben Grüsse. Und Brigitta merci für dein liebes SMS – hier ist es zwischenzeitlich auch wieder etwas wärmer. Und Madeleine du hättest heute beim driven dabei sein sollen, nein, nein so schlimm wie im Maltadrive war es nicht.
Und dann verschwanden Rosmarie Bernasconi und Peter Maibach im noblen Zimmer mit dem Super-King-Double-Size-Extra- Large-Bett, aus dem wir nur mit der Hilfe von Beate wieder herausfinden werden. Das werden wir dann noch sehen wer da das letzte Wort haben wird.

Parrsboro - Little Shemouge 13.09.2010

Bestens erholt stürzten wir uns in den neuen Tag, die Nacht in der herrschaftlichen Villa war wirklich erholsam. Ein liebevoll zubereitetes Frühstück erwartete uns, mit allen anderen Gästen sass wir an einem langen Tisch und bereiteten uns auf den Tag vor, tauschten Reiseerinnerungen und Tipps aus. Es gab feine Gipfeli und für einmal keine Gummitoasts. Die Stimmung am Frühstückstisch war locker und heiter. Schweizerdeutsch, berlinerisch und Englisch – und trotzdem verstand man sich hervorragend. Reisen verbindet. Unsere „Schweizerreisebegleiter“ sind heute für einige Tage in eine andere Richtung gefahren und so werden wir sie vermutlich erst am Mittwoch oder Donnerstag antreffen. Immer wieder hört man Schweizerdeutsch oder deutsch. Entweder sind es Reisende oder es sind ausgewanderte Deutsche, die sich in Kanada nieder gelassen haben. Jedenfalls wurden wir im The Parrsboro Mansion Inn sehr gut betreut und das Gastgeberpaar aus Berlin war sehr zuvorkommend. Überhaupt sind die Leute wirklich aufmerksam und zuvorkommend. Nicht, dass wir Kanada verherrlichen wollen, aber abseits von grossen Städten ist doch noch so etwas wie heile Welt. Dies liegt wohl auch daran, dass viele auf sich alleine gestellt sind und die Distanzen zwischen den einzelnen Häusern kilometerlang sind.

Bei Advocate Harbour, Canada

Oft treffen wir stundenlang keine Häuser und nur wenn wir am Strassenrand einen Briefkasten stehen sehen, vermuten wir, dass dahinter auch ein Haus und Menschen sind.
Nach einer kurzweiligen Fahrt der Küste entlang auf der 209 machten wir beim Advocate Harbour einen Fotohalt, wieder faszinierten die „hängenden“ Schiffe auf dem Trockenen. Am Cape Chignecto Provincial Park halt trugen wir uns in die Liste der Strandbesucher ein und wanderten während der Ebbe der wilden Küste entlang. Bizarre Steinformationen und ausgewaschenes Treibgut säumten unseren Weg. Es war traumhaft und doch ist es immer wieder ein Spiel mit der Zeit, denn es kann durchaus geschehen, dass man sich ziemlich beeilen muss, damit man mit trockenen Füssen ans Land zurückkommt. Die Gezeiten haben wirklich etwas faszierendes.

Cape Chignecto Provincial Park
 Cape Jourimain Nature Center

Zurück im Auto, schon etwas wandermüde, versuchte Beate Navigate uns durch das Gebiet der Bay of Fundy, quer durch ein spärlich bevölkertes Hinterland zu führen. Bei Fort Lawrence verabschiedeten wir uns von Nova Scotia und rollten die ersten Kilometer in die Provinz New Brunswick.
Über eine einsame leergefegte Küstenstrasse fanden wir zu unserem malerischen Hotel an der Küste, dem Little Shemogue. Den Nachmittag reservierten wir uns für einen gemütlichen Spaziergang durch den Cape Jourimain Nature Center.
Ach übrigens war die Beate Navigate ziemlich ruhig heute und Peter hat sich mehrheitlich wieder auf die Strassenkarte verlassen. Nachdem die gute Beate uns wieder einige Male ins „Gjät“ schicken wollte, stellte Peter „seine Freundin“ kurzerhand ab.
Die Faszination Kanada bleibt nach wie vor bestehen. Die Weite und die Wälder, aber auch die bizzaren Landschaften sind ganz einfach sehenswert und nach fast einer Woche fühlen wir uns sehr wohl.
So wegen heiler Welt: So nun muss ich Schluss machen, die resolute deutsche Gastgeberin will den Tisch decken, damit wir etwas zu Essen bekommen. So nehme ich eiligst meinen kleinen Netbook unter den Arm und verziehe mich in unsere Gemächer …

 Cape Jourimain Nature Center

Little Shemogue - Hopewell Rocks 14.09.2010

Ein Nachtrag zu gestern. Nachdem uns die Gastgeberin Petra Sudbrack vom Tisch vertrieb, um nicht zum Nachtessen, sondern zum Frühstück aufzudecken, nahmen wir im Speisesalon ein herrliches Abendessen ein. Es war wirklich lecker und der Gastgeber Klaus Sudbrack, der vor 28 Jahren aus Hamburg ausgewandert ist, erzählte uns wie dieses schmucke Haus zustande kam. Der Gastgeber gab und ein dickes Photoalbum zum durchblättern, in der die ganze Entstehungsgeschichte dieses Hauses sichtbar war. Nicht ohne stolz erwähnte er immer wieder was er alles geleistet hat. Und zum Abschluss des Gespräches erzählte er uns, dass er nochmals ein solches „Schmuckstück“ bauen möchte. Visionen muss man haben, dies hat mich aber auch beeindruckt. Little Shemouge Inn ist tatsächlich ein wunderschönes Haus mitten in einer grünen Landschaft am Wasser. Ich kann diesen Flecken Erde allen wirklich empfehlen. Ab Ende Oktober bis Ende April ist das Haus allerdings geschlossen.

Hopewell Rocks

Hopewell Rocks - Flower Pot

Ein fauler Regentag kündigte sich an – zudem waren wir für zwei Nächte im selben Hotel! Einmal nicht packen, auschecken etc., das ist ja fast wie Ferien! Also: gemütlich Frühstücken und friedliche 150 km unter die Räder nehmen um den Fundy Nationalpark zu besuchen. Etwas nach Moncton, Beate war gerade in einen Dämmerzustand versunken, weil ihr für längere Zeit nichts zu sagen blieb, tauchte die Abzweigung zu den Hopewell Rocks auf – das durften wir uns nicht entgehen lassen.
Gerade zum tiefsten Stand der Ebbe trafen wir im Visitors Center ein. Kurz danach, nach eine wilden Fahrt mit einem Shuttle-Traktor-Bus standen wir staunend vor den Flower Pot Rocks, sozusagen auf dem Grund des Ozeans. Die Ebbe lässt den Meeresspiegel um gut sechs Meter absinken und wir wateten durch Schlick und Algen uns bummelten dann über einen Steinstrand, der wenige Stunden später wieder unter Wasser liegen würde. Ein ausgedehnter Spaziergang der wilden Küste entlang führte uns wieder zurück auf „festen Boden“. Die Hopewell Rocks hielten uns gefangen, wir vergassen den Nationalpark. Wir wollten unbedingt erleben, wie die Flut wieder vom Strand Besitz ergreifen würde und warteten bis gegen drei Uhr. Der Strand wurde für die Besucher geräumt und schon bald stieg das Meer unaufhaltsam weiter. Meter um Meter versank die Küstenlinie im Wasser.

Hopewell Rocks - Flut steigt

Nach diesem beeindruckenden Schauspiel hatten wir ausreichend frische Luft getankt – inklusive Regen und Sonne abwechslungsweise – und vertrauten unseren Heimweg Beate Navigate an, die uns heute für einmal sicher wieder in unser kleines Hotelbijou zurückbrachte.
Für einmal hatten wir keine Eile und genossen es dem Wasser zuzuschauen. Auch machte es uns nichts aus durch Schlamm und Regen zu wandern. Diese Rocks sind einmalig und ich konnte es mir nach wie vor nicht vorstellen, dass diese Felsen irgendwann im Wasser standen. Die Zeit verging wie im Fluge, keine Eile, keine Hektik. Man spürte wie das Wasser zurück kam und immer wieder bin ich fasziniert, diese Energie des Wassers zu spüren. Je höher das Wasser steigt, desto lauter wird es auch.
Und nun haben wir uns entschlossen den Bericht im Zimmer zu schreiben, damit die resolute aber liebevolle Köchin und Gastgeberin den Frühstückstisch in aller Ruhe decken kann.
Das Abendessen war herrlich und den Geschichten von Klaus Sudbrack zuzuhören ein Genuss. Unsere Zeit hier ist bereits wieder zu Ende und so werden wir morgen in der früh auschecken und die Erinnerungen an feine Essen, einer herrlichen Umgebung und die Geschichten mitnehmen, um weiter Richtung Prince Edward Island zu reisen.

Little Shemogue - P.E.I. 15.09.2010

Tankstelle Little Shermogue / Montcon

Prince Edwards im Regen: Der Tag begann einwandfrei, nach einer Nacht in der Rosmarie bedauerlicherweise von Mückenstichen geplagt wurde. Mich lassen diese Viecher glücklicherweise in Ruhe, wenigstens wenn die Frau Bernasconi in der Nähe ist. Sind offenbar Feinschmecker, diese kanadischen Mücken. Ein ausführliches Frühstück am festlich gedeckten Tisch im Little Shemogue und eine nette Plauderei mit Petra Sudbrack über Gott und die Welt, angereichert mit Reisetipps, gaben eine solide Grundlage für die heutige Reise nach P.E.I., abgekürzt für Price Edwards Island.
Inzwischen erkennen wir auch unseren Ford auf Anhieb, sogar auf dem grössten Parkplatz: es ist das schmutzigste Auto weit und breit. Er starrt von „mud“, dem einheimischen Schlamm, den es überall in Hülle und Fülle gibt. Ein schlammbrauner Fluss bei Moncton wird übrigens Chocolate-River genannt. Aber ich schweife ab. Eigentlich halte ich verzweifelt Ausschau nach einem Car Wash und stelle mir vor wie die Shampoo-Nixen, die man bei MTV in den Videoclips sieht, unseren Fusion verwöhnen. Doch nix ist, und so bleibt der Wagen ein Ferkel und ich ohne Polierbeauties. Und ich habe gestern extra meine Hosen gewaschen, weil die vor Schlamm standen und meine Leggins sind nun auch nicht mehr ganz schwarz – aber was solls – die werden sicher wieder sauber.

Bei der Fahrt über die 12 Kilometer lange Brücke, die PEI mit dem Festland verbindet, besserte sich das Wetter und bald schon fuhren wir im schönsten Sonnenschein über die Insel, die in Wirklichkeit viel grösser ist, als sie auf einen ersten Blick auf die Karte erscheint. Auf dem „Lady Slipper Drive“, bei Mont Carmel legten wir einen Zwischenhalt ein und bestaunten die „Our Lady of Mont-Carmel Acadian Church“, die den Kirchen aus dem französischen Poitou nachempfunden ist. Ebenso berührend der prächtig gelegene Friedhof mit Ausblick auf die Bedeque Bay.

Price Edwards Island

Nach etlichen kreuz–und-quer gelangten wir endlich nach West Point und zu unserem Hotel, dem Leuchtturm im Cedar Dunes Provincal Park. Inzwischen hatte das Wetter umgeschlagen und es regnet in Strömen, so fällt unser geplanter Strandspaziergang ins Wasser. Einmal ein Hotel direkt am Meer, und es schifft wie seinerzeit bei der Arche Noah.
So haben wir unter den erstaunten Blicken der Dame an der Reception all unseren Plunder, Koffer, Taschen, Tüten, aus dem Wagen geholt und Rosmarie strukturiert das Gepäck neu. Historisch wertvoll ist übrigens die Aufnahme von Frau Bernasconi am Bügelbrett, erwiesenermassen ist dies die einzige bestehende Fotografie, welche meine Frau bei einer solchen Tätigkeit zeigt… und dies auch nur, weil meine Jeans bei diesem Wetter nicht trocknen wollen – aber was solls – auch die werden wieder trocken …
So sitzen heute Abend wir bei einigen Packungen „Take away“ aus einem Restaurant in der Nähe am Fenster in unserem gemütlichen Zimmerchen und gucken durch die verregneten Scheiben hinaus aufs Meer, hinter uns die frisch gepackten Koffer.
Und stellt euch vor – das Hotel am Meer in einem Leuchtturm, eine kleine schnuckelige Veranda und wir starren durch das Mückengitter in die Weite des Meeres. Wie schön – wäre jetzt ein Sonnenuntergang am Meer, dann könnte ich die schönsten Fotos machen und ein bisschen bluffen – aber was solls – das Zimmer ist gemütlich und das erste Mal haben wir auch einen wirklich guten Tisch und das Wlan ist schnell – da kann man doch nichts mehr sagen – oder?
Ach übrigens, fast hätte ich es vergessen, die Beate Navigate blieb heute mehrheitlich ruhig - weder "left" noch "right", sondern einfach "straith ahead" war heute angesagt.
Es ist jetzt 22.15 Ortszeit - also in Bern ist es schon viertel nach drei. Während viele bereits schlafen, sitze ich an der Küste im Leuchtturm. Der Wind pfeift durch alle Ritzen, das Wasser rauscht - es ist unheimlich. Im Hotel hat es fast keine Gäste. Überall ist es dunkel. Immerhin ist der Leuchtturm noch in Betrieb, so scheint ein kleines Licht von oben auf das Gästehaus. Der Regen prasselt an die Scheiben. Draussen ist es tiefe Nacht. Das Rauschen des Meeres ist bedrohlich nahe, aber im Zimmer ist es angenehm warm und behaglich. So etwas habe ich noch nie erlebt. Oft ist es in der Nacht mäuschenstill und man hört seinen eigenen Atem, aber hier ist es wirklich speziell. Man muss tatsächlich dieses gleichmässige Geräusch des Windes und des Wassers aushalten.
Kanada ist ein erlebnisreiches Land und so erleben wir natürlich auch die Natur in den unterschiedlichsten Facetten. Vom lieblichen Klima hier auf P.E.I. merke ich zur Zeit wenig. Aber aufs Wochenende soll es ruhiger werden, haben sie uns erzählt.

Westpoint - Charlottetown 16.09.2010

Parkuhr in Charlottetown

Vom Leuchtturm zum Parlamentsgebäude: Die Nacht im Leuchtturm war wirklich stürmisch. Gegen Morgen hörte es endlich auf zu regnen doch nun pfiff ein Wind um alle Ecken das es seinem fast sturm wurde. Das Meer ging so hoch, dass wir den Strandspaziergang strichen und gleich zum Frühstück schritten. Das ging unkompliziert im Selfserviceverfahren vor sich, die Küche stand allen offen und jeder tischte sich auf, was ihm passte.
Beate Navigate hatte ihren freien Tag, denn die Strassen die wir abklapperten kannte sie nur vom Hörensagen und die Ortschaften überhaupt nicht. So navigierten wir nach guter Seemannsmanier nach Karte, Kompass und Spöiz im Wind und tuckerten der Küste am Gulf of St. Lwarence entlang auf der Route 20 und dann 6, gut 250 km auf dem Central Coastal Drive. Die Strassen führten entlang von Parklandschaften, durch Felder, Wälder, kleine Ortschaften. Ab und zu zierte eine bombastische Kirche unseren Weg oder ein Einkaufszentrum mit Ausverkauf. Regen und Sonne wechselten im Halbstunden Takt als wir die Landschaft zum berühmten Roman „Ann of Green Gables“ durchquerten. Offenbar ist diese Ann sozusagen dieselbe Kultfigur für Kanada, wie „unser“ Heidi – ich muss gestehen, ich kenne das Buch nicht. Und ich habe schon mal was von Heidi gehört, aber die Ann ist mir ebenfalls entgangen.

Am späteren Nachmittag aber stand ich in Charlottetown in einer Buchhandlung und stellte staunend fest, dass ein ganzes Regal der Autorin Maud Montgomery gewidmet war; eine Bildungslücke mehr, die es zu stopfen gilt. In der Zeit in der sich Peter mit der Autorin beschäftigte, streifte ich durch einen „kilometerlangen“ Drugstore – und staunte was es da alles zu kaufen gab. Deodorants in allen Grössen und Formen und Marken. Produkte, die ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen habe. Medikamente, die in der Schweiz rezeptpflichtig sind, bekommt man hier ohne Rezept zu Hauf.
Inzwischen sind wir nach einem kurzen Intermezzo mit Beate sicher im Hotel Great George angelangt – ein richtiges Schmuckstück an altehrwürdiger britischer Hoteltradition – verbunden mit modernem Komfort. Unter anderem einer Gäste-Wäscheküche, in der Frau Bernasconi fleissig unser Feriengeld in Form von Dollarmünzen und Quarters in saubere Wäsche umwandelt. Da der viele Regen auch unseren Wagen wieder sauber gespült hat, fühlen wir uns schon fast wieder wie richtige Menschen. Und die Wäsche ist zwischenzeitlich gewaschen, getumblert und zusammen gelegt, so dass wir uns bis zum Ende unserer Reise nicht mehr um die Wäsche kümmern müssen.
Eine kleine Geschichte zum Thema waschen; als wir in Little Shemogue ein Schweizerpaar trafen und den Leuten erzählten, dass wir noch bis Ende dieses Monats in Kanada sein würden meinte diese Dame: Wie machen sie es den mit der Wäsche. Haben Sie genug Wäsche dabei?" "Kein Problem" erwiderte ich, wir können bestimmt irgendwo mal waschen. Ich war erstaunt ziemlich wieso sie uns diese Frage stellte, aber als ich die Frau an dem Tag zum dritten Mal angetroffen hatte, war mir schon klar, wieso sie mir diese Frage stellte, denn jedes Mal trug sie ein anderes T-Shirt. Da hätte ich auch meine Probleme mit der Wäsche.

Central Coastal Drive, Canada

Seltsam war, nach den vielen ruhigen Tagen in abgelegenen Regionen wieder unter Leuten zu sein und in den Strassen einer Stadt promenieren und etwas shoppen zu können. Dabei liefen wir an eine Multimediashow beim Parlamentsgebäude „Province House“ zum Thema der Staatsgründung Kanadas, die seinerzeit in Charlottetown stattfand. Wie auch immer – uns zog es zurück in George und das King&Queen-Size-Bett.
Morgen werden wir wohl die vielen Kirchen in Charlottetown besichtigen. Ich wusste nicht, dass eine Stadt so viele Kirchen haben kann und wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir die Kirchtürme – und wie die Kirche heisst, werde ich euch morgen schreiben können.

Charlottetown im Regen 17.09.2010

Es regnet - es regnet - es regnet ... es schiffet und es sträzt ... und wir verbringen den heutigen Tag wohl im Bett - es ist ja auch unser Hochzeitstag - megagrins. Zum Glück haben wir ein wirklich schönes und gemütliches Zimmer mit einem schnellen Wlan, so dass es uns sicher nicht langweilig wird. Vielleicht unternehmen wir heute Nachmittag noch einen Bummel, bis zum Starrbuckskaffe oder in die Shoppingmall - immerhin haben wir die Regenjacke und gute Schuhe im Gepäck. Wir werden sehen.

Great George Charlottetown

Regentag Hoteltag: Man kann nicht immer im Hotelzimmer hocken, auch wenn es noch so kuschelig ist, also ab zum Lädele ins nahe Shoppingcenter. Es goss wie aus Kübeln und schon nach wenigen Minuten draussen waren wir durchnässt. So gesehen machte das Shoppen – von Kleiderladen zu Kleiderladen sogar mir Spass – solange ich nicht nach draussen musste. Da heute unser Hochzeitstag ist, war die Frau Finanzministerin nicht so streng mit dem Geld wie sonst und wir erstanden uns dies und jenes Gadget, etwa einen Original IT-Bug mit Batterie und andere lebensnotwendige Dinge wie die gesammelten Werke „Anna of Green Gables“ – von Maud Montgomery und Pullover in Kanada-Superqualität.
Der Regen war inzwischen noch etwas intensiver geworden und wir kehrten im Starbucks ein. Als auch das nichts nütze spazierten wir zum Confederation Landing Park, wo wir triefend und aufmerksam die Multimedia Show zur Gründung Kanadas verfolgten. Wie bereits vor zwanzig Jahren beeindruckte uns das kanadische Flair für Multimedia, das in solchen Ausstellungen eingesetzt wird. Historische Fakten werden spielerisch vermittelt und wirken nie belehrend. Wir fühlen uns beide durch diesen lockeren Stil angesprochen.

IT-Bug Maschinchen

Tatsächlich, der Regen liess nach, es tröpfelte bloss noch ein wenig. Das war eine gute Gelegenheit, der dem Hotel gegenüberliegende St. Duncan’s Basilica einen Besuch zu machen und grosse Kirche zu bestaunen.
Zurück im Hotel sieht es jetzt wie beim den Zirkus aus: neben der Wäsche vom Waschtag sind jetzt auch noch die aufgeweichten Jacken und Hosen von unserem Spaziergang zum Trocknen ausgebreitet. Morgen aber ist fertig gefaulenzt, da geht die Reise weiter. Und heute abend werden wir wohl irgendwo "Picknicken" und unseren Hochzeitstag feiern ... und ich freue mich übrigens schon wieder richtig auf die Beate Navigate, wenn sie mich "left oder right" durch den Rest der Insel jagt, bis wir bei der Fähre sind. Wir hoffen, dass sich das Wetter bessert, so dass wir tatsächlich mit der Fähre nach Nova Scotia zurück fahren können, um die restlichen drei Tage in Nova Scotia herumzukurven.

Übrigens herzlichen Dank für die Mails und die lieben Zeilen, die uns immer wieder erreichen. Schön zu wissen, dass der eine oder die andere mit uns reist.
Bei dieser Gelegenheit gratulieren wir Paul Thrier, Susann Troxler und Peter Blättler ganz herzlich zum Geburtstag - sie alle haben heute Geburtstag und Susann, dir gratulieren wir speziell zu deinem runden Geburtstag. Wie doch die Zeit vergeht ;-)

 

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