New Orleans, Florida

Reisetag - 07.09.2011

Reisetage sind immer etwas speziell. Und seltsamerweise gehören spezielle Tage meist zu den schwierigeren ... Aber nun der Reihe nach. Nach dem emotionalen und spannenden Hartford sind wir am Mittwoch mit dem Auto wieder nach N.Y. La Guardia Airport zurück getuckert. Wir liessen uns genügend Zeit, um nicht stressen zu müssen. Wir hätten uns allerdings viel, viel länger Zeit lassen können ... Auto abgeben und einchecken - doch so schnell wie wir das Auto abgegeben haben so schnell haben wir das Gepäck nicht aufgegeben können. Mittlerweilen reisen wir nämlich bereits mit drei Gepäckstücken und für die Reise nach Atlanta hatten wir offenbar eines zu viel dabei. Die Delta-Dame im Check-in wollte uns 125 Dollar für das dritte Gepäckstück abknöpfen. Dank der Hartnäckigkeit von Peter (jaja, wenns ums Geld geht...) und dem lückenlosen Nachweis, dass wir Durchreisende aus der Schweiz sind, sowie einer einsichtigen Supervisorin, kamen wir mit 1000 guten Ratschlägen davon und  unser Gepäck wurde ohne Zusatzkosten transportiert. Uns kam dies etwas spanisch vor, dass die so ein Cabaret wegen dem einen Gepäckstück gemacht haben. Die Amis nehmen ihre Koffer als Handgepäck mit und dies führt dann dazu, dass im Flugzeug innert kürzester Zeit die Ablagefläche voll gestopft ist.. Zuletzt eingecheckte wird dann empfohlen, das Handgepäck, das in der Kabine keinen Platz mehr hat, einzuchecken... Seldwyla à l'americaine. Die Zustände jedenfalls sind ziemlich chaotisch. Da liebe ich dann doch die "Schweizerzustände."
Nun, endlich, sassen wir im Flugzeug, eingecheckt und warteten gespannt auf den Abflug. Weit gefehlt - wir mussten wieder aus dem Flugzeug steigen, den offenbar hatte die Maschine einen Blitzschaden und so blieb dieser Vogel am Boden. Und wir sassen wieder in der Halle. Und dann ging das Rennen los. Die Informationen waren so lausig, dass wir keine Ahnung hatten, wann es weiter gehen würde.
Zuerst hiess es um 18.00 und dann wurde der Flug gecancelt. Tja - und wie weiter - so langsam aber sicher flatterten unsere Nerven - und da ich nicht so gut englisch kann und ich die Amerikaner nicht ganz so gut verstehe, Peter quer durch den ganzen Flughafen aufs Klo musste, stand ich da und hätte am liebsten irgendeinem den Hals umgedreht. Glücklicherweise kam Peter nach einer gefühlten Ewigkeit zurück und organisierte uns neue Tickets, so dass wir gegen 20.00 starten konnten.
Mit rund 5 Stunden Verspätung sind wir schliesslich bei der Autovermietung angekommen, dann downtown gefahren, haben die schöne Strassenbeleuchtung bewundert und im Hotel last minute gerade noch einen Cesarsalat ergattert, der uns vor dem grossen Verhungern rettete.
Und so sehen wir leider von Atlanta nicht viel mehr als der Flughafen und denn Weg ins Hotel.
Was uns übrigens auffällt sind die schönen, stolzen, feingliedrigen schwarzen Menschen, hier in Atlanta, die uns zu später Stunde freundlich empfangen haben.

Atlanta - Gatlinburg 08.09.2011

Great Smoky Nationalpark: Nach dem mühsamen Stop-and-Go Reisen von gestern verbrachten wir eine unruhige Nacht. Wenig erholt stand Peter früh auf und überwand sich, um im Hotelfitnesszenter ein paar frühe Meilen zu bodigen. Nach einem gesunden Frühstück liessen wir anspannen, warfen der Steffie ein paar Informationen hin und brausten ins Verkehrsgewühl Atlantas, in der Hoffnung, endlich den Beton hinter uns zu lassen und viel Grün zu sehen. Immerhin haben wir noch das Denkmal von Martin Luther King  gesehen und die olympische Flamme, das war aber auch grad alles, was wir von dieser Stradt mit bekommen haben. Mit Steffie harmonierten wir noch nicht und so brausten wir hin durch Atlanta und dann her durch Atlanta. Sechsspurige, vierspurige, zweispurige Strassen, 75, 85, es erhob sich alsbald ein wüstes Geschimpfe im Wagen. Zudem hat die Steffie die Marotte, englische Strassennamen deutsch auszusprechen und die Strasse heisst „der Rood“ oder der „Street“. Eine Autobahnausfahrt tönt dann etwas so: „beim nächsten Einfahrt rechts abbiegen in der Moontbeaar rood“. Und dann ist es auch so, dass ich bei den hundertspurigen Autobahnen nicht einfach von der 50zigsten Bahn gleich auf die äusserste wechseln kann. Die Steffie war ganz einfach nicht schnell genug. Das war ein Gewusel und irgendwie waren wir wohl noch nicht ganz im Auto zusammen mit Steffie unterwegs.

Anyway, wir erwischten gleichzeitig sowohl die richtige Rood als auch die richtige Richtung. Rosmarie wechselte die Spuren wie eine richtige Indianerin und bald liessen wir die Highwayhektik hinter uns und suchten uns ab Dunuth idyllische Landstrassen Richtung Norden, Richtung Cherokee Indianer. Bald einmal schlugen wir uns auf der 23 bzw. 441 zu unserem nächsten Zielen durch. Zuerst die Cherokees:  die werden ja gewaltig vermarktet. Wo es nur hinpasst, steht ein Souvenirladen, mit einem Original-Winnetou daneben zum Fötele, na ja, ich weiss nicht … Auf jedenfalls hielt uns diese Art ab, etwas einzukaufen, denn es stimmte vieles nicht.

Dafür war die Fahrt durch den Nationalpark traumhaft schön, die Berge und Täler waren nebelverhangen, was der Fahrt einen mystischen Anstrich gab. Viele Biker hat es ebenfalls auf die bergige Strecke verschlagen, Kabriofahrer,  eine entspannte, ruhige Stimmung lag über der Route.
Dann, kaum ist die Parkgrenze überschritten: Gatlinsburg. Eine Retortenstadt für amerikanische Ferienansprüche: laut, schrill, viel Stein und dickes Holz, daneben noch mehr bunte Geschmackslosigkeiten. Der Geruch von gebratenem Fleisch lag über der ganzen Stadt und wir begnügten uns mit einem nicht ganz gesunden Menü aus Papiertellern.  
Man muss es gesehen haben! Wir zogen uns alsbald in unser Wigwam zurück, das Hotelzimmer sieht ein wenig aus, wie bei Old Shatterhand zu Hause. Für Alaskastimmung sorgt eine Klimaanlage, die aus einem Kühlhaus stammen muss, daneben steht ein Gas-Cheminée mit einem Timer, 30 Minuten Kaminfeuer, fast wie echt.

Nashville - Opryland 09.09.2011

Als wir heute früh die Lodge verliessen, um auf der 441 Richtung Knoxville zu fahren, stellten wir erstaunt fest, dass sich der Vergnügungspark, den wir gestern schon beschrieben haben, sich noch meilenweit ins Tal hinunterzieht. Doch allmählich wurden die Kartbahnen, Gespensterbahnen und Buden weniger und die Umgebung wurde alltäglicher. In der Food City am Chapman Highway füllten wir unsere Vorräte an Mineralwasser und Früchten und Gingerbread auf und schwenkten auf dem Highway 40 westwärts, 200 Meilen bis Nashville. Schon die Wegweiser waren Musik: Chattanooga, Rockville dann eben Nashville. Etwas vor dem Stadtzentrum wies uns Steffie von der Strasse und nach ein wenig Zickzackkurs durchrollten wir den noblen Eingangsbereich zum Gaylord Opryland Resort.

Erstaunt war ich schon, dass es vor dem Einchecken fünf Fahrspuren mit Valetparkieren gab und, das Empfangsdesk ein gutes Dutzend Eincheckplätze hatte. Ruckzuck standen wir mit dem Zimmerschlüssel in der Lobby – und mit einem Stadtplan, damit wir unser Zimmer besser fänden. Eine immense, mit Glas und Stahl überdachte Halle überspannte eine künstliche Seenlandschaft, Wasserfälle, Wege durch einen tropischen Garten, Brücken. Sechs Stockwerke hoch wurde das ganze von den Hotelbauten umrahmt, eine Kunstwelt, ein Riesenbiotop. Bei einem späteren Rundgang entdeckten wir zwei weitere Hallen in ähnlichem Ausmass, eine kleine Stadt unter einem Glasdach, mit Läden, Restaurants, Häusern – wir waren völlig überrumpelt. Ich stand da mit meinen Vorstellungen von Nashville und anstelle von Cowboys mit Hut und Colt sah ich rund um mich Läden mit den unterschiedlichsten Artikeln, so auch ein Laden gefüllt mit Weihnachtssachen – ja, ja ich weiss, es ist erst in gut drei Monaten Weihnachten – aber hier ist wohl das ganze Jahr Weihnachten, so wie es mir scheint.

Das Hotelfitnesscenter war eine richtige Turnhalle, vollgepackt mit allem, womit man sich nur fit halten kann – wir haben gleich mal zwei Laufbänder für uns reserviert. Nachdem wir uns auf dem Laufband etwas ausgetobt hatten, merkten wir, dass wir viel zu wenig Zeit für Nashville eingeplant haben. So muss es den Japanern gehen, die Europa in 24 Stunden durchreisen. Am Samstag werden wir trotz zu wenig Zeit noch die Halle of Fame besichtigen.
Gegen Abend standen wir in Line zum Shuttlebus, der uns in unserer Kunstwelt abholen und zur „Grand Ole Opry“ bringen würde, denn Rosmarie hatte Karten ergattert für die berühmte Radioshow, die seit über 80 Jahren live ausgestrahlt wird.
Und ich sage euch, das war ganz einfach „great“ und toll. Die unterschiedlichen Musiker fanden sich auf der Bühne ein und so hatten wir gut zwei Stunden unglaublich viel guten Sound gehört. Ich fand es spannend nicht einem Musiker zuzuhören, sondern die Vielfalt der Country Musik zu geniessen. Von Bill Anderson, Jeannie Seely, Collin Ray, The McClymonts, Jimmy Dickens und viele mehr liessen wir uns in die Welt der Countrymusik entführen. Die Zeit verging wie im Fluge und schon war die Show zu Ende und wir wurden wieder in die Scheinwelt zurück „gewägelet“ – total organisiert war es schon. Nachdem wir nach soviel Musik noch ein Steak verdrückten, nahmen wir nochmals einen Augenschein von dieser riesigen Anlage. Wir marschierten durch das Kongresszentrum mit der Hoffnung den Ausgang wieder zu finden und entdeckten weitere Räume, wie Bars, Restaurants und Nachtklubs. Früher haben wir ein Hotel nach einer guten Bar gebucht, heute ist uns ein Fitnesscenter lieber!
Jedenfalls werden wir wohl bei einer nächsten Reise viel mehr Zeit einplanen müssen, denn hier ist alles hundert Mal grösser als bei uns. Klar, sind 350 km zu fahren gleich viel wie bei uns, aber man kommt viel schneller ans Ziel. Und zwischenzeitlich sind Steffie und ich irgendwie schon wieder Freundinnen geworden.
Ich denke, dass ich zwei bis max. drei Tage in diesem Hotel leben könnte - denn es ist definitiv „to much“ – aber great. Jedenfalls freuen wir uns auf das was wir sehen können und müssen uns immer wieder entscheiden, was wir eben nicht sehen werden.
Ich Memphis hoffe ich natürlich, das Grab von Elvis zu besuchen – wer weiss, zu was es alles noch reichen wird ...

Nashville und Memphis 10.09.2011

Nun, nachdem wir uns vom Gaylord Opry Ressort erholt haben und wir eigentlich noch nichts von Nashville gesehen hatten, stellte ich den Wecker auf 07.00 damit wir um 09.00 vor der Halle of Fame sein würden. Madeleine, du hast recht, "Nashville-Opryland" ist tatsächlich eine Retortenstadt und es ist ein Teil vom richtigen Nashville geworden. Jedenfalls war das gestrige Abendprogramm ein Hit und Sandra, Werbung ist hier einfach überall, immerhin hat der Sprecher die Werbung mit seiner sonoren Stimme persönlich vorgelesen. Ich fand es wirklich crazy und ich denke, dass war bei euch 1992 nicht anders, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in dieser Show vieles verändert hat, ausser der Technik natürlich.

Wir verliessen das Resort um 07.30 und ich muss ehrlich gestehen, ich war froh aus dem dunklen Zimmer ans Licht, echtes Licht, zu kommen. Ein strahlender Tag erwartete uns und so gab es kein Halten mehr. Steffie führte uns sicher zur Halle of Fame und Parkplätze waren genügend vorhanden. Ein geschäftstüchtiger Amerikaner verlangte 10 US Dollar und gab uns als Souvenir ein 20 Rappen Stück, das er aus einem Glas hervorfischte.

Mich faszinierten auch die vielen Kirchen und später erfuhren wir, dass Nashville im "bible-belt" liegt und rund 800 Kirchen hat. Die müssen ja unglaublich heilig sein, hier in Nashville. Fast eine Stunde marschierten wir in der erwachenden Stadt den Broadway rechts hoch und links wieder hinunter bis zum Hardrock Cafe. Die Spuren der letzten Nacht waren überall sichtbar und die Energie von vergangenen Zeiten war spürbar.

Und genau um 09.00 standen wir vor der Halle auf Fame. Es waren erst wenig Leute unterwegs um diese Zeit, so dass wir in aller Ruhe durchs Museum schlendern konnten. Wir bestaunten den goldenen Cadillac von Elvis und die vielen liebevoll zusammen getragenen Kleidungsstücke unterschiedlicher Künstler aus der Country Szene.

Tja, und dann traten wir ins Heiligtum ein. Ins Heiligtum der Countrygrössen - es war ein toller Moment, als wir in die Halle of Fame eintraten. Wer hier in diesem Museum verewigt wurde und wird, hat es in den Musikolymp geschafft. Wir fanden Bill Anderson und Little Jimmy Dickens, die wir gestern Abend im Konzert gesehen haben. Aber auch Grössen wie Dolly Parton, Chet Atkins, Emmilou Harris Loretta Lynn und viele mehr fanden wir in dieser Halle erwähnt. Es war ein magischer Moment, denn hier kommen wirklich nur die Künstler rein, die es mit der Musik zu etwas gebracht haben. Die ganze crème de la crème der Countryszene war hier vorhanden.

Und dann gings mit einem Bus ins berühmte Studio B in dem bis 1977 alle Musikgrössen ihre Schallplatten aufgenommen hatten, so natürlich auch Elvis Presley. Irgendwie spürte man den Spirit in diesen Räumen und irgendwie konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie die Musiker hier ihre Kreativität ausgelebt haben. Ich empfand, dass einige Seelen in diesen Räumen tatsächlich anwesend waren. Es waren magische Momente, auch als ich mich ans Klavier setzte, an dem Elvis Presley vor vielen Jahren seine Musik komponiert hat.

Ich bin sehr versöhnt mit Nashville, denn ich finde das vor allem die Musik in dieser Stadt ein wichtiger Bestandteil ist. Countrymusik hat mich seit je her fasziniert und ich mag diese Art der Musik. Vielleicht weil sie im Herzen berührt, emotional und melancholisch ist. Das Konzert von gestern und der heutige Besuch im Studio B und und der Hall of Fame, waren für mich sehr wichtig. Immerhin haben Peter und ich genau den richtigen Weg gefunden, so dass der Besuch in Nashville unvergesslich bleiben wird.

Es war eine gute Entscheidung gewesen so früh unterwegs zu sein, denn als wir gegen 12.00  Richtung Memphis weiter reisten, sahen wir die vielen Cars, die vor der Hall of Fame standen und unzählige Touristen hinbrachten.
Zügig gings vorwärts und über die A40 waren wir ordentlich schnell in Memphis. Und schon sind wir wieder in einem etwas "verrückten" Hotel eingecheckt. Hier wimmelt es nur von "Weddings" - und Cinderellas - ich glaube es fanden drei Hochzeiten gleichzeitig statt. Wir jedenfalls stellten unser Gepäck ins Zimmer und schon gings wieder los und die kurze Zeit, die wir zur Verfügung haben, nutzten wir, um durch Memphis zu schlendern. Nachdem wir die lärmige Beale Street (nur für Touristen gemacht) hin- und her schlenderten, verliessen wir diese fluchtartig, um auch noch ruhigere Ecken in Memphis zu sehen. So fanden wir uns in einer Gitarrenfabrik wieder und haben fest an Hank gedacht. Hank - das wäre ein Paradies für dich gewesen.

Und dann endlich - endlich wollten wir auch den berühmten Mississippi sehen - es war ganz einfach traumhaft. Die untergehende Sonne tat das ihre dazu.

Irgrndwo unterwegs sassen wir plötzlich in einer alten, klapprigen Strassenbahn, die durch Memphis ratterte. Es war wie eine Stadtrundfahrt und wir genossen die Fahrt - alles für nur einen Dollar pro Person.

Und nun sind wir endlich im Hotelzimmer angekommen und haben zuerst einmal alle Bilder, die wir geschossen haben angeschaut, um zu sehen was wir heute unternommen haben. Ich finde es war ein bisschen viel und doch - wir sind happy und zufrieden, wenn auch ziemlich müde. Und wenn alles klappt, Madeleine, schaffen wir es am Sonntag ins Graceland zu Elvis zu pilgern, bevor wir dann weiter nach Vicksburg tuckern.


Memphis - Vicksburg 11.09.2011

Bevor wir aus dem Peabody in Memphis auscheckten, warf ich ein Blick in die Zeitung. Gross aufgemacht die Erinnerung an den 9-11, den zehnten Jahrestag der Anschläge auf das Worldtradecenter und das Pentagon. Bereits seit einer Woche nehmen die Artikel und Fernsehbeiträge eine grossen Raum ein. Hinterbliebene der Opfer erinnern sich, Lebensgeschichten werden aufgerollt, neben dem immer noch anhaltenden Schock  schwingt auch ein Bedauern über die verlorenen Freiheiten mit. So beklagt ein Autor, dass Flugreisende in den USA wenig zu lachen haben: rigorose, herrische Sicherheitschecks, dicht bepackte Flieger verleiden manchem Amerikaner das Fliegen auf Kurzsstrecken, Auto- und Busreisen sowie Zugreisen haben deutlichen Passagierzuwachs zu verzeichnen. Berechtigt scheint auch auch die Besorgnis von Lehrern, die eine Generation junger Leute in den Schulklassen haben, denen die Ereigninisse rund um die Terroranschläge fremd sind, und die irgendewas von einer „Abrissaktion in New York“ aufgeschnappt haben. Überhaupt kursieren die wildesten Gerüchte, denen von offizieller Seite energisch entgegengetreten werden muss.

Bei der Fahrt über Land fällt auf, dass viele Fahnen auf Halbmast stehen, natürlich bei allen militärischen Einrichtungen aber teilweise auch bei zivilen Genäuden. Ab und zu flimmert eine Leuchtschrift über der Autobahn, anstatt Staumeldungen, scheinen Erinnerungstetxte auf, wie etwa „we never will forget“. Friedhöfe – meistens mit Gräbern mit flachen Steinplatten im Rasen - sind mit Blumesträussen geschmückt. Oft sieht man Leute mit einer Erinnerungsschleife angesteckt, eine eher stille, diskrete Art des Trauerns. Oft ist es so, dass in den Medien der Anlass grösser scheint, als das Erleben der Menschen hier in USA ist. Es ist keine laute Trauer, kein Klagen, kein wehleidiges Jammern.

Zehn Meilen ausserhalb Memphis gab’s noch einen Zwischenhalt, vor dem grossen Gump in den Süden: Graceland.

Nach einer langen, aber entspannten Fahrt lenkten wir unser Wägeli an den Missisippi, vorbei an majestätischen Flussschiffen, um endlich im Cedar Grovve Inn abzusteigen, einer Herrschaftshaus von 1840 – Antebelleum – das verteilt auf einem ansehnlichen Parkgelände Hotelzimmer in historishen Gebäuden anbietet. Wir logieren im General Shermann Zimmer, in einem wahrhaft historischen Haus – wie vom Winde verweht.

Nichtsdestotrotz nutzen wir das Angebot einer Gästelaundry und hatten grossen Waschtag … und nun sitzen wir im Garten schreiben unseren Tagesbericht, weil wir kein Wi-Fi im Zimmer haben und lassen uns von den Mücken stechen.
Morgen geht’s dann weiter nach Natchez – keine Ahnung was uns dort erwartet, aber wir werden sicher darüber berichten. 

Vicksburg - Natchez 12.09.2011

Für mehr als fünf Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts war Vicksburg das Zentrum des Adels die ihren Reichtum mit Baumwolle und Bauholz gemacht hatten. Nachdem wir  gestern einen ruhigen Abend im fast ausgestorbene Hotel genossen und uns die Geister über Nacht in Ruhe gelassen haben, sind wir heute  Morgen zur Stadtbesichtigung losgezogen. Die Stadt Vickburg war wie ausgestorben und viele Läden hatten geschlossen.

So besuchten wir das Coca-Cola Museum, in dem 1894 das erste Coca-Cola abgefüllt wurde. Auf dieses Museum sind die Vicksburger stolz. Liebevoll sind die unterschiedlichen Büchsen und Flaschen zusammen getragen worden und so bestaunten wir dieses kleine Kunstwerk. Und wenn man weiss wie bekannt das Getränk tatsächlich ist, darf Vicksburg wirklich stolz sein. Die Sonne brannte heiss, als wir das Museum verliessen. Einen kurzen Rundgang dem Schatten entlang, besichtigten wir die Villen und uns blieb ab und zu der Mund offen. Manchmal kam es mir vor, wie wenn demnächst Spencer Tracy oder Katherine Hepburn aus einer der Villen heraustreten und würdevoll die Treppe hinunter kommen würde. Aber da diese schon längst tot sind, blieb es eine Vorstellung.

Und schon gings weiter Richtung Natchez. Die Stadt Natchez ist die älteste Siedlung des Mississippi Flusses. Sie ist bekannt für die Erhaltung der grosszügigen neoklasizistischen Vorkriegsvillen und die akribisch genau angelegten Gärten. Wir hatten für einmal eine kurze Fahrt und landschaftlich war es ein Traum. Keine Lastwagen auf der Strasse und für einmal tuckerten wir gemütlich nach Natchez.

Schon früh haben wir im Hotel Monmouth Plantation eingecheckt. Da aber das Zimmer noch nicht bereit war unternahmen wir noch einen Rundgang durch Natchez. Die Vorkriegsvillen stehen herrschaftlich in ihrer vollen Grösse da. Es sind einzigartige Gefühle, die mich durch diese Stadt begleiten und irgendwie gibt es andere Orte an denen ich mich wohler fühle. Jedenfalls marschierten wir durch die Bruthitze und entschlossen uns dann mit dem Auto über die Brücke in einen andern Staat zu fahren. Mitten auf der Brücke ist nämlich die Grenze zu Louisiana. Peter meinte, als ich bereits umkehren wollte "Komm fahr noch ein bisschen weiter vielleicht kommt ja noch ein Wal*Mart." Bei dieser Hitze und hier ein grosser Wal*Mart zu finden war mir etwas suspekt, aber manchmal hat wohl Peter sehr gute Eingebungen. Und siehe da, einige Meilen im neuen Bundesstaat angekommen fanden wir uns im gekühlten Wal*Mart wieder.

Wir ergatterten uns eine Riesenfrüchteschale - gefüllt mir allen möglichen Früchten. Unser Tag ist gerettet, nachdem Hamburger und Fritten tatsächlich nicht mehr auf unserer Speisekarte Platz haben, sind wir doch froh, ab und zu so feine Früchte zu ergattern. Und nun sitzen wir in einem weiteren zum Hotel umgebauten Herrschaftshaus mit allerlei Antiquitäten und geniessen die klimatisierten Räume. Gegen Abend werden wir  uns dann vielleicht nochmals nach draussen trauen, um uns ein bisschen aufzuwärmen ;-))))
Ah übrigens, Silvana, wir werden wohl nicht mehr in die Bar gehen, denn hier im Hotel ist es definitv angenehm kühl ...

Natchez - New Orleans 13.09.2011

So langsam aber ziemlich sicher hatten wir genug vom Südstaaten-Bäbistuben-Charme der alten Häuser, die mit Trödel, eh pardon, Antiquitäten überladen sind. So war denn rasch gepackt und nach einer unruhigen Nacht, ein paar Moskitos hatten versucht, Rosmarie aufzufressen, verliessen wir den prächtigen Park rund um die Monmouth Plantation, um auf der 61 Richtung Baton Rouge zu rollen.

Gerade rechtzeitig vor dem letzten Tropfen Sprit tauchte aus dem nichts eine Tankstelle auf. Meine Erleichterungsseufzer quittierte Frau Bernasconi mit dem üblichen: „Das hätte noch für hundert Meilen gereicht!“ Aber das sagt sie immer, und ich bin nicht sicher, ob ich es als positiv einstufen soll, dass ich bisher noch nie das Gegenteil beweisen konnte. Irgendwie haben wir da unterschiedliche Ansichten, wie lange das Benzin reicht, aber ich achte darauf, dass Peter den Wagen nicht über den Highway stossen muss – und ehrlich gesagt, heute war ich ziemlich erleichtert eine Tankstelle im richtigem Moment gefunden zu haben – d.h. Steffie fand sie.

Nun, jedenfalls schlängelten wir uns durch Baton Rouge, um auch von dort einen Blick auf den Mississippi zu werfen, der, wie wir inzwischen herausgefunden haben über 3000 Kilometer lang ist. Ist halt alles ein wenig grösser, hier drüben.
Kurz vor New Orleans führte der Interstate 10 über eine kilometerlange Brücke durch das sumpfige Küstengebiet, das Bayou. Trotz des immer dichter werdenden Verkehrs fanden wir genug Zeit, die eigenartige Mischung zwischen Festland, Wasserarmen, Sumpfgebieten und abgestorbenen Wäldern zu bewundern.
Kaum beim Hotel angekommen nahm sich, wie von einer Zauberhand, gesteuert ein Valet des Autos an, ein Chasseur wand uns die Koffer aus der Hand und schon traten wir aus den inzwischen 33 Grad Sonnenschein in die kühle Hotelhalle. Nobel, nobel, ich muss schon sagen. Nach dem eher etwas rauen Charme in den vorherigen Hotels lassen wir uns gerne ein wenig verwöhnen.
Der erste Gang führte ins Fitnesscenter, denn nach der ewigen Fahrerei der letzten Tage war dringend etwas Bewegung notwendig. Immerhin war die Waage so gnädig, nicht mehr Pfunde anzuzeigen, als unbedingt notwendig, trotz der Südstaaten-Küche, die allen Ernährungsberaterinnen trotzt.

Dann hielt uns nichts mehr zurück und wir stürzten uns auf einen ersten Erkundungsgang durchs Frenchquarter: Bourbon Street, St. Louis Street, French Market, Jazz liegt in der Luft. Wir stolperten durch die Altstadt New Orleans, staunten ob den schönen Gusseisenbalkonen und genossen den etwas verwahrlosten Charme der alten Häuser. Man merkt schon, dass sich seit der grossen Katastrophe im 2005 viel verändert hat. An vielen Orten sind die Bürgersteige in einem schlechten Zustand. Einige Liegenschaften stehen leer. An vielen Ecken und Enden begegnet einem ein muffeliger Geruch. Nur im Touristenzentrum am Hafen ist alles „pützerlet“ und sehr sauber. Jedenfalls hat uns diese Stadt fest im Griff. Wir fühlen uns wohl, merken aber auch, dass sich in dieser Stadt vieles verändert hat und verändern wird. Die Menschen sind freundlich und langsamer, nicht so „busy“ wie in New York – aber bei dieser Hitze geht alles ein bisschen träger auch bei uns.

Einmal mehr stehen wir vor der Wahl der Qual: Heute Abend gibt es eine Expedition in die Bourbon Street, morgen sehen wir uns den Louis Armstrong Park an und dann wagen wir uns auf eine Bootstour durch die Swamps. Mal schauen, wie das mit Rosmarie, meinem lebendigen Mückenstecker, und den Moskitos so gehen wird.
Jedenfalls sehen meine Unterarme aus wie das Clerasilgesicht eines Pubertierenden. „Nicht kratzen“, tönt es von Zeit zu Zeit aus dem Hintergrund – aber wenn es juckt … Himmel Arsch und Zwirn.

New Orleans 14.09.2011

Noch ein Nachtrag zum Dienstagabend. Als wir den Tagesbericht fertig geschrieben hatten, begaben wir uns nochmals "uf d Gass". Alle lobten die Bourbon Street und dies wollten wir uns nicht entgehen lassen. Schon von weitem hörten wir Musik, die eher wie eine schlechte Guggenmusik klang. Mit Jazz hatte dies wenig zu tun. Die jungen Menschen bliesen in ihre Trompeten und die Töne kamen meist falsch heraus. Sie waren allerdings sehr flink, mit ihren Gefässen, um nach Trinkgeld zu heischen. Wir schlenderten die Gasse hinauf, die während der Nacht für Autos gesperrt ist. Die Musiker spielten aus unterschiedlichen Lokalen, und um ehrlich zu sein, Jazz hörten wir selten bis fast gar nicht. Wir hatten auch nichts anderes erwartet, aber wir wollten dies erlebt haben. Leider fehlte uns tatsächlich die Zeit, uns um ein gutes Jazzlokal zu kümmern. Alles können wir eben auch nicht haben ...

Nachdem wir nach unserem nächtlichen Ausflug doch etwas ausschlafen konnten, denn für ein Mal mussten wir nicht auschecken und nicht packen, standen wir um 09.15 wieder auf der Canalstrasse, denn wir wollten in den Louis Amstrong Park. Bei Bruthitze schlenderten wir durch die Strassen und staunten in einem Friedhof, was für Denkmäler den Toten gebaut wurden. Es war totenstill und wir bestaunten die Gräber. Die Ehre, die man den Toten entgegenbringt ist einmalig.

Als wir im Louis Armstrong Park ankamen, stellten wir fest, dass sie an verschiedenen Orten sanieren und so war uns leider nur einen kleinen Teil der Parkanlage vergönnt. Leicht entäuscht marschierten wir durch die Orleans Av. zum Mississippi River, denn wir hatten eine Swamp & Bayou Tour gebucht. Der Schweiss lief uns nur so hinunter,  deshalb entschlossen wir ein bisschen vom Gas zu gehen. Frau Bernasconi, sichtlich gezeichnet von der Hitze musste forfait geben und so nutzen wir die verbleibende Stunde, um in einem eisgekühlten Einkaufszentrum eine Kleinigkeit zu essen.

Die Klimaanlagen sind eine Plage und irgendwie braucht es unheimlich viel Energie. Einerseits ist es sehr heiss und in den Räume sehr kalt. Für einen kurzen Moment ist es eine Erfrischung, doch sehr schnell bricht der Schweiss aus, sobald man wieder nach draussen kommt. Ich finde, dass oft ein bisschen übertrieben, aber eben in USA ist oft einiges einfach eine Nummer grösser als bei uns und so gewöhnen wir uns an die Temperaturschwankungen. Nachdem wir also eisgekühlt waren fanden wir uns in Linie 4 wieder wo wir auf den Bus warteten, der uns in den Nationalpark Lafitte brachte. Ich war gespannt auf die Sümpfe und auf die Schifffahrt.

Wir genossen die Ruhe und die entspannte Fahrt durch die Bayous von New Orleans. Ab und zu sahen wir Babyalligatoren und der Sumpf liess nicht zu, dass wir in die Tiefe sehen konnten. Es war ganz einfach traumhaft, das Licht, aber auch die sachlichen Erklärungen des Guides. Jason, der Guide, brachte uns diese Gegend einiges Näher und es war sehr angenehm ihm zuzuhören. Kein Schreien, kein übertriebens heischen nach Aufmerksamkeit. Es war auch angenehm, dass es genügens Platz auf dem Schiff gab, so dass jeder seine eigenen Bilder machen konnte.

Als wir kurz nach vier wieder in New Orleans an der Canal Street ankamen, tuckerte das grüne offene Tram heran. Die Dame im Visitorscenter sagte uns am Morgen, dass wir unbedingt eine Fahrt mit dieser Linie machen mussten. Und wir fuhren, fuhren, fuhren ... an Herrschaftshäusern  vorbei, Kirchen und stattlichen Bauten, aber auch an kleinen herzigen Häuschen, Schulen. Und wir fuhren, fuhren und fuhren -. endlich war die Endstation in Sicht - so stiegen wir um und mit der nächsten Strassenbahn wieder ins Zentrum zurück. Es war kurz vor sechs - nun hatten wir nur noch einen Wunsch - unter die Dusche und etwas essen - nein, nicht nochmal durch die Bourbon Street - und nicht nochmal ins Getümmel. New Orleans saugt und ist eine Stadt in der wir stundenlang herum marschieren könnten und es gäbe noch vieles was wir hätten anschauen können - aber eben. Gerne würden wir noch einen Tag bleiben, doch morgen geht die Reise bereits weiter zu den weissen Stränden und dann sind wir bereits in Florida.