Einlaufen und fast eine einfache Wanderung

Kaum in Schönried angekommen zuckte ein Energiestoss durch Frau Bernasconi und platsch sprang sie ins Schwimmerbecken, zog energisch ihre Bahnen. Herr Maibach hingegen liess sich vom Duft von frisch Geheuetem verführen und folgte den magischen gelben Pfeilen Richtung Hubel hinauf und dann wieder hinunter nach Saanenmöser. Im Tal ging es dann zurück nach Schönried, auf dem beschaulichen Promenadenweg. Derweil war auch Frau Bernasconi wieder aus dem Wasser, immer noch quietschfidel und eilte dem Göttergatten entgegen. Leider nur in die falsche Richtung. Während dieser sich auf einem Bänkli auf ein Wiedersehen freute, sichtete Frau Bernasconi den Flughafen von Saanen.

 

Immerhin trafen wir uns dann am Bahnhof von Schönried und spazierten noch ein paar gemeinsame Meter Richtung Abendessen. Die Ferien konnten beginnen.

 

Am nächsten Morgen, beim Frühstück, beschlossen wir den ersten Ferientag leicht anzugehen und nahmen dann den Weg nach Zweisimmen unter die Füsse. Keine Hexerei, dachten wir, Schuhe anwärmen, dann Zweisimmen angucken und heim zum chillen. Der Weg führte uns durch blühende Matten, hinunter in düstere Tobel, dann wieder hoch hinauf. Es war schon eine Achterbahn, aber wir waren zufrieden, mit uns und der Welt. In der Ferne erahnten wir bereits Zweisimmen.

 

Doch dann verführte und die Wanderkarte – wieder einmal - zu einem Schlenker: «Zweisimmen – Simmengrundweg,» flüsterte sie, «nur eine Viertelstunde länger. Flusswanderung, das könnt ihr doch nicht auslassen!». Da konnten wir wirklich nicht wiederstehen. Vor unserem geistigen Auge sahen wir uns auf einem idyllischen Waldweg, Hand in Hand dem murmelnden Fluss entlang schreiten.

 

Leider nein. Der Weg ein nicht endendes Auf- und Ab, steinig, steil und rutschig. Oder trocken, voller Wurzen und dazwischen grosse Schlammpfützen. Der Fluss murmelte zwar immer noch, doch Herr Maibach tourettierte markiges Berndeutsch, das die erschrockenen Vögel aufscheuchte. Und Frau Bernasconi blieb für einmal ganz ruhig, denn sie verstand glücklicherweise nicht alles was Herr Maibach vor sich hin brummelte.

Im Ernst, die Stunde am Flussweg war wirklich sehr anstrengend und sog Energie ab, die auch Isostar und Powerriegel nicht zu kompensieren vermochten. Immer ein Fuss vor den andern, um auch nicht über die vielen Wurzeln zu «stürchlen».

Zurück war ebenso wenig verlockend wie vorwärts. So schleppte sich Herr Maibach mühsam weiter. Eine letzte steile Passage noch, eine schwankende Brücke über den Fluss, dann ging es auf der anderen Seite weite. Welche Überraschung: schier eine Autobahn. Ein breiter Weg, bequem zu gehen, fast kam es uns vor, es liege ein roter Teppich vor uns. Trotzdem nur nicht nachlassen: Die letzten Meter auch wenn sie easy waren, mussten wir noch durchhalten. Immerhin nahmen wir den Rest recht locker, denn ein Eiscreme und viele Asiaten erwarteten uns am Bahnhof in Zweismmen.

Die MOB brachte uns erschöpft und verschwitzt zurück nach Schönried – und aus Gründen verzichten wir heute auf einen Abendspaziergang.