Ostfriesland und Hamburg

Hamburg - Wilhelmshaven 11. Juni 2014

Nun ist es also soweit  - wir sind in Wilhelmshaven gelandet – in Ostfriesland an einem wirklich schönen Ort in einem tollen Hotel mit einer schönen Aussicht. Doch auch heute wieder der Reihe nach. Am Dienstag fuhren wir gemütlich mit dem Auto von Bern nach Lörrach. Es ist bereits das dritte Mal, dass wir den Autozug nach Hamburg gebucht haben. Ja – Hamburg – Peter und ich – das ist wirklich eine Liebesgeschichte. Seit wir das erste Mal vor rund zehn Jahren Hamburg besucht haben, hat es uns immer wieder nach Hamburg gezogen. Nur, dieses Mal zog es uns noch etwas weiter…

Zurück nach Lörrach – wie immer – oder wie so oft wenn Bernasconi Maibach auf Reisen gehen, dann kann nicht alles ganz normal sein. So war es denn auch dieses Mal. Gerne hätten wir Wagen 17 mit den gebuchten Plätzen 41 und 42 bezogen, doch dieser Wagen war defekt und deshalb gab es den auch nicht. So bekamen wir im Wagen 18 nun 91 und 92 zugewiesen. Es war heiss, drückend heiss. Dies versprach nicht wirklich gemütlich zu werden. Wir zogen es vor draussen auf einer Bank unser Lachsbrötchen zu verzerren – da sahen wir vor Wagen 18 den Schaffner mit einer Liste herumfuchteln.

Peter erkundigte sich, was den los sei: Im Wagen 18 ist die Klimaanlage ausgestiegen – zurück auf Feld sieben. Mit Sack und Pack zogen wir in Wagen 19 – dort musste wieder umdisponiert werden. Eine Frau kam einige Zeit später gemeinsam mit ihrem Partner in Wagen 19 an und wollte Platz 41 und 42 beziehen, doch da haben wir uns bereits breitgemacht. „Ich werde sicher nicht mit meinem Freund zu fremden Leuten ins Abteil setzen“, wetterte sie. Auch für uns kam es nicht in Frage, den die Liegewagenabteil sind eng und wir buchten so, dass wir ein Abteil für uns hatten. Der Schaffner suchte für die Frau und ihren Freund eine neue Bleibe. Wir richteten uns ein – und in Wagen 19 blieben wir auch. und bei rückläufigem Merkur eine Reise zu beginnen – da gibt es immer wieder Überraschungen – gell Sergio …
Nun 12 Stunden später stiegen wir nach einer angenehmen Nacht in Hamburg Altona aus – nahmen unser Auto in Empfang und parkten es gleich um die Eckeim Parkhaus in Altona. Wir hatten noch etwas Zeit bevor wir nach Wilhelmshaven weiter fahren würden – so war es logisch, dass wir eine Tageskarte lösten und auf dem schnellsten Weg zum Hafen fuhren. Und wenn ich den Hafen sehe, bin ich in Hamburg angekommen. Gemütlich schlenderten wir am Hafen entlang – selbstverständlich nahmen wir auch das Schiff nach Finkenwerder um im Dockland das grosse Kreuzfahrtschiff zu bestaunen, bevor wir mit dem Bus zurück nach Altona tuckerten. Hamburg in zwei Stunden …
Hamburg Landungsbrücken

Gemütlich fuhren wir die 220 km auf der Autobahn nach Wilhelmshaven. In Hamburg nieselte es und hier erwartete uns das schönste Frühsommerwetter – wir bezogen unser Hotelzimmer im 7. Stock mit herrlicher Aussicht auf den Jadebusen und den Bantersee – einfach schön. Selbstverständlich erkundeten wir die Fussgängerzone – und nach einem leckeren Nachtessen marschierten wir noch etwas dem See entlang und wunderten uns, dass die Sonne noch so hoch am Himmel stand. Erst gegen 22.00 ging die Sonne unter und der Mond zeigte sich von seiner vollen Seite.

Wilhelmshaven

Carolinensiel - Harlesiel 12.06.2014

"Ein Siel ist ein verschliessbarer Gewässerdurchlass in einem Deich. Es ist Teil eines Entwässerungssystems des hinter dem Deich gelegenen Binnenlandes, besonders in Marschgebieten.  Viele Ortsnamen entlang der deutschen Nordseeküste haben aufbauend auf dortigen Anlagen die Endung „-siel“. Es gibt heute auch im Binnenland gelegene Sielorte, da sich durch Eindeichungen in früheren Jahrhunderten die Küstenlinie verschoben hat." (Wikipedia)
Und genau an diesen Orten sind wir heute mehrheitlich durchgefahren bei den unterschiedlichen und schönen Sielorten:  doch auch heute wieder der Reihe nach …

Harlesiel

Menschen wanderten vorsichtig durch den Schlamm, einige mutige getrauten sich ein bisschen weiter ins Meer hinaus. Peter und ich blieben dem Treiben auf sichere Distanz und sahen den Menschen zu, die sich durch den Morast wagten. Eine Frau mit zwei kleinen Kindern unter ihren Armen, eines rechts, das andere links, watete entschieden drauflos, bedacht darauf keines der Kinder fallen zu lassen…

Harlesiel

Von Harlesiel kann man übrigens mit dem Schiff auf die Insel Wangenrooge. Eine der Insel werden wir wohl nächste Woche mal noch besuchen. Mal schauen wohin es uns ziehen wird. Jedenfalls ist Norddeutschland eine Reise wert, nicht nur der schönen Landschaft wegen, denn auch das Klima hier ist wirklich angenehm und meine Lungen erholen sich hervorragend. Peter der Arme, möchte wohl manchmal etwas mehr Ruhe, denn immerhin haben wir ja auch noch Ferien, wie er ab und zu einzuflechten versucht …

Ich staune einfach über die Natur, wie sich die Gezeiten zeigen. Nach einem genüsslichen Lachssandwich fuhren wir durch die verschiedenen Sielortschaften in unseren Adlerhorst zurück. Ein bisschen Entspannung tat uns gut – und nach einem gepflegten Abendessen spaazierten wir hier in Wilhelmshaven an den Jadebusen und sahen wie das Wasser so langsam wieder den Schlamm bedeckte. Faszinierend zuzuschauen. Die Sonne machte dem Mond Platz und zügig marschierten wir um den Hafen und bewunderten die Kaiser-Wilhelm-Brücke, dir wir von unserm Hotelzimmer aus sehen können.

Ach übrigens heute hat Peter zwei Fahrräder für morgen gebucht. Wohin die Reise gehen wird. Ich freue mich darauf und bin natürlich auch gespannt. Mit den vielen Radwegen sollte das kein Problem sein ... Berichte dann morgen Abend darüber…

Mit dem Velo nach Dangast 13.06.2014

Dangast, hin und zurück, mit dem Wind, gegen den Wind:  Dangast, ein kleines Fischerdorf für Kunstinteressierte liegt 15 Kilometer von unserem Hotel entfernt. „Dangast“ murmelte ich gedankenverloren hinter dem Sonnenschirmchendrink. „Dangast?“ echote Rosmarie Bernasconi, unermüdlich an meiner Seite, „da gehen wir gleich hin!“ Moment, Geduld, versuchte ich zu retten, was noch zu retten war. Doch zu spät, Dangast hatte sich in die Zielautomatik meiner Ehefrau eingebrannt.

„Dann lass uns die Rückfahrt ins Hotel abklären, dann marschieren wir morgen nach Dangast, immer schön dem Deich nach."

"Das wird nicht nötig sein, denn wir werden mit dem Fahrrad fahren, 2 x 15 km das machen wir auf einem Pedal“ zeigte sich Frau Bernasconi überzeugt.

Wilhelmshaven, bound for Dangast
Wilhelmshaven bound for Dangast
Nun muss ich die Geschichte von Hans, dem pensionierten Bäckermeister einflechten. Hans war ein begnadeter Akkordeonspieler gewesen in seiner Zeit. Nach zwanzig Jahren griff er zum ersten Mal wieder nach seinem Akkordeon um einer Schar Gäste eine Probe von seinem Können zu geben. Doch dem Musikinstrument entflohen nur ein parr kümmerliche, falsche Töne. Es verstimmt und Hans enttäuscht über seine eingerostete Virtuosität. Nie mehr sahen wir Hans sein prächtiges Akkordeon aus dem seidengefütterten Koffer ziehen.
Ungefähr so sah es mit unseren Velokünsten aus. An der Hotelrezeption mieteten wir zwei  brave, gutmütige Hollandräder, schwer wie eine Fregatte und etwa gleich träge zu lenken. Aber, wenn sie einmal rollen, wollen sie nicht mehr aufhören, hatte uns Sändeli kurz vor der Abreise noch versichert. Bloss der Wind in Norddeutschland habe seine Tücken. „Ah Bah“, kommentierte Frau Bernasconi, "das bitzeli Wind."
Also gut, nach einigen wackeligen Fahrübungen auf dem Hotelparkplatz fühlten wir uns nach jahrzehntelanger Fahrabstinenz tauglich für Dangast. Auf dem Damm angekommen, war Running Rousy nicht mehr zu halten und stürmte übermütig davon. Leider in die falsch Richtung. Meine Worte waren in den Wind gerufen. Ich versuchte zu telefonieren. Ohne unmittelbarem Erfolg. Lange Zeit später näherte sich ein Fragezeichen von einer Frau, auf Fahrrad.
„Schatz, da lang geht’s nach Dangast“, begrenzte ich den Schaden nur bedingt.
Dangast

Nun, die restliche Fahrt nach Dangast verlief locker. Immer etwas Wind im Rücken, pedalten wir zwar schwankend aber glücklich durch die Deichlandschaft, Wolken und Sonne wechselten sich ab, Schafe, Kühe, Weiden, Möwen. Schon bogen wir in Dangast um die Hausecken und suchten uns zu einem Restaurant durch, das unsere sportliche Fahrt mit einem Störtebeker-Teller und etwas Shrimps krönen würde.

Dangast
Die Rückfahrt begann gut, obwohl das schwere Holländerrad Frau Bernasconi bei einem Sturz unter sich begrub. Doch mit aufkommendem Wind wurde die Pedalerei immer harziger. Der Wind pfiff inzwischen in den Fahrradspeichern. 
Ab und zu flog ein kleines Schaf an uns vorbei. Wir stiegen ab und schoben die Räder. Noch 12 Kilometer bis zum Hotel.

 

Dangast
Entgegenkommende Radfahrer zeigten ein mieses Lächeln, als sie ohne die Pedale zu treten an uns vorbeiglitten. Die Stimmung sank ins Knurrige. Bei kleinsten Abflauen des Windes schöpften wir Hoffnung, sprangen (mehr oder weniger) aufs Rad und fuhren ein paar Meter, bis die Windfaust uns erneut zu Boden drückte. Schieben, ein paar Meter fahren schien unser Tagesschicksal zu sein. Doch ganz zum Schluss unserer Tour nahm die Strasse eine unverhoffte Kurve, und welch Wunder, wir hatten Rückenwind. Was für ein stilles Glück, über den Veloweg zu gleiten, das Hotel schon vor Augen. 
Auf dem Veloparkplatz vor dem Hotel schlossen wir unsere Vehikel ab. Und wir machten stillschweigend Schluss mit unserer Fahrradkarriere in Norddeutschland.
So gesehen hat sich die Plackerei ja dennoch gelohnt…
Allerdings muss ich anfügen, dass es in unserem Adlerhorst ohne stöhnen nicht geht. Der Allerwerteste tut weh – die Wunden sind verarztet und Peter hat sich nach dem Schreiben des Tagesberichtes ächzend und stöhnend aufs Sofa gesetzt. Jedenfalls ist meine Velokarriere vorbei und so denke ich den an unseren ehemaligen Nachbarn und seine Handorgel – ich werde das Velofahren  andern überlassen. Und morgen gönnen wir uns einen Ruhetag, den die müden Knochen müssen sich erholen … und die vielen blauen Flecken wollen gepflegt werden.
Dangast

Wilhelmshaven 14. Juni 2014

Wilhelmshaven
Bereits neigt sich ein weiterer Ferientag dem Ende zu – ein Ruhetag. Nach den gestrigen Strapazen fanden wir es sinnvoll einen Ruhetag einzuschalten. Meine blauen Flecken und meine Wunden sind dankbar, dass sie verheilen können … zum Glück bin ich ein farbenfroher Mensch, so dass die blauen Flecken in den nächsten Tagen so ziemlich bunt werden …

Heute schliefen wir eine halbe Stunde länger als sonst und kamen auch ein bisschen später zum Frühstück als sonst. Dies war ein Vorteil, denn das Hotel ist rappelvoll und die Plätze im Frühstücksraum eher rar.

Dann gings ab in die Fussgängerzone um unsere Pflasterbox aufzufüllen. Nachdem wir gemütlich die Fussgängerzone auf und ab geschlendert sind, einen Kaffee getrunken haben, zog es uns wieder ins Hotel  zurück. Während im Hotel ein emsiges Treiben herrschte genossen wir den Ausblick aus unseren Adlerhorst.

Der Maritime Sommerball findet zur Zeit im Hotel statt. Die Damen in ihren feinen Roben, die einen passten gut ins Kleid und die Herren in schwarzen Anzügen standen etwas gelangweilt in der Hotellobby herum. Man lächelte sich höflich zu, nippte an einem Glas. Die Fotografin in ihrer roten Abendgarderobe rannte förmlich auf die Gäste zu um die besten Bilder in den Kasten zu bringen.

Jedenfalls schauten wir dem Treiben aus sicherer Distanz zu, bevor wir uns zu einem leckeren Abendessen ins Hotelrestaurant verzogen. Das Essen hier im Hotel ist wirklich köstlich und so mussten wir heute nicht noch nach Essen „jagen“. Morgen gibt’s dann wieder etwas „Ächtschen“ – wir werden über Land nach Greetsiel tuckern und mal schauen was uns erwartet …

Über Land - Greetsiel 15.06.2014

In Anbetracht der allgemein reduzierten Sitzkräfte nach unserer neulichen Velo-Eskapade, entschlossen wir uns, heute eine gemütliche Bummelfahrt über Land zu unternehmen. Nach dem Frühstück und etlichen Dehn- und Streckübungen schafften wir es, uns ins Auto zu winden. Rosmarie und das Navi führten uns sicher aus Wilhelmshaven. Dann suchten wir Strassen und Strässchen, die uns in Küstennähe rund um Ostfriesland führen würden.

Greetsiel

Für uns berggewohnten Schweizer beeindruckend sind die weiten, leeren Flächen, unterbrochen durch Kirchtürme und Windräder. Ein dramatischer Himmel, dessen Wolkenbilder ständig wechseln, wölbt sich über die Felder, seewärts begrenzt durch die Deichkronen. Zwischendurch konnten wir uns der Idylle nicht entziehen und knipsten ein paar 100 Prozent Touristenfotos.

Greetsiel
Greetsiel

Am frühen Nachmittag erreichten wir Greetsiel, ein ebenso malerisches wie touristisches Fischer-, oder besser, Souvenir-, Beizen-, Eis-Dorf an der Leybucht. Wir flohen, soweit überhaupt möglich, vor den Touristenscharen, im vollen Bewusstsein, selber welche zu sein. Auf der Suche nach malerischen Motiven wurden wir trotz allem Rummel fündig. Abwechslungsreich ernährt mit zwei unterschiedlichen Sorten Eis nahmen wir den Heimweg unter die Räder. Nach einer kurzweiligen Fahrt und mit einem Kopf voller Bilder entspannen wir uns nun im Hotel. Die Weekendgästeschar ist abgereist und so werden wir heute abend ein ruhiges Kneippchen im Ort suchen und in Ruhe Pläne für morgen schmieden.

Und was uns tatsächlich auffällt sind die „Milliontausend“ Fahrradleihgeschäfte – heute war es ziemlich windstill, so dass viele Radwanderer jeglichen Alters unterwegs waren. Irgendwie scheint es uns, dass hier Velo und Auto viel besser im Einklang sind.

Es mag wohl daran liegen, dass es hier viel mehr Platz hat als bei uns. Die Weite ist beeindruckend. Morgen steht eine kleine Minikreuzfahrt auf dem Programm – je nach Wetter- und Windlage …

Greetsiel

Rund um den Hafen 16.06.2014

Der heutige Tag startete irgendwie tieftourig. Der Himmel gab sich bedeckt, es regnet sogar ein wenig. Immerhin war es windstill, zum ersten Mal in unseren Ferien im Durchzug. So verschoben wir die geplante Schiffstour zu den Robbenbänken und ein paar Inseln und verbummelten den Morgen.

Mit der Zeit wurde uns die Herumhängerein im Hotel doch zu langweilig. Wir packten uns wasserfest ein und zogen Richtung Helgolandkai los. Dem Jadebusen entlang Richtung Wilhelm-Kaiser-Brücke an den Südstrand. Mal sehen, wies mit einer Hafenrundfahrt aussieht, ein wenig Schiff muss sein. Unser guter alter Freund, der Wind war inzwischen auch wieder erwacht, so konnten wir uns da nach-hinten-kämmen sparen.

Wiilhelmshafen

Die MS Harlekurier führte eine Handvoll wind- und wetterfeste Landratten zum Jade Weserport, ein gigantischer Containerhafen, so wenigsten der Plan, sollte bis 2012 entstehen.  Auf uns macht zwei Jahre später das Einmilliarden-Bauprojekt eher den Eindruck von einem Geisterhafen, ein paar tatenlose Kräne und weit und breit kein Schiff. Ein „Tatort“ wurde auf dem leeren Gelände gedreht, wahrscheinlich die letzte Action seit langem. Eindrucksvoll hingegen die Grösse des Jadebusens und die Wirkung der Wassermassen die im Sechsstunden-Rhythmus im Gezeitenwechsel ein- und ausströmen

Wilhelmshaven

Bevor der Harlekurier wieder an seinen Heimatkai zurückkehrte, drehte das Schiff eine Runde im Marinehafen. Ein Versorgungsschiff, zwei Fregatten, Zerstörer eine beeindruckende Masse an Stahl und Waffenkraft auf engem Raum. Bei Einfahrt in den Marinehafen kamen auch die letzten Kaffeehocker auf Deck und bestaunten die Kriegsschiffe. Mag sein, weil wir Binnenländer sind, aber dieses Marineding war nicht so unseres.

Wilhemshaven

Zurück an Land lenkten wir unsere kriegerischen Eindrücke etwas ab und besuchten das weitaus filigranere „Wattenmeer Museum“ das der Geschichte und dem Leben im Kosmos des UNESCO Kulturgutes Wattenmeer auf den Grund geht.

Wilhelmshaven

Vom Mammutmodell in Originalgrösse bis zum Walfischskelett waren unzählige Informationen locker aufgebaut präsentiert – was uns deutlich mehr beeindruckte als der militärische Teil des Meeres. Übrigens, Roger, haben wir die herzigen Würmli gesehen, von denen du uns erzählt hast. Da gehe ich definitiv nicht barfuss rein! Und Beatrice ich glaube die Wattenwanderung lassen wir auch gleich sein … wir geniessen das Watt von aussen.

Kaffee, Tee und Kuchen brachten uns sicher zum Höhepunkt des heutigen Tages: Deutschland – Portugal. Schon beim Heimweg bemerkten wir, dass beim Pumpwerk, dem Kulturzentrum, die Strasse für die Fussballfans abgesperrt wurde, Publicviewing war angesagt.

Auch die Hotelhalle war zum Fanzirkus umgebaut. Wohlerzogene Geschäftsleute stiessen unbeherrscht Freudenschreie aus, wenn Deutschland ein Tor schoss. Noch im Restaurant obern erzitterte die Suppe, bis endlich nach dem vierten Tor Ruhe herrschte. Die Cheffe de service fand ihre alte Form wieder, der Koch entdeckte seinen Pfannen und nach etlichem Tellerklappern kamen wir endlich zu unserem Abendessen, das wiederum sehr gut schmeckte.

Den Tag voller Kampf und Sieg liessen wir in unserem Adlerhorst in Frieden ausklingen.

Inselrundfahrt 17.06.2014

Nachdem Deutschland am Montag gegen Portugal 4:0 gewonnen hat, ist es hier auch im Hotel wieder ruhig geworden. Die deutschen Fähnli an den Autos sind weniger geworden. Man ist zur Tagesordnung über gegangen. Und heute Abend läuft in der Hotelhalle der TV und niemand sieht zu, die Plätze bleiben leer.  Dies wird sich ändern, wenn dann das nächste Spiel am Samstagabend stattfinden wird. Wir werden am Freitag vermutlich irgendwo still und leise alleine in der Hotelhalle sitzen und den nächsten Match der Schweiz schauen, denn Franzosen hat es keine hier. egal, die Fussbal-WM nimmt ihren Lauf und unsere Ferien auch.

Horumersiel

Nun auch heute wieder der Reihe nach. den Morgen verbrachten wir gemütlich in unserem schönen Adlerhorst, bevor wir mit dem Auto nach einem weiteren Siel fuhren, nämlich zum Horumersiel. Endlich wollten wir die Seehundbänke anschauen. nach wie vor herrscht starken Wind und so wussten wir nicht ob wir tatsächlich zu den Seehundbänken vorstossen würden. Der Kapitän machte uns darauf aufmerksam, dass es unter Umständen nicht gehen würde.

So waren wir den gespannt und bestiegen die Jens Albrecht im Horumersiel-Hafen und mit uns noch etwa 150 Leute, die den gleichen Plan hatten wie wir. Gemütlich fuhr das Schiff an der Insel Langeoog vorbei und weiter nach Wangerooge. Es gab viel zu sehen – viel Wasser und viele Wellen, viele Vögel, die es sich auf den Sandbänken gemütlich gemacht haben! Wir waren alle gespannt, ob der Kapitän das Schiff auf dem offenen Meer zwischen Wangerooge und Spiekeroog Richtung Seehundbänke steuern würde. Man sah die Insel Spiekeroog schon von Weitem.

Kaum waren wir im offenen Meer war an eine Weiterfahrt nicht zu denken, den der Wind das himmlische Kind, verunmöglichte dies. Das Risiko war zu gross. Der Kapitän wendete das Schiff. Schade, so kurz vor dem Ziel und doch fanden wir, dass der Kapitän richtig entschieden hatte, denn was nützen uns die Seehunde, wenn wir in den hohen Wellen untergegangen wären. Das Schiff schaukelte heftig und der eine oder andere Gast wurde doch etwas bleich. So fuhren wir den wieder an den Inseln zurück nach Horumersiel und waren glücklich und etwas schwankend, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

Ich werde jedenfalls im Sommer wenn es besonders heiss sein wird, an den kühlen Nordwind denken – doch heute hätten wir nichts dagegen gehabt, wenn es etwas windstiller gewesen wäre. Jedenfalls war diese Schifffahrt wirklich eindrücklich und wir haben ja noch etwas Zeit nochmals eine Schifffahrt zu den Seehunden zu unternehmen. Im Gegensatz zu weiteren Veloabenteuer bleibt das Seehundabenteuer noch auf der Pendenzenliste!

Horumersiel

Banter See 18.06.2014

Wilhelmshaven
Rund um den Banter See – Wilhelmshaven in klein: Das Wetter hier im hohen Norden hat definitiv das Wohlfühlprogramm abgeschaltet, es ist kalt geworden, der Wind bläst aus allen Richtungen und zwischendurch regnet es zwar kurz, aber waagrecht.
Einige der wenigen Aufhellungen haben wir gepackt und sind losmarschiert. Der Banter See liegt gleich neben dem Hotel uns so haben wir die 8 Kilometer des Banter Rundweges unter die Füsse genommen.
Uns scheint der Rundweg sinnbildlich für alles, was wir in Wilhelmshaven wahrnehmen. Bevor sich der Weg nach der Banter Kirchenruine in einem Wäldchen verliert, fällt der Blick auf die entfernte Kaiser Wilhelm Brücke und die grossen Kriegsschiffe die dort vor dem  Marinemuseum ausgestellt werden. Der gut ausgebaute Spazierweg führt durch einen ausgedehnten Waldabschnitt, vorbei an militärischen Schutzgebiet, das videoüberwacht ist. „Moin, moin“ grüsst menschenfreundlich ein Militär durch den Stacheldraht.
Weiter führt uns der Rundweg am Strandbad, der Surf- und Tauchschule vorbei am Seeufer entlang. Der Bantersee ist bei Tauchern beliebt, die zahlreichen bis zu vier Meter tiefen Bombenkrater lassen den Seegrund wie eine Mondlandschaft erscheinen. Es folgt ein kurzer Abschnitt dem Deich zum Jadebusen entlang, wo wir unsere alten Radwanderkollegen, unzählige Schafe wieder treffen. Mäh statt Moin sagen die Deichrasenmäher nur zum Wiedersehen. Wir „mähen“ zurück … die vielen Schafe schauen uns irgendwie ein bisschen komisch an und wir sie.  Da wo wir letzte Woche noch durchgeradelt sind, sind nun die Schafe am Fressen.
Wilhelmshaven

Der Rundweg wechselt auf eine asphaltierte Strasse, die einem überwucherten Bahngleise folgt, wir betreten das industrielle Wilhelmshaven. Ein mit Zivilisationsmüll überstellter Schrottplatz, geschlossene Fabriken, eingeschlagene Fensterscheiben, alles immer noch mitten im wild wuchernden Wald. Zwischendurch wieder Sperrgebiet. Ein Schild warnt von Munitionsrückständen im Gelände.

Wir gelangen zu einem Baugeschäft, dann zu einem Zubringer zu einem supermodernen Kieswerk. Der gehört zum Rundweg ebenso wie ein zwei Kilometerabschnitt der Schnellstrasse entlang. Weit und breit kein See.

Endlich zeigt der Wegweiser in ein ruhigeres Gebiet: Unser Weg führt durch mehrere Wochenend- und Gartensiedlungen. Kitschige Häuschen mit viel Gartendeko verbergen weiterhin das Seeufer. Vereinsfahnen, natürlich deutsche Flaggen, knattern im Wind, es ist wie zuhause, bloss ohne Schweizerfahnen. Das viel gerühmte Strandcafé Fährhaus ist bis Samstag geschlossen.

 

Endlich führt der Weg zurück an den See, durch eine Freizeitanlage, vorbei an einer weiteren, schwarzen Bunkerruine der Marine.

Nur noch wenige Schritte und wir stehen wieder vor dem Hotel, entschliessen uns aber, in die Stadt zu bummeln, um bei Kaffee und Kuchen den Spaziergang durch die Geschichte Revue passieren zu lassen.

Wilhelmshaven

Zum Glück haben wir Schwimmbad und Sauna im Hotel, so dass ich noch einige runden schwimmen und mich in der Sauna aufwärmen konnte. Peter verzog sich in dieser Zeit ins Bett und zog die Bettdecke bis über seine Nasenspitze hoch.

Seehundbänke 19.06.2014

Der heutige Tag begannen wir gemächlich, da das Wetter alles andere als ruhig war. Der Wind, der Wind … Ja, ja …  wir haben uns schon ein bisschen an das Klima und an den Wind gewöhnt und so stellten wir uns auf einen gemütlichen und behaglichen Tag ein. Aber wie immer kommt es dann doch anders als geplant. Eigentlich wollten wir am Nachmittag einen Bummel zum Helgolandkai machen und das grosse Aquarium besuchen. Gegen Mittag wurde es dann windstiller und der Regen hörte auf und da wir noch eine Pendenz offen hatten entschlossen wir uns zu einer weiteren Schifffahrt. Eigentlich wäre ja am letzten Dienstag der Besuch bei den Seehundbänken geplant gewesen, aber wegen zu hohem Seegang war dies nicht möglich so hofften wir, dass es heute tatsächlich klappen würde. Von Wilhelmshaven fuhren wir via Carolinensiel nach Harlesiel. Eine weitere Schifffahrt stand uns bevor.

Harlesiel

Eine Lehrerin mit ihrer Schulklasse war ebenso neugierig wie die andern Passagiere auf der Jens Albrecht. Im Gegensatz zum Schiff vom Dienstag hatten wir mehr Platz und das Schiff war auch einiges grösser, so dass sich die Menschen gut verteilten. Und um Punkt 15.00 ging die Fahrt los. Wieder fuhren wir durch das Watt – durch den mit Priken (Priken sehen aus wie Birkenbäumchen, die fest in den Boden eingepflanzt sind und die man auch nicht mehr herausnehmen kann) gezeichneten Weg. Ich bin immer wieder fasziniert wie de Gezeiten funktionieren. Und ich bewundere die Käptens auf den Schiffen, die mit stoischer Ruhe ihre Gefährte durch das Watt leiten und auch genau wissen wo sie durchfahren müssen – ja, ja ich weiss diese sind sicher an einem Kurs gewesen – und trotzdem finde ich es nach wie vor faszinierend wie sich die Natur hier zeigt. So tuckerten wir zügig an der Insel Wangerooge vorbei, den alten Leuchtturm sahen wir schon von weitem. Und endlich näherten wir uns den Seehundbänken.

Fast andächtig ruhig wurde es auf dem Schiff, auch die Kinder, die vorher voller Leben durch das Schiff rauf und runter gehüpft und gesprungen sind warteten wie wir alle gespannt, bis wir die Seehunde sehen konnten. Der Kapitän führte sein Gefährt  ruhig und mit der gewahrten Distanz zu den Seebänken. Da lagen sie, die Seehunde und Robben und erholen sich von den Strapazen des Meeres, denn sobald sich die Gezeiten wandeln, sind die Bänke verschwunden und die Robben und Seehunde sind wieder im Meer verschwunden, bis zum nächsten Wechsel. Es war ganz einfach überwältigend, diese Bilder, diese Endrück zu erleben. Irgendwie ist es eigenartig, denn man sieht diese Bilder in einem Tierfilm, im TV und denkt gar nicht, dass diese Tiere tatsächlich in unserer Nähe sind. Ein wunderschönes Spektakel das uns die Schönheit der Natur zeigt.

Harlesiel

Und der Kapitän erzählt uns, dass die Jungtiere meist auf den Bänken geboren werden und nach der Vorbeifahrt  wusste der Kapitän auch wie viele neue Babys es seit der letzten Fahrt von gestern gegeben hat. Mit grosser Begeisterung erzählte  er von den neuen Erdenbürger. Die Liebe und den Respekt für die Tiere hörte man in seiner Stimme. Auf dem Schiff ist es ruhig geworden, alle blickten gebannt auf die Tiere, die frech in Richtung Schiff schauten. Nach diesem Schauspiel fuhr die Jens Albrecht wieder Richtung Harlesiel an der Insel Spiekeroog und Wangenrooge vorbei. Der Wellengang war auch heute nicht zu unterschätzen, denn das Wasser stieg und stieg. Auch der Wind blies heftig. Die blonde Lehrerin mit ihren Schülern stand nach wie vor auf dem Oberdeck. Einige der Kinder wirkten dann doch etwas bleich und die hart gesottenen sprangen nach wie vor die Treppe hinauf und herunter. Einige waren müde geworden. So sah man den der eine oder die andere im Unterdeck mit schweren Lidern sitzen.

Harlesiel

So fuhren wir gegen halb sechs wieder im Hafen ein. Dort wo das Wasser bei Wegfahrt noch tief lag, war es nun bereits mehr als 2 Meter höher. Ein Wohnwagen, der am Mittag noch absolut im trockenen stand, stand nun im Wasser. Ich hoffe einfach, dass er seinen Wohnwagen nicht noch suchen musste.

Ich bin nach wie vor überwältigt und die vielen Eindrücke haben uns müde gemacht, so haben wir denn auf dem Heimweg noch etwas Picknick eingekauft und waren froh nicht nochmals ausrücken zu müssen.

Robbenbabys in der Krabbelgruppe 20.06.2014

Nachdem wir uns gestern den Robbenbänken mit dem Schiff näherten, war uns klar, dass wir mehr zu den Meeresbewohner erfahren wollten. Das Wetter heute war weder gut noch schlecht, es war einfach von allem etwas, so programmierten wir denn das Navi auf gut Glück Richtung Westen und fuhren nach Emden. Dort bummelten wir um den Hafen und durch die Fussgängerzone, besuchten einen kleinen Markt und warfen einen Blick in  „Dat Otto Huus“, vollgestopft mit Ottifanten und unzähligen Otto-Souvenirs. Rosmarie erweiterte ihre Tasslisammlung um ein Otto-Tassli des Pilsumer Leuchtturmes, genau, der gestreifte aus dem Film.

Dann rollten wir weiter Richtung Norden - sowohl der Kompassrichtung wie auch der Stadt - und kurvten uns durch zur Seehundstation in Norddeich. Die Seehundstation kümmert sich um „Heuler“, um Robbenbabys, die ihre Mutter verloren haben. Liebevoll werden etwa 60 kleine Seehunde aufgezogen, altersgerecht ernährt und an ihr zukünftiges Leben im richtigen Meer angewöhnt. Wenn die Tiere etwa 25 kg schwer sind und sich ihre Nahrung, ein paar Kilo Fisch am Tag, selber jagen und sich gegen Konkurrenten durchsetzen können, werden sie auf einer Sandbank ausgesetzt und leben frei mit den andere Tieren.

In der Seehundstation sind die Becken von den Besuchern durch Glaswände abgeschirmt. Auch die Tierwärter nähern sich den Tieren nur wenn unbedingt notwendig, um sie nicht zu sehr an Menschen zu gewöhnen und so ihre Auswilderung  zu gefährden. Umso lauter ging es während der Fütterung hinter den Glasscheiben zu und her. Die Menschenkinder bewunderten die Fütterung der Robbenbabys, der Lärm war nicht zu übertreffen. Die Versuche einer Tierwärterin, etwas Wissen zu vermitteln jedenfalls gingen in den hundertfach „Mama schau!“ und „Papa guck!“ unter. Immerhin steht auf dem Eintrittsticket aufgedruckt, wie man sich beim Fund eines Heulers am Strand verhalten soll: Abstand halten, nicht anfassen, der Station melden. Aber, nicht jedes Tier benötigt Hilfe Seehunde werden im Juni / Juli geboren und sind bereits ab August selbstständig. Schwimmen können sie schon 15 Minuten nach der Geburt.

Norden
Danach wurde der Souvenirshop gestürmt, manches Ferienbudget geplündert um einen herzigen Plüschseehund zu erstehen. Auch Frau Bernasconi erlag dem Jöh-Faktor und verwandelte etliche Ferieneuros in Seehundtassli.

Link: www.seehundstation-norddeich.de

Norden
Müde, aber voller neuer Eindrücke rundeten wir unseren Tag bei einem ausgezeichneten Dinner im Laarnis ab (http://www.laarnis.de/

 

Tja – und auch wenn wir den Fussballmatch Frankreich gegen die Schweiz nicht direkt geschaut haben sind wir doch etwas enttäuscht über das hohe Resultat! Jedenfalls ein Resultat zum vergessen – aber man soll nicht zu früh aufgeben! Und morgen Abend findet wieder die grosse Party im Pumpwerk statt, auch die Hotelhalle wird belebt sein, wenn die Deutschen spielen werden.

 

 

Und unser Aufenthalt in Wilhelmshaven nähert sich dem Ende entgegen. Morgen werden wir bereits packen und am Sonntag geht’s dann Richtung Hamburg wo wir bis Mittwoch bleiben. Wir freuen uns darauf.

letzter Tag 21. Juni 2014

Nun ist also auch unser letzter Ferientag in Wilhelmshaven vorbei. Während in der Hotel Halle und im Public Viewing am Pumpwerk die Leute beim Spiel Deutschland – Ghana mitfiebern, haben wir uns in unseren Adlerhorst zurückgezogen. Ab und zu wurden wir heute auf das Debakel der Schweizer von gestern angesprochen. Ein leises mitleidiges Lächeln konnten wir jeweils bei unseren Gegenüber erkennen. Und nach wie vor bin ich stolz Schweizerin zu sein!

Nun aber wieder zurück ins Tagesgeschehen in Wilhelmshaven. Nachdem wir uns diese Woche intensiv mit den Seehunden beschäftigt haben, fanden wir, dass nun auch noch das grosse Aquarium hier in Wilhelmshaven einen Besuch wert sei. So machten wir uns dem Watt entlang Richtung Helgolandkai, vorbei an den Strandkörben, die verwaist auf Gäste warten.

Wilhelmshaven

Nachdem wir die Seehunde in der Natur gesehen haben und gestern die Seehundstation besuchten, war die heutige Stippvisite  fast Plicht. So steuerten wir schnurstracks zum Seehundbecken und schauten den Tieren zu, Mit einem „Affenzahn“ schwammen sie durch das Becken. Wir lernten aber auch noch andere Lebewesen des Meeres kennen und das  war spannend. Die vielen Fischarten die es gibt und die unterschiedlichen Formen und Farben faszinierten uns.

Wilhelmshaven

Überall wird aber darauf hingewiesen, dass die eine oder andere Fischart vom Aussterben bedroht sei, weil die Meere überfischt sind. Die Natur ist wohl an vielen Orten  aus dem Gleichgewicht gekommen und überall werden Anstrengungen unternommen, den Tieren genügend Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Nach dem Besuch im Aquarium marschierten wir über die Wilhelm Kaiser Brücke Richtung Zentrum an einer verwaisten Minigolfanlage vorbei.

Wir wollten noch das eine oder andere einkaufen. Grosse Pflaster, man weiss ja nie – nein, nein keine Bange – Velofahren liegt nicht mehr drin – doch fanden wir, dass wir unseren Vorrat an Wundmaterial ruhig wieder auffüllen können. Zum Schluss musste ich unbedingt noch vom Ostfrieschen Tee einkaufen, der lecker schmeckt und es auch ist.

Mit unseren Einkäufen schlenderten wir Richtung Hotel. Ein letztes Mal ins Schwimmbad, ein letztes Mal in die Sauna, ein letztes feines Essen im Hotel …  und während ich den Tagesbericht schreibe, schiele ich immer wieder auf den Newsticker

Nun die Koffer sind gepackt und morgen fahren wir gemütlich Überland nach Hamburg. Wir freuen uns auf die Tage, denn nach dem beschaulichen und ruhigen Wilhelmshaven, finden wir, darf es ruhig wieder etwas „Ächtschen“ geben –  jedenfalls sind wir gespannt was uns in Hamburg alles erwarten wird.

Hamburg 22.06.2014

Nun die Zeit in Wilhelmshaven ist abgelaufen. Nach einem guten Frühstück und dem beladen des Autos fuhren wir Richtung Hamburg. Da wir für ein Mal genug Zeit hatten, tuckerten wir von Wilhelmshaven gemächlich Richtung Hamburg. Dem Mann im Navi haben wir gesagt, dass er die Autobahnen meiden soll und er hielt sich auch daran.Durch Alleen, Nebenstrassen und herrlichen Landschaften, bei den Windrädern vorbei, näherten wir uns Hamburg.

Nach gut drei Stunden kamen wir an unserem Ziel an. Der Mann im Navi hat uns allerdings noch etwas im „Cacco“ herum geführt, weil er die Baustellen nicht erkennen konnte. Eigentlich hätten wir über eine Brücke fahren müssen und wir waren nicht die Einzigen, die dem Mann im Navi gehorcht hatten – Irgendwann meinte er dann: „Bitte wenden – fahren Sie Links, Rechts, Geradeaus“ – was jetzt? Links Richtung Elbtunnel, mit Stau auf der Strasse, aber immerhin haben wir dank dem Mann im Navi den Ausweg doch noch gefunden.
Anschleichen von hinten, hiess die Devise und so landeten wir sicher und gut vor dem Hotel Barcelo mitten in der Stadt. Ein schönes und herrliches, modernes Hotel, mit einer unterirdischen Garage ist nun unser „zu Hause“ bis wir dann am Mittwochabend mit dem Autozug wieder Richtung Schweiz fahren werden. Doch noch sind wir mitten im Trubel und mitten in Hamburg.
Hamburg

Einchecken – Gepäck ins Zimmer stellen und dann gleich wieder raus aus dem Hotel. Und wer uns kennt weiss, dass der erste Besuch immer dem Hafen gilt und das war auch heute nicht anders. Zu den Landungsbrücken mit dem Schiff nach Finkenwerder. Und da es Sonntag ist, waren wir nicht die Einzigen. Und für ein Mal waren die Wellen so hoch, dass man im Oberdeck nicht ganz trocken blieb. Zur Freude der Kinder und zum Leid der Eltern. Die Kinder kreischten vor Freude wenn wieder eine Welle über das Schiff schwappte …

Hamburg

Und dann rief dann doch noch die Pflicht. Da ich im Herbst mit Brigitta und und Ulla wieder eine Ferienwoche mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung (www.tab-thurgau.ch) durchführen werde, werde ich die Tage nutzen um das eine oder andere abzuklären. So fuhren Peter und ich nach dem nassfeuchten Ausflug zum Hotel http://www.motel-one.com/de/hotels/hamburg/hotel-hamburg-alster/.  Das Hotel scheint mir gut zu sein. Dann gings los – ein Restaurant zu finden, indem man mit einer Gruppe von 12 Personen essen kann, ein nicht leichtes Unterfangen. Asiatisch, Hamburger, jede Menge Kebabstände … nicht wirklich das was wir suchen. Nachdem an „Hundertmillionen“ Erotikshops vorbei kamen – waren wir uns sicher, dass dies nicht wirklich das ist, was wir suchen. Auf Feld 7 zurück – wir betraten das Motel One More und setzten uns an die Bar. Die Dame hinter der Theke war zuvorkommend und freundlich und so erlaubten wir uns, nach einem geeigneten Restaurant zu fragen. „Kein Problem, da gehen sie durch den Park am Krankenhaus vorbei und kommen dann zum Restaurant Frau Möller, an der Langen Reihe Strasse."

Hamburg

Wir bedankten uns höflich und zogen von dannen. Wir fanden das Restaurant auf Anhieb und diese Gegend macht uns einen wirklich guten Eindruck. In den Restaurants ist es laut, den während der Fussball-WM gibt es praktisch überall einen grossen TV und die Leute gucken in die Röhre. So nahmen wir den draussen Platz, wickelten uns in eine Wolldecke. Der Kellner war sehr nett, das Essen gut und preiswert, sodass dies für unsere Woche im September sicher eine Option sein wird. Danke der netten Barfrau für den Tipp.

Nun haben wir also schon einen grossen Teil unserer Aufgaben erledigt und freuen uns noch auf drei Tage Hamburg. Wir werden sicher nochmals zu Hafen fahren

 

Wunderland Hamburg - 23.06.2014

Oh Shoppy Day! Nach dem gestrigen Auskundschaften der für uns bisher noch wenig bekannten Region um St. Georg, hinter dem Bahnhof, standen heute kurze Wege im Programm, theoretisch. Zuerst stärkten wir uns für den Morgen im Campusstyle Café bei Käse- und Chocoladecroissants. Beim anschliessenden Bummel fand Rosmarie heraus, wie zentral wir eigentlich logierten und wie nahe das Rathaus und vor allem die Europapassage und somit unzählige Läden und Boutiquen lagen. Ich ahnte, was das bedeutet. Und tatsächlich, kurz nachdem sich die erste Begeisterung gelegt hatte gings los: „Duuuu, wir waren doch mal so in einem tollen Jeansladen, seinerzeit?“ Ich spulte in meiner Zeitmaschine zurück, und tatsächlich, der selbe Laden stand noch am selben Ort, ein Wunder in einer Stadt, die ständig im Wandel ist.
Nachdem Frau Bernasconi mehrere Verkäuferinnen in den Wahnsinn getrieben hatte, hüpfte sie fröhlich auf die Strasse, wedelte mit der Quittung in der Luft (nur gut hatte ich die Lesebrille nicht dabei, immerhin sah ich, dass es ziemlich viele Zahlen waren): „am Abend sind sie gekürzt und wir können sie abholen. Und jetzt gehen wir …“
Das Miniaturwunderland wartete mit einigen Neuerungen auf, so waren wir nach vier Jahren gespannt, wieder einmal ein paar Stunden in er schönen Eisenbananlage zu verbringen. Zum Training für die bevorstehende Heimreise besuchten wir die Schweiz en miniature, bestaunten den Baubeginn für Italien und bewunderten die Elbharmonie. Im Wunderland ist sie bereits fertig gebaut, in der Realität dauert es wohl noch etwas länger. Wie schon oft bewunderten wir die Fantasie und die Energie, die das Wunderlandteam in seine Projekte steckt. Immerhin, 10 Mio Besuchende in zehn Jahren, drei Stockwerke Miniatur-Eisenbahn, Häuser und Szenen, alles liebevoll aufgebaut und gepflegt. Mehr unter: http://www.miniatur-wunderland.de/

Die Frage „Reeperbahn oder Hafencity“ entschied die Reeperbahn für sich. Nach einem Katzensprung mit der U-Bahn starteten wir unseren Bummel über die einst so sündige Meile – brav bei Tageslicht, so sind wir halt. Unser Interesse galt den Esso-Häusern und der berühmtesten Tankstelle Deutschlands, der Tanke an der Reeperbahn. Im Januar noch erlebten wir, wie die Liegenschaften Hals-über-Kopf wegen Einsturzgefahr geräumt werden mussten.

Gegen den bevorstehenden Abriss der günstigen Wohnungen fanden unzählige Demos statt, wir wieder einmal „z’Mitts im Chueche“. Inzwischen hatten die Bagger ganze Arbeit geleistet, ausser einer Backsteinwand und der alten Benzinpreistafel war alles platt.

Auf dem Rückweg zum Jeansladen und ins Hotel kaufte Rosmarie noch zwei drei Läden leer. Ich pilgerte erschöpft mit Einkaufstüten und rauchenden Schuhen zurück in unsere vier Wände. Frau Bernasconi stattete purlimunter noch ein paar Buchläden einen Besuch ab, (ein paar Buchläden ist gut – der Thalia ist so gross, da hatte es mir dann doch mit einem gereicht) stets auf der Suche nach Neuem für den Laden. Sobald ich meine Füsse wieder spüre, rücken wir nochmals aus auf der Suche nach dem ultimativen Restaurant, wo immer es auch liegen mag.

Hamburg

Nach dem Bummel durch den Thalia Buchladen spazierte ich der Alster entlang zum Hotel. Ich bin begeistert. Jetzt sind wir doch so viele male in Hamburg gewesen und nun sind wir das erste Mal tatsächlich zentral – und mitten im Kuchen. So kuul, wie Peter oben so schön beschrieben hat, mitten in der Stadt, so kann ich die Einkaufstaschen bequem ins Hotel tragen und bereits im Auto verstauen.

Hafencity 24.06.2014

Tja so geht jede Reise einmal zu Ende und schon sind die Koffer wieder gepackt und uns bleibt noch einen Tag bis wir dann am Mittwochabend mit dem Autozug wieder in die Schweiz reisen. Und am Donnerstag sind wir bereits in Bern. Es ist schön, in die Ferien zu gehen, und es ist aber auch schön wieder nach Hause zu fahren. Vor allem freuen wir uns auf Brot und Käse …

Hamburg
Doch noch sind wir in Hamburg. Heute war ein Tag zwischen rekognoszieren und einfach ein bisschen pläuschlen … und wie Peter sagen würde: „weil Frau Bernasconi einen schlechten Orientierungssinn hat, dauerts halt einfach ein bisschen länger bis sie sich die Wege eingeprägt hat.“ Dieses Mal kann ich ihm tatsächlich nicht widersprechen, deshalb haben wir den Weg vom Bahnhof in die Lohmühlestrasse sowohl mit der U-Bahn und auch zu Fuss unternommen. Mit dem Handy habe ich dann mal alle Wegweiser fotografiert und mir versucht einzuprägen wo ich links oder rechts abbiegen muss. Am Sonntag als Peter und ich den Weg das erste Mal „abgelaufen“ sind war es in den Strassen ruhig und still. Die Läden und einige Restaurants hatten geschlossen. Nun, heute ist es ein lebendiges und quirliges Quartier mit vielen türkischen Läden, die wir bestaunten und vor allem die Vielfalt von Lebensmittel fanden wir ganz einfach toll. Vom Motel one aus marschierten wir dann durch den Park vom Krankenhaus zur Langen Reihe und schauten uns nochmals nach möglichen Restaurants um. Also verhungern werden wir nicht  – die Vielfalt ist gross.

 

Wieder am Bahnhof angelangt, stiegen wir in die U3 Richtung Landungsbrücken und ein Besuch in der Hafencity war natürlich ebenfalls ein Muss. Als wir vor rund zehn Jahren das erste Mal in Hamburg waren, war die Hafencity an vielen Orten noch eine grosse Baustelle. Dies hat sich gewaltig geändert, ein lebendiges Quartier mit vielen neuen Häusern ist rund um die Cruisestation entstanden. Immer wieder entdecken wir etwas Neues.

War gestern an der Reeperbahn die ehemalige Esso-Tankstelle für uns von grossem Interesse, war es heute die Veränderung und die Neuerungen in der Hafencity. Und zufällig stand ein Riesenrad mitten im Gelände. Selbstverständlich musste Maibach und Bernasconis unbedingt auf das Riesenrad (www.riesenrad.de) und der Ausblick war herrlich. So hatten wir Hamburg auch noch nie gesehen. Zum Glück waren wenig Leute unterwegs, sodass wir mit dem Riesenrad einige runden fahren durften und bei jeder Drehung entdeckten wir etwas Neues.

Hamburg

Hamburg – ich liebe diese Stadt, denn es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Natürlich sehen wir auch die Randständigen, Menschen, die auf der Strasse leben – aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Menschen ein Nebeneinander gefunden haben. Genauso wie sie auch die Velofahrer und Fussgänger ihren Raum teilen. Es ist eine eindrückliche Stadt wenn auch die Elbharmonie nach wie vor noch nicht fertig ist – doch wenn wir das nächste Mal in Hamburg sein werden, ist die Elbharmonie vielleicht fertig – wer weiss das schon so genau.

Hamburg
Ich freue mich auf ein nächstes Hamburg – vom 22.9. – 28.9. werde ich wieder hier sein – mit oder ohne Orientierungssinn. Immerhin habe ich ja dann auch noch Brigitta und Ulla dabei, die mich unterstützen werden. Sonst werde ich dann Peter eine SMS schreiben, denn er weiss wo ich überall durchmarschieren muss ;-)
Hamburg

Karte Ostfriesland