Canyons

Wiliams - 19. September 2015

Scottsdale – nachdem wir die Koffer frisch gepackt haben, alles gewaschen und dank der schnellen Internetleitung alles erledigen konnten sind wir nach einem weiteren Gummifrühstück weiter Richtung Wiliams gefahren.
Am Sonntag wollen wir mit der Eisenbahn – der Grand Canyon Railway - von Wiliams zum Crand Canyon rattern. Nun sind wir  neugierig auf die Annäherung an den Canyon auf die altmodische Art. Dank der Hilfe von Silvana von TUI hat es nach etlichen Telefonaten in unterschiedlichen Tonlagen mit den Tickets geklappt, alles ist bestätigt und ruckbestätigt und gescheckt und ok und have a nice day. Bürokratisch ist Amerika schon –  trotz aller Informatik, aber das wussten wir natürlich bereits vorher. Offenbar machen Ehepaare mit Doppelnamen dem Buchungssystem Mühe: mal sind wir Rosmarie Maibach, mal Peter Bernasconi und lustig wird es dann, wenn diese Namenskombinationen nicht mit dem Pass oder der Kreditkarte übereinstimmen. Der langen Rede kurzer Wahnsinn:  wir haben die Tickets in der Tasche und werden uns morgen einen gemütlichen Tag machen mit vielen andern Touristen auch. Wir sind sehr gespannt.

Nun aber der Reihe nach. Nach dem Frühstück tuckerten wir Richtung Tonto National Forest. Uns beeindruckten die mächtigen Kakteen, die wir teilweise gestern schon auf dem Weg nach Scottsdale gesehen haben. Kakteen soweit das Auge reicht in verschiedenen Formen und Grössen. Immer wieder musste ich einen Moment am Strassenrand anhalten, um fotografieren zu können. Es ist wirklich kuul wie das organisiert ist, immer wieder sind kleine Ausweichstellen vorhanden, damit Frau Bernasconi fotografieren kann. Auf der Route 87 waren wir fast alleine, unendliche Kilometer einfach nur Wüste bis es dann zügig auf 6000 Fuss bergauf ging. Der Wüste folgten Bäume, unglaublich viele Pinien. Es wurde kühler und für einmal konnten wir sogar die Klimaanlage im Auto ausschalten. Es war ein Trip und es war auch eigenartig so alleine auf weiter Flur zu sein. Unser Dampfschiff bringt uns sicher von Ort zu Ort und heute wie bei früheren Reisen ist es sehr angenehm in Amerika zu driven – ausser in den Städten. 

Und Alain: wir haben immer wieder Schilder mit Hirsch-Warnung gesehen, aber Hasen die sind uns nicht begegnet ;-)  
Nach rund 100 Meilen erreichten wir Flagstaff und von dort nahmen wir dann gerne wieder die Autobahn 40 bis Williams. Die Vielfalt der Natur, die Wüste, die Bäume, die Wolken am Himmel, die Weite – es ist einfach unglaublich und wir sind fasziniert von diesem Land. Was mich immer wieder überrascht wie gut die Strassen gebaut wurden. Mitten durch die Wüste aber auch durch einsame Gegenden wo sich nicht einmal Hasen und Hirschen einander gute Nacht sagen. Nach weiteren knappen 100 Meilen sahen wir endlich Williams und überall schon am Eingang des Dorfes ist der Crand Canyon angeschrieben, dabei ist er noch rund 60 Meilen von hier entfernt. Irgendwie ist in Williams die Zeit stehen geblieben. Vieles erinnert an die berühmte Route 66 – die Fans zelebrieren diese Zeit und jedes Haus, jeder Laden, jedes Hotel, jedes noch so kleine Lokal ist mit Route 66 angeschrieben. Auch die Harley-Fahrer, vor allem die älteren Semester, ziehen ihre Route 66 – Show durch. Es ist eine spezielle Energie in diesem Dorf und das Dorf lebt vom Crand Canyon, vom Tourismus und eben von der Route 66.

Mit dem Einnachten kommt das schöne Abendlicht über dieses Route 66 Disneyland. Das grellrote Neonlicht der Werbeschilder kämpft gegen den Sonnenuntergang an – der aber nach Punkten siegt.

Und für einmal ist es auch kühl geworden und nach dem Sonnenuntergang war eine Jacke angebracht, die in den letzten Tagen achtlos im Auto liegen geblieben ist.

 

Crand Canyon - 20. September 2015

Whoo-Whoo – mit Showtime zum Grand Canyon: Frau Bernasconi fragte heute: was machen eigentlich die Gäste im Railway Hotel den ganzen Tag? Well, das ist ganz einfach, bis sie vom Frühstück durch endlos langen Gänge zu ihrem Zimmer zurück marschiert sind, müssen sie schon wieder umkehren, damit es noch rechtzeitig zum Mittagessen reicht.

Wir hingegen verliessen die Schlaffabrik und standen nach einem „richtigen“ Frühstück auf dem Perron, wo gleich der Zug zum Grand Canyon einfahren sollte. Die im Ticket inbegriffene Westernshow liessen wir aus, trotz allem kindlichen Gemüt haben wir das Cowboyerlen bereits hinter uns.Wie kleine „Goofe“ freuten wir uns auf den heutigen Tag  und so warteten wir gespannt bis sich der Zug endlich in Bewegung setzte.

Gute zwei Stunden hötterlete der Zug – der uns vom Wagenmaterial an die Reise im Great Canadian erinnere – von Williams an den Rand des Grand Canyons.

Gute zwei Stunden dauerte die Fahrt über Weiden und durch Pinienwälder. Ab und zu sahen wir Cows, die sich einen Deut um den Zug kümmerten, so dass dieser anhalten musste bis die Cows die Schienen überquerten.  Die zwei Dieselloks zogen das gute Dutzend Pullman-Wagen von 6000 Fuss auf 7100 Fuss über Meer hoch. Damit es uns nicht zu langweilig wurde, sorgten Musikanten und Schauspiele sowie zwei fröhliche Stewarts (Frau Bernasconis instant Favoriten) für ein Unterhaltungsprogramm, das nicht allzu peinlich war.

Dann lag er vor uns – der Grand Canyon. Das Wetter  war prächtig, eine ausgezeichnete Fernsicht erlaubte einen Blick über den riesigen Canyon. Wir waren beide überrumpelt und sprachlos von der Energie und Kraft, welche von diesem Tal ausgehen. Und wenn Frau Bernasconi einmal sprachlos ist, will das etwas heissen.

Wir erinnerten uns an die vielen speziellen Orte, die wir bereits besuchen durften, wir sind dankbar, dass wir heute vor diesem Naturwunder standen.  Ja wir waren tatsächlich sprachlos – immer wieder redeten wir davon irgendwann in unserem Leben zum Crand Canyon zu reisen – und plötzlich stehst du da wie viele andere Touristen auch. 5 Mio. Menschen besuchen diesen Park jährlich. Unglaublich – und dank oder trotz der vielen Leute ist rund um den Canyon alles super organisiert.  Viele haben uns vom Crand Canyon erzählt und jeder hat seine eigenen Erlebnisse und Eindrücke.  Es herrscht eine ruhige Stimmung trotz der vielen Leute. Ich glaube es gibt einige, die wie wir einfach nur da stehen und das Wunderwerk der Natur bewundern. Und jeder aber auch jeder will ein Foto mit dem Canyon im Hintergrund – auch wir haben wie immer unser Selfie gemacht. Dies gehört ganz einfach dazu.

Frau Bernasconis Kamera lief heiss und wir brauchten dringend etwas Ruhe. Die Zugfahrt zurück verlief entsprechend still. Wir und viele der anderen Zugpassagiere waren einfach platt. Der bunte Nachmittag im Zug, angereichert mit Patriotismus, ging an uns weit aussen vorbei.
Zurück in Williams stiegen wir in unser Auto, um gleich wieder auf der 64, parallel zu Bahnlinie, zum Canyon zurück zu fahren, denn dort lag unser nächstes Hotel. Morgen soll es ein ruhiges Programm rund um den Canyon geben, behauptet wenigstens Frau Bernasconi. Wir werden ausschlafen und den Super-Sonnenaufgang auf den Brice Canyon vertagen.
Dann – kurz vor dem erwarteten Absacken – schlug der Merkur, die rückläufige Nervensäge zu. Wir hatten uns einmal zu wenig gegengecheckt und rumms hatten wir zwei unterschiedliche Hoteladressen im Kopf und leider auch im Navi. Danke, Silvana, dass du noch ein „late arrival“ nachgeschoben hast! So kamen wir doch noch nach einem Umweg zu einem Dach über dem Kopf. Aber erst, nachdem wir durch unendlich lange Korridore gewandelt waren und endlich unser super Zimmer in der unergründlichen Tiefen des Westens gefunden haben.
Und zum Nachtessen reichte es dann eben nur noch für Nuggets und einem Fishmac … beim Mac ;-)

Fast ein Ruhetag - Grand Cayon - 21. September 2015

Um es gleich vorweg zu nehmen: es ist frisch geworden hier oben auf über 2000 müM. Die Herbstjacken, die wir für die Rückreise zuunterst im Koffer verstaut haben, wurden heute Morgen wieder hervor gezerrt und leisten ausgezeichnete Dienste. Das Frühstück war solala, aber immerhin nett angerichtet und für einmal mussten wir uns nicht mit Plastikgeschirr begnügen – welch ein Fortschritt. Mir scheint, dass es hier viel weniger Wegwerfmaterial hat als an andern Orten und das ist auch ganz angenehm.
Dann rollten wir ein zweites Mal in den Kaibab National Park und zum Grand Canyon. Eigentlich wollten wir einen ausgedehnten Spaziergang zum South Kaibib Trail Head unternehmen, an der Kante des Canyons entlang, etwa vier Kilometer. Doch bereits beim Pipe Creek Vista, der Hälfte, waren wir so etwas von am keuchen, dass wir den schlauen Parkbetreibbern sehr dankbar waren, als punktgenau ein Shuttlebus auftauchte.
Es ist wirklich noch speziell mit den 2000 Metern haben wir nicht gerechnet dabei sind wir ja auf dem Berg … Irgendwie ist unsere Wahrnehmung verkehrt oder der Grand Canyon ist einfach etwas anders geworden als wir dachten ;-) Es ist durchaus ein Durchatmen notwendig. Nein, auch Frau Bernasconi kann nicht „strütten“ und schnell noch irgendwohin rennen – die Luft ist wirklich dünn und so heisst es ab und zu ganz einfach durchatmen.
Wir verordneten uns eine längere Mittagspause, legten im Hotel eine Siesta ein und zogen dann gegen fünf nochmals los in den Park. Eigentlich hatten wir uns ausgemalt, einen prächtigen Sonnenuntergang zu bewundern. Doch der Himmel bedeckte zusehends und mit wenig Hoffnung auf Fotobeute spazierten wir am Rim entlang, rund um den Mather Point, die Hände in den Hosentaschen.
Welche Überraschung, als ein schmaler Streifen knapp über dem Horizont aufriss und der untergehenden Sonne ein Lichtspiel auf die Canyonwände zauberte. Mit staunenden Augen und offenem Mund betrachteten wir das Schauspiel von Sonnenuntergang, der Spiegelung in den Felsen. So etwas haben wir noch nie gesehen und das Wechselspiel von Licht und Schatten beeindruckte uns sehr.
Und Alain als wir nach dem Sonnenuntergang mit unserem Auto davonfuhren huschte hinter unserem Auto ein Riesenhirsch in den Wald … läck war der gross – und so schnell, dass wir gar keine Zeit hatten ein Foto zu machen – aber es war tatsächlich ein Hirsch ;-)
Der Grand Canyon verabschiedet sich mit einem Feuerwerk an Farben, einem Abendhimmel und einer Stimmung, die uns den Abschied schwer fallen liess. Wir dachten an alle, die es uns ermöglichten, vor und hinter den Kulissen, diese Reise und diesen Moment erleben zu dürfen. Grosse Dankbarkeit und Lebensfreude begleitet uns weit über die Parkgrenzen hinaus. Es waren emotionale, berührende und staunende Momente, die wir hier beim Grand Canyon erleben durften. Auch wenn das Wetter heute wirklich nicht so super war, ist es auch heute ein grossartiges Erlebnis gewesen, die Kraft und die Energie dieses Wunderwerkes zu spüren.
Und zum Schluss noch: zum Abendessen gingen wir in die bunte „Sophie's Mexican Kitchen“, einem Restaurant mit einer durchaus auch vegetarischen Speisekarte. So kam Frau Bernasconi zu ihrem Grünzeugs und Mr Maibach zu einem Bitz Steak.
Und bei dieser Gelegenheit wiedermal ganz herzliche Grüsse in die Schweiz. Es ist schön zu wissen, dass ihr mit uns reist, dass ihr uns begleitet. Mit Gedanken aber auch mit Nachrichten. Und Peter Schibli, dir eine gute Heimreise – es war auch schön zu wissen, dass du im Lande bist und warst. Und Roli, dir und deiner Familie wünschen wir  angenehme Ferien hier ganz in der Nähe … wenn man bei diesen Distanzen ganz in der Nähe sagen kann ;-)
Nun morgen geht’s weiter nach Springdale in der Nähe von Zion Park bevor wir dann noch zum Bryce Canyon weiterreisen und gegen Ende der Woche freuen wir uns dann auch wieder auf das Leben in der Stadt. Wir werden in Las Vegas sein – noch ist es nicht soweit und so sind wir gespannt was uns auf die nächsten Tage in der „Wildnis“ alles bringen wird. Das  Internet ist nach wie vor langsam und unsere Mobiltelefone funktionieren nur mit Lan – also werden wir zeitweise offline sein.

Springdale Zionpark - 22. September 2015

Der heutige Reisetag endete beinahe mit zwei Dramen. Das erste entlocke uns zwar einen etwas beschleunigten Puls – wir waren im Hotel als Bernasconi (Vorname) und Rosmarie (Last Name) eingetragen. So kann ich nun ungeniert meine Frau „Bernasconi“ rufen. Und zum zweiten hat sich das Badekleid von Frau Rosmarie in den Abgründen des Koffers verschlauft, so dass es der erschöpften Bernasconi fast nicht mehr in den Pool und zur Entspannung gereicht hätte. Und als Frau Bernasconi gemütlich im Pool am Schwimmen  war ging so langsam die Sonne unter. Ein herrliches Schauspiel erwartete mich. Nochmals ins Zimmer zurück, um die Kamera zu holen, denn diese Bilder wollte ich festhalten, so etwas ist einfach einmalig.

Apropos Abgründe: ich sage nur Zion, und das ganz am Schluss der Tagesetappe. Nach einem entspannenden und doch spannenden Drive durch den Kaibab National Park und einem letzten Abschied vom Canyon fuhren wir die 64 weiter bis zum Trading Post in Cameron, kurz nachdem wir auf die 89 einschwenkten. Ein herzhaftes Frühstück stärkte uns für den anschliessenden Bummel durch den Store. Immerhin blieb es bei Gänggelizüüg und wir liessen die Totempfähle, Pferdesättel und Cowboyhüte und die Traumfänger hinter uns.

Es war ein traumhafter Tag. Nachdem wir in Grand Canyon noch mit Jacken herumgelaufen sind, wurde es im Laufe des Tages wieder wärmer. So wie wir es bis jetzt gewohnt waren. Immerhin waren es rund 900 Höhenmeter, die wir überwunden haben.
Dann aber weiter auf der 89, Springdale war das Tagesziel, im Staat Utah, gute 200 Meilen.

Eine abwechslungsreiche Strecke durch Badlands, Viehweiden, über den Antelope Pass und am Lake Powell vorbei nach Kanab und dann eben durch den Zion-Park. Zuerst murmelte Herr Maibach etwas von Wucher, bei einem Weggeld von 30 Dollars. Doch zusehends wurden wir ruhiger, als wir durch die eingangs erwähnten Abgründe kurvten. 12 Meilen dramatische Feldwände, Berglandschaften, Canyons und ein ewig langer, unbeleuchteter Tunnel. Es waren viele „Wows“ dabei, denn irgendwie hatten wir nicht mit der Schönheit des Zions Parks gerechnet. Voller Bilder meldeten wir uns an der Rezeption vom Holiday Inn in Springdale an und waren wohl beide recht plemplem als die Empfangslady uns resolut mit weltlichen Fragen bombardierte. Uns fiel auf, dass die Amerikaner oft ganz lange wenig machen und dann verfallen sie in eine „Äctschenpanik“ und machen alles auf einmal.

Nein, sie hätte keine Reservation. Ok – auf Feld sieben zurück. Zum Glück hatten wir den Kompi dabei mit der Bestätigung – und ich sage einfach - auch heute war der rückläufige Merkur präsent. Tja irgendwo hätten wir sicher schlafen können – ich muss sagen wir haben wirklich bis auf eine Ausnahme wirklich gute Hotels vorgefunden. Und so sind wir happy, dass eine andere Lady, wesentlich ruhiger und besonnener, uns doch noch auf der Reservationsliste gefunden hat.
Es war ein ereignisreicher Tag. Gestern Abend habe ich alle meine Schutzengeli angefleht,  dass sie uns auf der ziemlich langen Strecke begleiten würden. Ein bisschen „Schiss“ hatte ich schon – oder sagen wir mal Respekt. Es war eine lange Reise vom Grand Canyon bis hierher. Eigentlich wollten wir in Page halt machen aber irgendetwas hielt uns ab, so dass wir weiter gezogen sind. Danke Anita und Markus für euren Tipp – gerne wären wir bis Escalante gefahren doch dies war mir schlussendlich für eine Tagesetappe doch zu weit. Als wir auf einem Schild Salt Lake City mit 300 Meilen angeschrieben sahen – wussten wir, dass wir in die richtige Richtung sind ;-)
Und morgen fahren wir zum Bryce Canyon und sind gespannt was uns erwartet. 
Ich bin froh, sind mir meine Schutzengeli treu geblieben ;-) herzlichen Dank dafür ... und ich bin immer wieder dankbar wenn wir am Abend im Hotel ankommen und uns über einen wunderschönen Tag auf unserer Reise freuen können. Auch wenn es für euch manchmal etwas stressig aussieht - wir haben auch sehr viel Spass zusammen ...

Bryce Canyon 23. September 2015

Von Canyon zu Canyon: Ein schnelles Frühstück, natürlich auf Plastik, startete unseren Tag. Aber wir hatten keine Zeit, uns lange darüber aufzuhalten. Das Auto war gepackt, die Strasse rief. Wir wollten einerseits mit dem gemütlichen Shuttlebus den oberen Teil Zion-Canyon – bis zum Temple of Sinawawa“ erkunden und dann weiter auf dem Hwy 9 quer durch den Park fahren und dann abbiegen auf die 89 nach Bryce Village. Doch der Ruf der Strasse war bereits beim Park Eingang verhallt, als uns die wackere Rangerin ein Bild von riesigen Felsbrocken unter die Nase hielt. „Road Closed“. Ein Steinschlag hatte die Strasse verschüttet. Immerhin war die Shuttletour ab dem Visitors Center noch möglich und wir lobten unser Reiseglück, dass wir es gestern Abend, zwar hundemüde, noch durch den Park geschafft hatten.

Und jetzt weiss ich auch, dass unsere Schutzengel alles gegeben haben, dass wir den Park noch besuchen durften. Eigentlich war ja der Zion erst für morgen geplant, doch wenn Bernasconi Maibachs reisen gibt es immer wieder Überraschungen und das ist auch gut so. Und Krista ich fahre gar nicht so schnell, denn die Schutzengel haben alle Hände voll zu tun und irgendwie bin ich auch sehr dankbar dafür, dass sie da sind. Und Roger keine Bange ich werde auf jedenfalls gut geschützt wieder in Bern sein, so dass wir dein Buch fertig machen können ;-) Übrigens Roger heute haben wir fest an dich gedacht, als wir im Bryce Canyon  hinunter gelaufen und bei gut 2200 Meter wieder hoch gekeucht sind. (Ein Jungfrau-Marathon war es natürlich nicht.) Es hat sich gelohnt. 
Umso gelassener genossen wir die Stunden im Canyon, legten Fotostopps ein, bummelten ein wenig und schauten den anderen, weniger alpinen Touristen beim „hiken“ zu: Der Riverside-Trail zum Beispiel bestand aus grossen Zementplatten. Um das Gebirgsfeeling zu verstärken, war der Weg mit feinem Sand bestreut. Und die frohe Wanderschar kam superausgerüstet, mit Wanderstiefeln, Rucksäcken, enormen Wasservorräten und schweren Holzstöcken daher. Wegmässig kam mir der Schwierigkeitsgrad zwar eher vor, wie durch den Dählhölzliwald. Aber genug gelästert, die Aussicht auf die Felsgiganten mitten in einer lieblichen Fluss-Landschaft, dann wieder enge Canyons und bizarre Strukturen war wirklich umwerfend.

Doch leider mussten wir unsere Fotosafari auch einmal abbrechen und die Weiterreise antreten. Die blockierte Strasse bescherte uns einen 100-Meilen Umweg auf der 389 über Hurricane und Colorado City, dann auf der anderen Seite wieder weiter zum anderen Eingang des Zion und weiter auf der ursprünglich geplanten 89 nach Bryce Village. Dort war das Hotelzimmer, naja, sehr motelmässig. So verflog der Stalldrang rasch und wir rauschten nach dem Zimmerbezug gleich weiter zum Sonnenuntergang an den Rand des Amphitheaters im Bryce- Canyon. Es blieb noch gut Zeit, um den Navajo-Trail hinab zu wandern. Aber eben, so easy wie der Abstieg war, so happig war der Aufstieg und stotzig.

Frau Bernasconi konnte den Finger nicht mehr vom Auslöser nehmen, als die untergehende Sonne den Sunsetpoint in ein Meer an Licht und Farben verzauberte.

 

Zurück in unserer Riesen-Motel-Maschine „Best Western plus Ruby‘ Inn“ wollten wir etwas Kleines essen gehen. Doch, oh no, auch mindestens 100 andere Personen hatten dieselbe Idee! Nein, wir waren zu k.o., um lange anzustehen. Im General Store nebenan shoppten wir uns dies und jenes zusammen und Frau Bernasconi zauberte Croque-Monsieurs aus der Mikrowelle, so gut es eben ging. Morgen will Frau Bernasconi übrigens früh aufstehen, um den Sonnenaufgang im Canyon zu erleben, aber das wird eine andere Geschichte. Ich habe mir das fest vorgenommen und zum Glück ist der Sonnenaufgang erst um 7.18  – also immerhin zu einer christliche Zeit.

Sylvia hat mir geschrieben, dass sie unsere Berichte dann mal ganz in Ruhe durchlesen werde. Wir werden das auch tun – es ist schon viel und doch finden wir immer wieder einen Moment Erholung. Sei es beim „Driven“ bei kleinen Spaziergängen und bei Sonnenuntergangstimmungen – es sind viele Eindrücke und wenn ich daran denke, als wir diese Reise geplant haben – wir würden nicht viel anders machen. Und um ehrlich zu sein – wir freuen uns auch aus den Bergen zu kommen, diese Vielfalt, diese Emotionen – einfach crazy … Wir haben grad beschlossen, dass wir nach San Francisco zwei Ferientage einschalten werden ;-) wo wissen wir noch nicht genau.

Und übrigens Alain dir wünschen wir alles Liebe zum Geburtstag – du warst ja auch schon mal an einem Geburtstag in der Gegend … Alles Gute und ich hoffe, dass du und Jenny auch bald mal wieder mit dem Camper durch die USA reisen könnt ;-)

Bryce Canyon zum zweiten - 24. September 2015

Ein Ruhetag! Wo - wo? Wer Frau Bernasconi kennt, wird meinen Worten nicht glauben, ich weiss. Doch der Rousyblitz stand um 06:27 angezogen und mit fixfertig gepacktem Koffer vor dem Dampfschiff, schon brausten wir auf den letzten Meilen zum Parkeingang und zum Sunrise Point. Es war schwarze Nacht, nur vereinzelte Sterne leuchteten vom Himmel, der Mond war bereits verschwunden. Weit entfernt nur zog ein purpurblaues Band den Horizont nach. 

Wir vermuteten, dass wir unser Auto auf einen Parkplatz gestellt hatten und zogen mit ein paar anderen vermummten Gestalten zum Canyon-Rand – der „Rim“. Es waren hundekalte 11 Grad (Celsius) und aus den Tiefen des Canyons zog ein strenger Wind hoch und blies durch all unsere Herbstsachen, die wir für die Heimreise mitgebracht hatten.

Nicht allzu viele Neugierige hatten sich auf dem Aussichtspunkt zusammengefunden, es herrschte die ruhige Stimmung einer verschworenen Gemeinschaft. Man fror, man wartete auf die Sonne und auf spektakuläre Bilder. Es war spannend, die unterschiedlichen Fotografen zu beobachten. Die einen standen mit ihrem IPad oder Smartphone in Lauerstellung. Andere waren hochprofessionell mit Stativen und Superkameras ausgerüstet, da könnte der eine oder andere „Hobbyfotograf“ richtig neidisch werden. Andächtig wartete man auf den Beginn des neuen Tages,

Und genau um 07:18 trat die Sonne über den Horizont und begann zügig die wilden Steinformationen des Bryce Canyons mit Licht und Farben zu füllen. Im Spiel zwischen Licht und Schatten nahmen die Steinpfeiler scheinbar fortlaufend neue Formen an. Es war ein unglaubliches Erlebnis viele haben mir erzählt wie schön der Sonnenaufgang sei. Und heute war auch ein wirklich strahlender Tag mit stahlblauem Himmel. Einfach nur toll. Katja ich habe für dich den Gruss ausgerichtet – und Marie-Louise einen Besuch in deinem „Sabbatical“ würde dir bestimmt viel Energie bringen.  Für uns war es wirklich hochemotional. Nach dem Grand Canyon dachte ich, dass keine Steigerung mehr möglich sei. Doch der Bryce Canyon hat mich etwas anderes gelehrt. Ich empfand den Bryce Canyon sehr luftig und leicht und die Formen und Farben, die Ruhe trotz der vielen Leute war einfach überwältigend. Ich liess mich in meiner Seele berühren und empfand einfach nur Dankbarkeit und Ruhe.

Und Roli – leider können wir nicht warten bis der Bryce Canyon mit Schnee bedeckt ist, dies würde sicher nochmals eine Steigerung der Gefühle mit sich ziehen ;-). Jedenfalls sind wir dir sehr dankbar, dass du uns diesen Tipp gegeben hast. Trotzdem wir durchgefroren waren, unternahmen wir noch einen kleinen Goodbye-Bummel der Rim entlang zum Sunsetpoint. Dann musste Herr Maibach seine Gattin mit sanften Worten vom Canyon weglocken: Kaffee, Eier, Toast, Konfi – oder was das ist. In der Bryce Lodge erwartete uns ein schönes grosses Kaminfeuer und wir genossen ein richtig richtiges Breakfast auf Tellern und nicht aus Plastikgeschirr, welch eine Wohltat.

Sagten wir Ruhetag? Gleich, sofort, denn zuerst mussten wir noch die 20 Kilometer zum Rainbow-Point fahren und letzte Bilder schiessen. Doch der Aussichtspunkt auf 9 100 foot (2778 MüM) forderte luftmässig viel Energie. So begannen wir den Abstieg (natürlich amerikanisch, im Outo!). Vereinzelt stieg Frau Bernasconi noch aus dem Ford, auf den letzten Meilen veranstalteten wir ein Gähn-Duett, so dass auf dem Parkplatz des Visitor Centers ein Car-Power-Nap notwendig wurde.

Zwar wieder einigermassen lebendig aber dennoch recht müde rollten wir den gestrigen Weg zurück Richtung Mount Carmel Junction 89/Hwy 9. Kurz vor dem geschlossenen Zion bogen wir ab zur „Zion Mountain Ranch“.  Dort bekamen wir den Schlüssel für ein wunderherziges Häuschen in die Hand gedrückt und jetzt sind wir einfach nur noch am Relaxen und über die Veranda hinweg in die Weiden träumen.

Las Vegas - 25. September 2015

Von den Bergen in die Wüste: Die Gegensätze könnten nicht grösser sein: heute Morgen, als wir die Türe zu unserem Blockhaus auf der Zion Mountain Ranch öffneten zog gemächlich eine Büffelherde auf der Weide vorbei und trottete zur Wasserstelle.

Wir hingegen hielten uns an ein feines Frühstück – Eier „sunny side up“ und Beeren und Granola. Dann folgten wir der 89 zurück Richtung Bryce Canyon, diesmal bogen wir aber bei der Long Valley Junction ab auf die Route 14, um via Duck Creek auf die Interstate 15 zu gelangen, die uns nach Las Vegas führen würde. Diese Umleitung, so hiess es in der offiziellen Umfahrungsempfehlung, sei für lange und schwere Gefährte nicht geeignet, es sei zu eng und steil auf der Route 14. Die Augen der bergerprobten Frau Bernasconi blitzten froh auf. Die Bergstrasse wand sich hoch, hier warnte ein Warnschild wegen vereisten Strassen, dort stand ein Pistenfahrzeug auf dem Feld.  Plötzlich traten die Pinienwälder zurück und machten Laubbäumen Platz. Knallrot und leuchtend Gelb – wir waren überrascht, damit hatten wir nicht gerechnet.

Natürlich schwelgten wir sofort in Kanadaerinnerungen – an unsere Hochzeitsreise vor 24 Jahren!

Unser Weg folgte der I 15. Das Thermometer stieg, so wie die Höhenmeter sanken. Bei einer kurzen Restroom-Pause erst bemerkten wir, wie heiss es geworden war. Denn die abwechslungsreiche Fahrt durch die Feuerberge und auf Las Vegas zu verlief viel schneller, als wir erwarteten. Das lädierte, aber brave Navi lotste uns zum ruhigen Familienhotel – ohne Blingbling-Rummel. Wenn es Frau Bernasconi nicht gerade auf die Gasse zieht sitzen wir im 18 Stock, räumen unsere Koffer ein und aus und um und waschen, was das Zeug hält.

Herrn Maibach ist der Rummel zu viel des guten. Was am Nachmittag noch ein gemütlicher Bummel zum Wasserspiel des nahe gelegenen Bellagios war, wurde am Abend zu einer Art Dauerpolterabend auf der Gasse. So waren wir ganz zufrieden, nach einem ersten Versucherli uns wieder in ruhigere Räume zurückzuziehen.

Es ist wirklich crazy und um ehrlich zu sein, nach der Ruhe in den Bergen – nach dem wunderschönen Sonnenaufgang im Bryce Canyon, der speziellen Energie im Grand Canyon aber auch im herrlichen Zion Park ist Las Vegas eine grosse Illusion. Und irgendwie ist Las Vegas nicht meine Stadt. Vielleicht bin ich tatschlich älter geworden und ertrage den „Blingbling-Rummel“ wie Peter dies so nett erwähnt hat nicht mehr so gut. Und Alain ich denke fest an dich und Jenny und kann eure Wehmut auch verstehen. Ich kann aber auch die Begeisterung von Ueli und Claudia verstehen, die vor 20 Jahren hier gewesen sind. Es ist alles so gross, so illusorisch und wenn du durch ein Casino marschierst sitzen die Leute mit leuchtenden Augen an den Tischen. Bis jetzt hat mich das Spielfieber noch nicht gepackt aber vielleicht kommt es ja noch. Jedenfalls ist in Las Vegas vieles sehr teuer und das Geld geht wohl nicht nur an den Spieltischen weg.  ;-)

Und trotzdem einmal im Leben ist es sicher spannend Las Vegas zu erleben und zu sehen und irgendwie ist es wirklich eine unglaubliche Stadt mit den hohen Wolkenkratzern so mitten in der Wüste. Die vielen Lichter und Lämpchen aber auch das Verkehrschaos sind „too much“ für uns. Die Menschen stehen sich auf den Füssen herum. Manchmal wundere ich mich, aber nur manchmal, wie die jungen Damen mit ihren hohen Absätzen durch die Stadt „stöckeln“ … Morgen müssen wir unser Dampfschiff zurückbringen – und ich verrate es nur euch: Es wird Frau Bernasconi schwer fallen, sich vom liebgewonnenen Ford Focus zu trennen. Ich habe mich an das Dampfschiff gewöhnt und tatsächlich hat es uns rund 3500 km ohne Probleme durch die Berge geführt und die Schutzengel waren immer bei uns, so dass wir nun das Auto gerne auch wieder abgeben. Es folgt nun der dritte Teil unserer Reise, die uns nach San Francisco führen wird. So lassen wir euch etwas in Ruhe mit unseren Blogs und melden uns am Montag wieder mit einem Bericht vom Wochenende … so kann auch unser Blog etwas ausruhen – gell Silvana ;-) und wir werden uns sicher in das Leben von Las Vegas stürzen. Am Sonntag treffen wir Barbara und Familie und Regina – dazu dann mehr im nächsten Blog. Vielleicht gibt’s ja einen Zwischenbericht sollten wir den Jackpot gewinnen ;-))))))

Las Vegas - Illusion und Realität 26. und 27. September

Nach dem gestrigen ersten Eintauchen in die Glitzerwelt des „Strips“, der Unterhaltungsmeile in Las Vegas, hat ein wenig Distanz gut getan. Diese zu gewinnen hat ein Besuch bei der Familie Fair in Henderson gut getan. Barbara holt uns im Hotel ab – wir sind schon ein wenig nervös. Während vielen Jahren habe ich Barbara nicht mehr gesehen, als sie nach USA zog um dort einen Familie zu gründen. Barbara ist die Tochter meines Ex-Chefs und ich bekam immer wieder Geschichten mit von Barbara. Vor einigen Jahren als sie Bill kennen- und lieben lernte, gewöhnte sich auch Paul daran, dass seine Tochter in die USA zog  und jetzt mag er gerne immer wieder nach Las Vegas reisen.

Es war, als sei keine Zeit vergangen und schon bald mischten sich die Geschichten um gemeinsame Bekannte. Im gemütlichen, grosszügigen Zuhause durften wir amerikanisch – schweizerische Gastfreundschaft geniessen – inklusive Espresso aus Schweizer Tassli. Es war eine Wohltat, nach so manchen Restaurantessen wieder einmal bei Real-Food (mit richtigem Brot!)  im Familienkreis zu sitzen und sich auszutauschen. Bill gab uns weitere Reisetipps wie wir von San Francisco nach LA weiterreisen können. Dieser Besuch vermittelte uns auch ein ganz anderes Las Vegas – nicht nur die „Blingbling-Welt.“

Doch dann trieb uns der Terminplan weiter (trotz Sonntag und Ferien; murmel murmel Maibach): Regina hatte sich mit uns im Bellagio verabredet. Nach dem Ticketkauf zur Cirque de Soleil Show „Ô“. Sassen wir zu viert in einer ruhigen Cafeteria im Hotel – tatsächlich ohne Casino-Lichter und Lärm. Der Fototermin im Bellagio Garten brachten den entspannten Nachmittag zu Ende.  Danke Barbara und Familie für das feine Essen und die gemütlichen Stunden und danke Regina fürs vermitteln der Tickets. Und Edith dir sage ich merci fürs „kontakten“ von Regina – sie ist wirklich eine „kuule“ ;-)

Bevor wir zur Show ausrücken, relaxen wir noch einen paar Augenblicke – und packen bereits für morgen.

Nachtrag zu gestern – wir können es nicht lassen

„The party never ends“ stimmt tatsächlich, hier ist immer und überall Party und das halten Leute in unserem Alter ganz einfach nicht mehr durch. Also ist unser Konzept: Entzug, bevor es zu viel wird.

 

Farewell, Dampfschiff
Bevor wir all die berühmten Hotelnamen abklapperten, galt es unser liebgewonnenes „Dampfschiff“ auszumisten und mit etwas Wehmut am Flughafen zurückzulassen. Keine Panne und unfallfrei – wir sind immer sehr dankbar, wenn alles so gut abläuft – und Frau Bernasconi, das muss gesagt sein, hat ein grosses Merci verdient, denn sie hat die ganze Fahrarbeit übernommen. Und der Herr Maibach hat sich mit dem Navi herumgeschlagen  - und um ehrlich zu sein, oft habe ich schon das eine oder andere Brummeln gehört, wenn das Navi zu langsam, nicht genau oder ganz einfach uns in den „Gaggo“ geführt hat. Allerdings sind wir immer am Ziel angekommen.

 

Mit den Public Transportations, dem Bus, sind wir an den Strip, an dem all die berühmten Hotels stehen zurückgefahren. Es war noch früh und recht mildes Wetter. So bummelten wir bis zum „Mandala Bay“ zurück, sahen uns in Ägypten um, im „Pyramid“, und sprangen von Hotel zu Hotel weiter, bis wir in „New York“ in einem Strassencafé französische Croissants und einheimischen Kaffee genossen. Für einmal war sogar der Kaffee trinkbar und die Croissants nicht aus Gummi.

 

Mit der Zeit begreifen wir den Mecano des „Alles-inbegriffen“ und „Fast-alles-ist gratis“; ausser wenn es kostet, dann aber richtig. Bei jeder Strassenüberquerung lockt eine bequeme, klimatisierte Route mit Rolltreppe und Lift. Jeder Weg aber führt unweigerlich an Spielautomaten vorbei. Im Gebäudeinnern ist eine intuitive Orientierung schwierig und führt unweigerlich in einen Casinobereich. Zahlreiche Shops und Bars, die man betritt führen an der Rückseite ebenfalls in ein Casino. Überall, wo man warten muss – Spielautomaten.

 

Casinomentalität
Mit der Zeit wirken die Spielbetriebe monoton ähnlich. Die laute Dauerbeschallung macht nur noch müde – wir haben einfach abgeschnallt. Erstaunt sind wir, wie viele Frauen an den Automaten hängen und spielen und eher einen angespannten Eindruck machen als wahre Spielfreude zu erleben. Es wird viel geraucht in den Casinos. Irgendwie ist dieses „Glücksritterum“ nicht wirklich unsere Welt. Und wir haben uns tatsächlich entschieden uns dem Spielen zu entziehen – so haben wir auch nicht verloren aber auch nicht gewonnen. Es ist einfach too much – überall werden Gewinne angepriesen. Doch wie viele Menschen verloren haben das wird nirgends erwähnt.
ÖV via Casino
Dann haben wir das Monorail entdeckt: Ein lustiges Bähnli, das hin und her dem Strip entlang rattert. Sofort sind wir einmal rundum gefahren und haben die heile Welt so von aussen betrachten können. Natürlich ist der Zugang zum Bähnli und der Ausgang nur via eine Shopping Mall oder einen Casinobereich möglich und natürlich ist die Beschilderung so gestaltet, dass man Umwege marschiert. Schade nur, dass das Navi hier nicht funktioniert!

 

Es ist heiss in Las Vegas, deshalb entschlossen wir uns, am Nachmittag Siesta zu machen und genossen das süsse Nichtstun. Selbstverständlich zog es uns am Abend nochmals auf die Gasse. Läck du mir – „Blingbling“ überall. Und wenn jemand bei uns von „Dichtestress“ spricht, dann war er noch nie am Samstagabend in Las Vegas ;-). Menschen, so bunt wie Las Vegas. Es ist unglaublich und einfach crazy. Wir sind überwältigt und irgendwie auch fasziniert. Niemand kann sich wohl dieser Glitzer- und Scheinwelt entziehen. Waren wir gestern noch unter „Kulturschock“ – haben wir uns auch schon wieder ein bisschen an die „Blingbling-Welt“ gewöhnt – und werden sie sicher bald einmal vermissen.

Showtime . Cirque du Soleil - Weiterreise 28. September 2015

Gegen halb neun gestern bogen wir ein weiteres Mal um die Ecke Harmon in den Strip ein, kletterten über Fussgängerbrücken und durchquerten etliche Casinos um schliesslich pünktlich um neun das „Ô - Theatre“ im Bellagio zu betreten. Wir gaben uns dem Warmup hin, wie sich ein fast leeres Theater in kurzer Zeit mit 1800 ebenfalls neugierigen Show-Fans füllt. „Cirque du soleil“ – wir waren so gespannt und voller Vorfreude auf die Show. Regina hatte uns gewarnt: es würde keine Pinkelpause geben – und das mit einer Darbietung vor einem 5700 m3 Pool, in und um den sich das ganze Spektakel dreht. 

Mit einem geheimnisvollen Schwung enthüllte der rote Vorhang die rund 20 Meter hohe Bühne, schwebte über dem Wasser und gab dann den See vor den Zuschauerreihe frei. In den nächsten 90 Minuten tauchten wir in eine Zirkuswelt voller Poesie und Verspieltheit ein, die uns sprachlos zurückliess. Springbrunnen, Meer, Regen und Sturm, fester Boden und Pool – wir gaben die Kontrolle ab und genossen die Bilder. Ob dem dargebotenen vergassen wir beinahe, den über 80 Artistinnen und Artisten zu applaudieren. Rasende Artistik wechselte mit verträumten Szenen, bunte Kostüme und packende Musik zogen uns immer tiefer in die Liebesgeschichte hinein, in die Kombination der Elemente, in Bilder voller Leben und die Mahnung an dessen Ende. Es wäre unfair, einzelne Acts hervorzuheben – das Ganze war einfach perfekt – und wir sprachlos. Ich verrate es dennoch – aber nur euch: am besten haben mir natürlich die Synchronschwimmerinnen gefallen – obwohl ich Regina nicht identifizieren konnte – so wie sie es uns vorhergesagt hatte. Sie sagte uns auch, dass wir sie nicht suchen sollen, denn sonst würden wir die Show verpassen – und wir suchten sie nicht und genossen die Show.

Noch ziemlich groggy liessen wir uns nach der Show vom Backstagemanger zu Regina begleiten, die sich die Zeit nahm, uns hinter die Kulissen zu führen. Wir standen hinter dem immensen roten Vorhang und bestaunten die Dimensionen der Bühne, des Beckens und waren beeindruckt, wieviel Arbeit, Training und Perfektion hinter einer Aufführung stecken. Hinter den Kulissen heisst aber auch im Wasser: eine für die Zuschauer unsichtbare Taucherequipe sorgt für die Begleitung der Artisten unter Wasser, für die Sauerstoffversorgung und für die Sicherheit der Künstlerinnen und Künstler – die ihre Auftritte teilweise unter Wasser beginnen oder abschliessen. Es war wirklich toll und nochmals Regina herzlichen Dank für die Zeit, die du uns geschenkt hast.  Der kurze Bummel über den Strip zurück ins Hotel tat gut – obwohl wir eigentlich bloss von einer Illusion in die nächste torkelten.

Jedenfalls haben wir dank Barbara und Regina auch ein etwas anderes Las Vegas kennen gelernt. Ein Las Vegas, das nicht nur aus Party und und Casino besteht. Barbara, hat uns viel von einer Normalität vermittelt, die auch in Las Vegas stattfindet. Und Regina finden wir ist eine ganz normale Frau geblieben trotz „Glitzer und Glamour“.

Vor den Fenstern des Hotels Zephyr tummelt sich das bunte San-Francisco-Völkchen, das wir sofort likten. Bald werden wir uns ebenfalls ins Getümmel stürzen. Bloss, wie packt man eine solche Stadt in wenigen Ferientage? Und nach der heissen Wüstenzeit folgt nun wieder „Meerzeit“ – und hier am Hafen ist es tatsächlich Herbst geworden. Wir müssen uns wieder an die normalen Temperaturen gewöhnen und freuen uns auf die Zeit hier in San Francisco. Es ist eine quirlige Stadt und so freuen wir uns diese auch zu erkunden. Und auf eines freue ich mich persönlich, dass ich morgen auch mal wieder ausschlafen kann und weder in ein Auto noch in ein Flugzeug steigen muss. Noch eine Bemerkung am Rande – Peter jammert jetzt schon ein bisschen wie wir unsere Koffer ohne Übergewicht in die Schweiz zurück zu  bringen ;-) Die vielen Läden hier in San Francisco laden zum „lädele“ ein – denn die vielen Kapuzenpullis sehen nicht nur kuul aus, sondern haben auch eine hervorragende Qualität. Tja und ein grosser Nikeshop soll es laut Anita auch haben, den werde ich sicher besuchen … und und und … mal sehen wir sich die Einkaufsorgie entwickeln wird ;-) – bis Donnerstag werden wir auf jedenfalls in San Francisco bleiben.

 

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