La La Lauenensee

Beide waren wir noch nie am Lauenensee gewesen, dem Schauplatz des Span-Klassikers, sozusagen die Berner Nationalhymne, die auch schon an einem Mattefest rauf und runter gesungen wurde.

 

Noch plagten uns Knochen und Muskeln von unserer gestrigen Eskapade, noch schrie jeder Rückenwirbel um Hilfe. Doch Frau Bernasconi war schon über das Verhandlungsstadium hinaus, klar würden wir an den Lauenensee pilgern!  Also allez-hopp Sprung durch den Feuerreifen und schon sassen wir, angezogen, ausgerüstet und verpflegt im Postauto, das uns zuhinterst ins Lauenental hochbugsierte. Irgendwie hatte ich geträumt, einmal rund um den See zu spazieren, etwas picknicken und dann entspannt wieder ins Tal zu rollen. Vergiss es. Was wollen wir an einem Ort verweilen, wenn es so viele schöne Überraschungen auf der Strecke gibt!

 

Frau Bernasconi verfiel erneut dem Bann gelber Schilder, auf denen geschrieben stand, dass irgendetwas nur eine kleine Stunde Marschzeit weit entfernt läge. «Das schaffen wir doch locker, gell» lautete die Parole, «Wegen dem einem Stündli!». Noch bevor meine Muskeln zu weinen beginnen konnten, schritt Rosmarie bereits wacker aus und nahm den Weg nach Lauenen unter die Wanderschuhe. Ich hintennach. Das Spiel ging dann in Lauenen weiter: «Schau, nur eine Stunde bis Engi». Dort nochmals eine gute Stunde nach Gstaad. Und dann liegt ja Schönried gleich um die Ecke! Das stimmt die Schönheit liegt wirklich um die Ecke, auch wenn es ab und zu einen kleinen nicht geplanten Aufstieg gab. Und jedes Mal haben wir es geschafft – keuchend zwar, aber geschafft! Frau Bernasconi musste zwar ab und zu ihre Füsse mit Wasser besprühen, weil die Fusssohlen brannten … aufgeben kam allerdings nicht in Frage.

 

Am Ende waren wir kaputt und fertig und zu frieden. Es war wirklich eine herrliche Wanderung gewesen. Zuerst über weite Alpen, mitten im schönsten Bergpanorama, dann behutsam hinunter nach Lauenen.  Mitten in den Matten stand ein Skilift, der auf eine lange Geschichte zurückschauen konnte, 1967 wurde er eingeweiht. Und zudem verfügte das Billethäuschen über eine tipptoppe, saubere - und erst noch offene - Toilette, die uns sehr gelegen kam.

 

 

 

Dem Lauibach entlang zogen wir auf dem Talboden Richtung Gstaad. Diesen gepflegten Wanderweg hätten wir uns gestern gewünscht! Ab und zu eine verkraftbare Steigung, dann wieder hinunter zum Bach, schön Schatten des Waldes. Wir schritten aus wie in der guten alten Zeit!

 

Trotz allen schönen Eindrücke, Kilometer sind Kilometer und wir wurden beide still und stiller. Endlich sahen wir das schneeweisse Palace-Hotel. Noch nie war ich so froh gewesen, den Nobelbau zu sehen – der Bahnhof konnte nicht mehr weit sein. Das Postauto brachte und bis fast vor das Hotel und wir schwankten Richtung Zimmer.

 

Morgen gibt es einen Ruhetag, sagt Frau Bernasconi. Mal sehen…