Sacro Bosco – Der heilige Wald - 15.9.2016

Ausschlafen und dann ein wirklich feines Frühstück mit einem beeindruckenden Kuchenangebot und schier endlos Leckereien, die es eigentlich überflüssig machen würden, überhaupt auszurücken. Könnte Mann doch den ganzen Tag am Büffet verweilen.

Aber nicht mit Frau Bernasconi, die hatte sich express-erholt, so dass sie vor Tatendrang schier hüpfte. Also rein in Wanderschuhe und Auto und ab nach Bomarzo, das etwas über dreissig Kilometer von der Le Vigne liegt. Wir kurvten durch enge Strässchen, durch Ortschaften hoch oben auf einem Hügel und «äne-wider-abe». Frau Bernasconi genoss die kurvige Tour und ihre Glarner Fahrlektionen schlugen voll durch. Ich bin wohl der einzige Beifahrer auf der Welt, der auf einer Bergstrecke seekrank werden kann. Stimmt gar nicht, das waren die Schlaglöcher, denen ich immer wieder ausweichen musste. Ich war dankbar, wenn es jeweils genügend Teer auf den Strassen hatte und die Schlaglöcher aufgefüllt waren - was allerdings auf dieser Strecke eher selten vorkam.
Wir rollten auf den Parkplatz vor dem Parkeingang und absolvierten das übliche Ritual, Ticketeria, saubere Toiletten und los gings in den «Park der Ungeheuer. schon die erste grosse Skulptur zog uns hinein in die verwunschene Welt, die Prinz Vicino Orsini 1552 zusammen mit dem Architekten Pirro Ligorio erschuf. Das Wetter spielte verrückt. Mal grelles Licht welches den dichten Wald nur hier und dort zu durchdringen vermochte, mal Gewitterwolken, welche ein diffuses Dämmerlicht auf den Weg durch den Park zauberte. Fast vier Stunden wanderten wir an 35 Stationen vorbei, eine beeindruckender als die andere. Die symbolträchtigen Figuren waren aus den herumliegenden mächtigen Felsbrocken gehauen, als hätten die Monster seit Ewigkeiten in den Felsen geschlafen.
Eine mächtige Schildkröte als Symbol für Wasser, Langlebigkeit, weibliche Kraft schaut in den Schlund eines Walfisches, umspielt von einem Wasserfall. Zwei Giganten ringen miteinander, der Elefant, der schräge Turm, Ceres, Neptun, ein Tempel. Es wird uns zu viel.

Still sitzen wir auf einer Steinbank und gehen nochmals alle Figuren durch. Mir gefällt die Schildkröte besonders, Rosmarie die ringenden Giganten. Und der Riese und die Bären und das Theater. Schon sind wir wieder mittendrin und spazieren den ganzen Weg nochmals zurück, die steinernen Monster und ihre schrägen Attribute im verwunschenen Wald wollen uns nicht mehr loslassen. Immer wieder ziehen die Bilder dieser unglaublichen Skulpturen an uns vorbei. Die Energie in diesem Park ist gewaltig. Mystisch ist es auf jedenfall. In diesen Figuren sehen wir die ganze griechische Mytholohgie, aber auch die Tarotkarten, die Sternzeichen - der Kreis schliesst sich irgendwie. Jedenfall war es tolles Erlebnis und ich würde diesen Park jederzeit wieder besuchen. Und um ehrlich zu sein, bin ich nun sehr müde, denn die vielen Eindrücke und die unglaublichen Bilder haben auch mich still werden lassen.

 

Nach einem Lemon-Soda im Souvenirshop führt und das Navi auf seltsamen Routen irgendwo durch das Schilf. Ich werde heute Abend ein paar Schrauben nachziehen müssen. Aber eigentlich sind wir beide ganz froh, den Gedanken nachhängen zu können und nicht schon wieder irgendwo ankommen zu müssen.

Szenenwechsel: Frau Bernasconi kauft den Coop beim Dorfeingang leer. Wir schaffen es vor den ersten Regentropfen auf die geschützte Terrasse bei unserem Zimmer. Dann tafeln wir genüsslich die 1001 feinen Sächelchen, und schauen den Wolken zu.

Link: http://www.bomarzo.net/