Bern - Bologna – Bolsena 12. - 14.9.2016

Nach einem fulminanten Finale sassen wir endlich in Rosmaries feuerroten Wägeli und sausten Richtung Gotthard. Für einmal hatten wir schlank gepackt und nur die wesentlichen Sachen in gefühlte zwanzig Taschen gestopft. Kaum ins Auto geschoben entwickelten diese ein Eigenleben und lachten über die selbst auferlegte Packdiät. Noch bevor wir in Lugano ankamen, herrscht ein unübersehbares Gewirr von Schuhen, Kleidern, Reiseproviant und was noch immer den Weg ins Auto gefunden hatte. Schon bald würden unendlich Plastiksäcke folgen. Einfach unterwegs.

 

Erste Übernachtung in Lugano, ein kleiner Schritt über die Alpen, für unsere Ferien ein Riesengump. Buchpremiere, Büro und Pendenzen lagen weit zurück.

Lugano Paradiso
Lugano Paradiso

Ein entspanntes Terrassenzmorge gab genug Schwung, um am zweiten Reisetag bis Bologna zu fahren. Mailand zog glatt vorbei, dann gings weiter auf derStrada del Sole. Kindheitserinnerungen, die zu meiner Generation gehören, tauchten auf: die AGIP-Gratismüsterli, die heissen Kunststoff Autositze und Klein-Peterli in kurzen Hosen. Oder vier Personen mit allem Gepäck im viel zu engen VW, ein Reiserlebnis wie in einer Sojus-Kapsel.


Kurz nach zwei checkten wir im Airport-Hotel ein, dort gab es noch erschwingliche Zimmer und die anonyme Business-Atmosphäre passte gut zu unserer Übergangsstimmung zwischen Alltag und Italianita. Dachten wir. Denn nach fünf Minuten wurde es Frau Bernasconi langweilig und wir folgten dem Rat der Rezeptionistin und stiegen in den Bus 13 ins Centro Storico.

 

Da war es wieder, das Leben im Lande Don Camillos. Bis wir in der Ugo Bassi ausstiegen, war so ziemlich der ganze Bus in eine aufgeregte Diskussion verwickelt, wo denn die beiden hilflosen Turisti aussteigen und hingehen sollten. Irgendwie wollte ich beitragen, dass es mir eigentlich egal sei wo, sondern wann denn eigentlich das Centro käme. Danach trennte sich die Schar der Mitreisenden in zwei Lager: Eine Hälfte war beleidigt, was wahrscheinlich daran lag, dass mein Quasi-Null Italienisch, durchmischt mit Asterix-Ausdrücken und etwas Gianna Nanni Songtexten, nicht auf das erwartete Verständnis stiess. Die andere Hälfte des Busses erläuterte uns das Vor- und Nachteile von Busstopps, von denen wir nur ahnen konnten. Frau Bernasconi riss die Zügel in die Hand, sagte etwas auf Helvetisch, lächelte lieb und zog mich subito zur einzigen Türe, die mit «Kein Ausgang» beschriftet war.

 

Dann Bologna. Das prächtige historische Stadtzentrum zog uns sofort in den Bann. Wir streiften Kreuz-und-quer durch das bunte Treiben, schaut in prächtige Schaufenster, streiften durch Hinterhöfe. Wir bewunderten das Licht während dem langsamen Sonnenuntergang, die Schatten. Bologna ist bestimmt auf der Liste für eine zukünftige Städtereise. Nach einigem Suchen fanden wir sogar den Bus 13 wieder und liessen uns zum Hotel zurück chauffieren, schauten den Leuten auf dem Heimweg zu.

Bologna

Eigentlich wären wir geschafft gewesen, doch Frau Bernasconi fand noch genug Power zum Shoppen. Unglücklicherweise stand ein Einkaufszentrum am Weg, ein riesiges, und das erklärte Rosmarie sofort zu ihrem Revier. Parmesanlaibe wie Lastwagenräder wurden neben riesigen Parmaschinken angeboten. Die angeschnittenen Schinken lagen einem Regal, wie Bücher bei Einfach Lesen. Doch irgendwann war wirklich genug und es gab sogar so etwas wie Ruhe, denn für einmal war sogar Frau Bernasconi ziemlich still.


Nächster Tag.  Ein reichhaltiges Frühstück und schon waren wir wieder auf der Strada del Sole, wählten die Route «Panoramico», zogen an Florenz vorbei und liessen bei Orvieto (endlich) die Autobahn hinter uns, fuhren dann auf Landstrassen Richtung Vitterbo und dann Bolsena. In der Agriturismo Le Vigne (danke Beatrice für den ausgezeichneten Tipp!) hoch über Bolsena wurden wir sehr freundlich empfangen und geniessen jetzt, nach einer Siesta, unser schönes Zimmer und den prächtigen Blick über den See.

Bolsena