Civita und Marta - 19.9.2016

Nach schweren, nächtlichen Gewittern zog ein frischer Tag auf. Gut ausgeruht schmiedeten wir die Pläne für den Tag.  Der anvisierte Spoerry-Garten bleibt montags geschlossen und Siena schien uns dann doch etwas zu weit weg für einen Tagesausflug. So folgten wir dem Tipp von Stephania, der sympathischen Gastgeberin hier im Le Vigne, und nahmen die nur 13 Kilometer nach Civita bei Bagnoregio unter die Räder.

 

Die Gassen durch den Ort bis zum Parkplatz bei Civita wurden sogar Frau Bernasconi und somit auch unserem Wägeli zu eng. Breitspurige Wandergruppen machten ein Durchkommen schier unmöglich. Also parkierten wir halt in Bagnoregio. Dort war allerdings Markttag und ein Parkplatz Mangelware.

Egal, bald einmal standen wir neugierig am Aussichtspunkt, blicken über den weiten Krater. In dessen Mitte erhob sich ein Hügel und obendrauf die mittelalterliche Stadt Civita.
Wir kletterten Treppen und steilen Wegen entlang die Kraterwand hinunter, marschierten über die Fussgängerbücke und keuchten dann den Hügel hinauf, bis auf gleiche Höhe wie der Aussichtspunkt. Peter war froh um seine Wanderschuhe, denn auch innerhalb der mittelalterlichen Stadt war der Bodenbelag schon fast wie auf einem Bergweg. Kaum durch das Burgtor getreten öffnete sich die Stadt auf einen weiten Platz. Ein paar schlichte Häuser, die Kirche faszinierten uns sofort. Auch das Innere der Kirche war schlicht und ansprechend gestaltet. Die Stille faszinierte mich und ich genoss sie auch. Einen Augenblick einfach inne halten und die vielen Eindrücke setzen lassen, tat wirklich gut. Wir übersahen die Trattorias, die sich eine an die andere reihte. Nur noch wenige Familien leben im Ort, das übrige Civita scheint sich auf die nächste touristische Stufe vorzubereiten. Doch das tat dem rauen Charme des Städtchens und der fantastischen Aussicht keinen Abbruch. Es ist Nachsaison und so hatten wir das Dorf schon fast für uns alleine. 

Nach einem entspannten Café nahmen wir uns den Abstieg vor. Dabei sahen wir, wie die Transporte organisiert waren. Ein geländegängiges Lastwägeli brauste über die Fussgängerbrücke, dann den Hügel hoch, holperte über die flachen Treppen und wand sich haarknapp zwischen den engen Hauszeilen durch.

 

Kaum unten angelangt kraxelten wir gleich wieder den Kraterrand hoch. Wir schlurften müde den Kilometer zurück durch Bagnoregio. Der Markt war weiter gezogen und unser Auto stand einsam und verlassen auf dem Parkplatz. Noch nie empfanden wir die Autositze so bequem wie heute!

Doch kaum hörte Frau Bernasconi wieder das Motörli summen, packte sie das Reisefieber. Das Navi suchte uns einen Weg nach Marta, einer kleinen Ortschaft am anderen Ende des Bolsenasees. Ein Bummel zu den Fischerbooten und durch Altstadtgässchen sowie ein Gelati rundeten unseren Tag ab. Nachdem wir über die Seepromenade schlenderten, entdeckten wir wieder wie schon oft ein kleines Gässchen. Wir nutzten die Gelegenheit und liessen uns treiben und so überraschte es uns nicht, dass wir durch ein Quartier marschierten das voller Leben war.


Jetzt sitzen wir im Le Vigne oben – mit müden Beinen wie nach einer Bergtour - und bewundern das einmalige Farbenspiel des Sonnenuntergangs über dem See – Hollywood pur.