New York, HArtford

1953

Es begann am 8. Oktober 1953, in Hartford, Connecticut. Im McCook Spital, um genau zu sein. Dort arbeitete ein frischgebackener Schweizer Arzt aus Bern. Seine junge Frau war hochschwanger, bis eben zu diesem Tag, früh morgens. Dann waren die Maibachs zu dritt und ich ein richtiger, kleiner Amerikaner.
Heute, fast 58 Jahre später zieht es mich "back to the roots". Dank Google und den freundlichen Archivaren der "University of Connecticut Health Center" sowie alten Familienfotos weiss ich auch schon, wo es hingeht, an die Holcomb Street.

 

Bern, 28.08.2011

Stay Safe, rät uns Obama. Ein riesiger Wirbelsturm nähert sich New York, Broadway Shows abgesagt, Flüge gestrichen, Hunderttausende werden evakuiert, U-Bahn geschlossen - Hurrican Irene schlägt zu!

Und wir wundern uns, ob wir jetzt packen sollen oder nicht, kleben am CNN und überlegen einen Plan B, wie, wann und wo wir unsere Reise beginnen sollen...

 

So - die Koffer sind gepackt - "Irene" hat sich beruhigt und jetzt können wir nur noch hoffen, dass unser Flieger am Montag plangemäss abheben wird. Eingecheckt sind wir auch und die Einreisebewilligung ist ausgefüllt.
Wenn Frau Bernasconi mit Herr Maibach auf Reisen geht, kann es ganz einfach nicht ganz normal sein. Das war schon immer so, wie hätte es dieses Mal anders sein sollen.
Nun freuen wir uns auf unsere Reise und werden regelmässig hier berichten. Jedenfalls sind wir startklar ... und alles weitere - wir werden sehen.

New York - 29.08.2011

Nun sind wir also in New York angekommen – das war ja eine Aufregung. Ruhe vor dem Sturm – oder eher der Sturm vor der Ruhe – aber eins nach dem andern. Nachdem übers Wochenende zahlreiche Flüge nach New York gestrichen wurden, befürchteten wir, dass auch wir der „Irene“ zum Opfer fallen würden. Immer wieder kontaktierten wir die Homepage der Swiss, des Flughafens New York, schauten CNN und telefonierten mit Elvira Vaglio vom gleichnamigen Reisebüro. Irgendwie wollten wir nicht so recht dran glauben, dass wir nicht fliegen können – aber wir wussten es nicht genau. Jedenfalls hatten wir mal vorsorglich die Koffer gepackt, um für den Flug bereit zu sein.
Am Sonntagabend checkte uns Sergio Vaglio ein, also bestand Hoffnung, dass der Flieger abheben würde. Dann mussten wir noch das Formular für die Einreise ausfüllen. ESTA – oder so ähnlich heisst dieser Fakel, ohne dieses Papier würden wir irgendwo auf einem Flughafen stranden, nur nicht in der USA. Tja und dann hofften und bangten wir. Die Koffer waren vollgestopft und standen bereit, wir in Hut und Mantel daneben. Und kurz nach Mitternacht kam der erlösende Anruf, dass der Flieger nun planmässig abheben würde.

Auf nach Zürich, die Reise konnte beginnen. Schon eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges in Bern, standen wir mit Kaffee und Gipfeli auf dem Bahnsteig, damit wir den Zug ja nicht verpassten, denn es hiess, dass man drei Stunden vor Abflug im Flughafen sein müsse. Zuerst habe ich nur gelacht und dachte: „Die Stunden werden wir es easy nehmen.“ Denkste – kaum waren im Flughafen angekommen begann der Stress. Eigentlich waren wir ja schon eingecheckt und hätten nur noch die Koffer abgeben müssen, aber mit nur zwei offenen Schalter und hunderten von Reiselustigen war dieses Unterfangen eine eher langsame und langatmige Geschichte. Als wir dann endlich die Koffer losgeworden sind, meinte die Dame am Check-in „Ihre ESTA - Einreiseformulare sind im System nicht ersichtlich, melden Sie sich im Check-in 1 beim Supervisor! Und da wir uns mittlerweilen ans wandern gewöhnt sind, wanderten wir also durch den ganzen Flughafen, über Baustellen, durch endlose Umleitungen zum Check-in 1. Eine freundliche Supervisorin erklärte uns, dass wir einfach ein bisschen früher beim „boarden“ sein müssen. Also weiter auf Feld 7. Passkontrolle, Polizeikontrolle, Securitycheck und dann nochmals durch die Kontrolle vor dem Boarden – immerhin konnte uns die nette Dame bei der Kontrolle freischalten und mitteilen, dass unsere Einreisepapiere nun in Ordnung sind.

Und endlich, endlich, sassen wir auf einem Superplatz im grossen Airbus. Wir waren hundemüde und warteten auf den Take-off.  Da der Flieger noch auf das Gepäck warten musste, gab's nochmal eine Verspätung. Endlich eine Stunde später als geplant hob der Vogel Richtung New York ab. Kaum sind wir gestartet, schliefen wir den auch gleich ein. Und dann waren wir gespannt, wie es weiter gehen würde.
Entspannt kamen wir nach dem langen Flug in bei warmem Sommerwetter in N.Y. an.Anstehen bei der Immigration, anstehen beim Zoll, anstehen bei den Taxis, dann die Fahrt nach Manhatten. Ich erwartete, dass man die Nachwehen von „Irene“ noch sehen oder spüren würde. Nichts dergleichen. Aber wir haben uns in dieser lebendigen Stadt sofort wohlgefühlt. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass am Samstag alle Restaurants, Theater, Geschäfte und die U-Bahn geschlossen blieben. Das Leben in N.Y. pulsiert und irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass es ein riesiger Medienhype war – klar, es hätte sicher schlimmer kommen können –  glücklicherweise ist alles ganz harmlos abgelaufen – dies auch zu unserem Glück.
Checkin im Hotel, für einmal ohne Anstehen,  Koffer abstellen und ab auf die Gasse. Zwei Stunden sind wir wie die Irren durch die Schluchten von Manhattan gewandert. Das erste Steak mit Salat haben wir bereits genossen – läck war das ein „Riesenthunder“ – dieses Steak – aber mega lecker. Rosmarie spielte noch ein wenig mit dem Kompi, dann fielen wir KO ins riesige Bett. Und nun werden wir uns langsam häuslich einrichten und weitere Berichte folgen. Aber fürs Erste haben wir genügend Aufregungen gehabt – vielleicht wird es dann ein bisschen ruhiger in den nächsten Tagen – wer weiss!

New York - the Shop Hop 30.08.201

Diese ersten Zeilen heute sind vor allem für langjährige Freunde bestimmt. Denn heute Morgen, als ich um sechs Uhr (Ortsszeit!) aus meinem ohnmachtsähnlichen Tiefschlaf aufschrecke, da ein Polizeiwagen durch die Gassenschluchten heulte, hüpfte Frau Bernasconi munter aus dem Bett und war sofort voller Tatendrang. Um sechs Uhr, wenn das so weitergeht, phüetis! Ja, ja schon gut – aber irgendwie haben wir den Jetlag noch in den Knochen – und am Morgen ist es auch in New York – am „kuulsten“.

Etwa um acht kauften wir einem übel gelaunten U-Bähneler je eine Metrokarte ab: „I want 29 Dollars. And I want cash.“ Und weil wir jetzt eine Woche mit der U-Bahn herumkutschieren können, stiegen wir einfach mal aufs Geratewohl in einen Zug und fühlten uns schon wie richtige Einheimische. Irgendwann hiess es „Broadway“ und wir stolperten und keuchten die Treppe hinauf ans Tageslicht. Ein Phänomen übrigens ist, dass, sobald wir in irgend einer Stadt eine Wochenkarte in der Tasche haben, wir grundsätzlich nur noch zu Fuss gehen. Also, losmarschiert, denn erstens war es bereits neun durch und zweitens erahnte Frau Bernasconi irgendwo hier in der Nähe das Empire State Building. Die Nähe erwies sich bei genauerem Hinschauen als ein zwei-Stunden-Marsch, den Broadway lang, die 5th Avenue noch länger und dann endlich gings nur noch obsi, nämlich 102 Stockwerke auf die obere Terrasse des Hochhauses. Wir strahlten um die Wette in die Kamera und genossen die fantastische Sicht über New York.

Wieder unten auf dem Pflaster der Realität ging der lange Marsch weiter. Im Trump Tower, bei einem Kaffeepäuselein, googelten wir nach dem Nike-Shop. Beim Weitermarschieren fanden wir dann allerdings den Apple Shop. Im Untergrund des Glaskubus spürten wir sofort den begeisternden Groove, der Mischung von unaufdringlichen, begeisterten Verkäufern, des wirklich sehr gemischten Publikums und der vielen schönen Technik. Mein Favorit war die junge Familie, Papi, Mami, zwei Kinderwagen mit Spezialhalterung, darin ein iPad in dem Trickfilme liefen und ein begeistert krähender Junior!
Übrigens, Nike-Town, fünf Stockwerke Sportkleider und -Schuhe fanden wir zu guter Letzt auch noch und Rosmarie erstand sich zwei Paar Laufschuhe, die sie nicht mehr aus der Hand gibt. Soo bequem. Vor lauter Freude marschierten wir zurück ins Hotel und stiegen dort zum Ausgleich aufs Laufband, natürlich um die neuen Schuhe einzulaufen. Und die neuen Shirt, die Herr Maibach im Nikestore erstanden hat, hängen bereits frisch gewaschen in der Dusche.

Was uns besonders auffällt, dass man viel mehr bar zahlen muss, denn die Leute wollen Cash und den Banken scheinen nicht mehr alle zu trauen. So marschieren wir dann eben mit einigen Dollars mehr in der Tasche herum. Aber auch die werden uns aus der Tasche gezogen – ich sags euch – New York ist ein teures Pflaster – entweder haben die Leute den Dollar dem Franken angepasst – oder aber die Lebenskosten sind gestiegen.

Ground Zero - Freiheitsstatue 31.08.2011

Ein nachdenklicher Tag: Der Tag begann wieder früh, aber dank dem amerikanisch riesigen Bett und dem relativ ruhigen Zimmer im elften Stock über der West 57th Street waren wir gut erholt und stürzten uns in ein weiteres American Breakfast. Via Internet versuchten wir, wie empfohlen Tickets für die Fähren zur Freiheitsstatue und zu Ellis Island zu reservieren – alles ausgebucht. „Ah bah“, sagten wir uns, „let’s go and check it out“. Dank einem nigelnagelneuen brauchbaren Stadtplan gelangten wir via U-Bahn schnell ans Ziel: dem Fährenterminal und dem Ticketschalter im Fort Clinton. Eine lange Schlange vor dem einem Schalter, gähnende Leere am andern. Klar, wir versuchten es zuerst beim Schalter ohne Schlange, allerdings mit wenig Hoffnung. Aber, wir wussten nicht, wie uns geschah, wir erhielten ohne Weiteres zwei Tickets! Die Schlange nebendran bestand aus Leuten, die ihre vorbestellten Billette abholen wollten. Wir grinsten uns an wie die Piraten.

Der Freiheitsstatue erwiesen wir die Referenz vom Schiff aus und fotografierten sie wacker ab. Doch blieben wir an Bord der Fähre, noch einmal anstehen, noch ein Security-Check, dazu hatten wir keine Lust. Da interessierte uns Ellis Island viel mehr; die Insel der Freude und die Insel der Tränen. Vor einem Jahr hatten wir bei einem Besuch in Hamburg die als Museum aufbereiteten Gebäude der Auswanderung in Hamburg besucht (Ballin Stadt) http://www.ballinstadt.de und waren schon damals beeindruckt vom Schicksal der vielen Familien, die Europa verliessen. Jetzt standen wir in der grossen Registrierungshalle auf Ellis Island, wo die meisten der 12 Millionen Immigranten durchgeschleust worden waren. Nicht allen gelang eine reibungslose Einreise, eine Ausstellung in den renovierten Sälen legt Zeugnis aus dieser schwierigen Zeit ab.

Um so willkommener war uns dann, zurück in New York, ein fröhlicher Zwischenhalt in The Battery, dem hübschen Park zuunterst in Manhattan. Kinder und Erwachsene genossen in der drückenden Sommerhitze eine spielerische Abkühlung im Spritzbrunnen. Ein Wettrennen zwischen Gross und Klein, wer schneller nass wurde – die Kleinen haben gewonnen.

Ein kurzer Spaziergang durch die engen Strassen führte uns zehn Jahre zurück, zum 9 / 11. Ground Zero war unser Ziel. Aus einer riesigen Baugrube wachsen neue Wolkenkratzer, doch noch sind uns die Bilder von den explodierenden Flugzeugen, von den einstürzenden Zwillingstürmen des World Trade Centers in die Erinnerung eingebrannt. Eine eigenartige Energie geht von diesem Unglücksort aus, die uns tief berührte. Die vielen Sicherheitsleute fielen uns auf und so sind die Baustellen hermetisch abgeriegelt. Das hiess dann für uns einen anderen Weg zu nehmen als geplant. Irgendwie scheint es uns, als ob das Unglück erst gestern geschehen sei. Die vielen Mahnmale erinnern an die grosse Katastrophe, die die USA in ihren Grundwerten erschüttert hat. Uns faszinierte es und zugleich blickten wir betroffen zu den Türmen. Es wird lange dauern, bis die Türme wieder hergestellt sind und es wird lange dauern, bis sich die Welt um den Ground Zero wieder normalisiert hat, wenn dies überhaupt je möglich sein wird.
Von der Wallstreet, die wir anschliessend besuchten, nahmen wir nicht viel wahr, die Finanzkrise hinterlässt deutlich diskretere Spuren. Einzig bei der Börse blieben wir stehen und irgendwie höre ich die Stimme der Tageschausprecher: „Und nun schalten wir zu Jens Korte an die Börse in New York.“ Uns zog es noch einmal aufs Wasser, mit der Staten Island Ferry verbummelten wir eine gemütliche Stunde hin und zurück und liessen Kamera und Blicke nochmals über Manhattans Skyline schweifen – und winkten der Freiheitsstatue noch einmal zu.
Mir scheint, dass die Zeit in New York irgendwie stehen geblieben ist. Der Glanz von früheren Zeiten ist verblasst und an vielen Orten sind die Zeichen der Finanzkrise aber auch der grossen Arbeitslosigkeit sichtbar. Ich bin übrigens ziemlich erstaunt, dass es in New York nach wie vor fettleibige Menschen gibt, denn bei den vielen Treppen, die zur U-Bahn führen, hätte ich mir vorstellen können, dass die Menschen schlanker sind. Ich persönlich habe mir ein neues Fitnessprogramm ausgesucht – in die U-Bahn steigen und dann auch wieder hinauf – und dies an vielen Orten ohne Rolltreppen.
Nun, irgendwie haben wir den Eindruck schon sehr lange in New York zu sein, dabei sind es erst zwei Tage und wir freuen uns auf die nächsten Tage.

Central Park 01.09.2011 - Geburtstag

Frau Bernasconi hat Geburtstag: Die ganze (amerikanische) Nacht hindurch trafen Gratulations-SMS ein, gut war Rosmaries Handy stumm geschaltet! Dennoch, wie es sich für einen Geburtstag gehört, schliefen wir uns gründlich aus – eine ganze halbe Stunde länger! Um acht begannen wir unseren Bummel durch den Central Park. Dies habe ich mir zum Geburtstag gewünscht – einen besinnlichen und eher ruhigen Tag. Was von der Höhe des Empire State Buildings aus wie ein herziges Pärkli aussah, erwies sich beim durchwanden als ausgewachsener Park. Langsam verschwanden die Wolkenkratzer aus dem Gesichtsfeld, der Strassenlärm verebbte und bald waren wir mitten in der prächtigen Parklandschaft, die kaum an eine pulsierende Grossstadt erinnert. Teiche, Seen, Hügel und Felsen, dazwischen wieder grosse Wiesen laden zum spazieren und verweilen ein.

Davon wird auch rege Gebrauch gemacht, Mütter mit Kinderwagen, spielende Kiddies, Jogger und Velofahrer teilen sich die grosszügige Parkanlage. Zweimal stolperten wir durch ein Filmset und wenn wir dereinst einmal im Vorabendprogramm kommen sollten, werden wir Autogrammkarten drucken lassen.

Weitere SMS und Mails trafen ein und so setzten wir uns in einer idyllischen Ecke auf eine Bank und spielten mit den Handys, Frau Bernasconi erledigte die Post, mir gelang es, die Roaming – Optionen am Handy einzurichten. So sassen wir den mitten im Park mit unseren Handys und als ich ein MMS mit einem Geburigruss abspielte gratulierte mir ein vorbei joggender Mann zum Geburtstag.

Beim Metropoloitan Museum of Art beendeten wir unseren Rundgang und marschierten zur nächsten U-Bahnstation. Nach der Ruhe im Park war der Grosstadttrubel nur mühsam zu ertragen. Beim Bryant Park stiegen wir wieder ans Tageslicht hoch und suchten das Theater, das wir am Abend besuchen wollen: Mary Poppins im New Amsterdam Theatre wird ein Geburtstagsmusical mehr sein, mit dem wir den 1. 9. feiern. Jedenfalls freuen wir uns darauf und dies für ein Mal am Broadway – dies habe ich mir schon lange gewünscht.

Auf dem Weg zurück ins Hotel konnten wir nicht widerstehen, warfen einen Blick in den Disneystore und liessen uns dann ein paar Häuser weiter von den Vermarktungsstrategen von M&M verblüffen, die auf drei Stockwerken vorführen, wie man Schoggitäfeli vermarkten kann. Jedenfalls staunten wir über die unterschiedlichen Farben und Kügelchen aber auch über die T-Shirts, Tassen usw. in allen Farben – läck du mir. Irgendwie würden diese bunten Kügelchen auch an die Badgassse passen. Als Ausgleich erstanden wir an einem Obststand eine Tüte Früchte …
Morgen sind dann die Feierlichkeiten vorbei und wir werden uns wieder dem Alltag widmen!
Ich habe mich sehr gefreut über die vielen Glückwünsche, die mich hier erreicht haben. Ich danke allen ganz herzlich  und freue mich, dem einen oder andern zu begegnen wo auch immer - Im Laden, auf der Strasse, im Facebook - überall wo Begegnungen möglich sind.

Und nun sind wir zurück aus dem Musical Mary Poppins - es war ein schönes und zauberhaftes Musical. Einfach ein tolles Musical, das mich in meinem Herz berührt hat. Die Professionalität der Künstler und des ganzen Teams -  dies können nur die Amerikaner. Die vielen Kinder hatten genauso Freude wie wir. Und als das Musical zu Ende war, gab es Standing Ovation. Dann wollten wir gemütlich zum Hotel bummeln - gemütlich war das nicht gerade - der Menschenstrom riss nicht ab. Über den Times Square kam man nur mit "ellenböglen" - Die Autos, Velos und Fussgänger - es war ganz einfach "too much" - so zogen wir es vor in einem der vielen Läden noch ein kleines Sandwich zu ergattern, das wir genüsslich im Hotel verzehrten. Und nun sind wir nudelfertig und sehr glücklich und zufrieden. Morgen werden wir es wohl ein bisschen ruhiger nehmen - vielleicht ...


Brooklyn 02.09.2011

Eigentlich wollten wir es heute etwas gemütlich nehmen – aber nur eigentlich, denn New York ist eine lebendige, pulsierende Stadt und da ist es schwierig, sich dem Bann zu entziehen. Zuerst wollten wir nochmals schnell in den Nikeladen. Rosmarie hatte schon wieder Sehnsucht nach Sportsachen. Doch wir waren viel zu früh, so betrachteten wir die Schaufenster von Tiffany (die hatten gottseidank auch noch zu – P.) und bummelten Richtung U-Bahn. Für einmal galt unser Besuch nicht Manhattan. Uns zog es nach Brooklyn, in einen Stadtteil von New York ennet dem Fluss. Die lange Fahrt mit der U-Bahn nutzen wir, um uns noch ein bisschen auszuruhen. Nachdem gestrigen Tag waren wir heute nicht mehr ganz so fit wie auch schon.
Wir stiegen in der Bergen Street aus und suchten wieder das Licht. Die U-Bahnstationen in New York sind oft stickig und heiss und die fehlenden Rolltreppen machen es ziemlich mühsam, nach oben zu gelangen. Es gibt wenig alte und behinderte Menschen, die die U-Bahn benützen, denn dies ganz eindeutig viel zu anstrengend und auch zu hektisch. Für mich ist es manchmal recht stressig. Nicht die Treppen, sondern das Tempo der Menschen, die ans Licht hetzen, aber man gewöhnt sich an alles und wie schon erwähnt, als Fitnessprogramm ist das gar nicht so schlecht. So liegt doch ab und zu mal etwas Fastfood drin … aber dazu später.
Und kaum oben angekommen stiegen wir zum U-Bahnmuseum hinunter, das in einer stillgelegten Haltestelle eingerichtet ist. Als Bähnlertochter freute ich mich an den alten Zugkompositionen und Ausstellungsobjekten aus der guten alten Zeit. Die vielen Epochen fanden wir sehr spannend und es gab viel zu sehen. Jedenfalls war es kurzweilig und doch genossen wir es, wieder ans Tageslicht zu kommen.

Wir bummelten durch die gemütlichen Brooklyn Heights und marschierten anschliessend über die berühmte Brooklyn-Bridge – dreiviertel Stunden lang, es war Mittagszeit und die Sonne brannte heiss. Irgendwie war meine Laune etwas geknickt – meine Füsse - meine Beine – die vielen Leute – es war „to much“ – und als wir am andern Ende der Brücke anlangten, war ich so ziemlich fix und foxi. Ich plumpste auf eine Parkbank bei der City Hall und war relativ erschöpft. Peter war etwas fitter so organisierte er uns etwas zu essen.

Mit einer Riesenschachtel Pizza in den Händen und zwei Cola Zero in der Tasche kam er lachend zurück. Und es gab Plasticpizza – aber es war FOOD – wir schlangen die Pizza hinunter und nach dieser Pause ging es uns deutlich besser. Durch Little Italy, durch Soho, durch das Greenwich Village schlenderten wir den Broadway hinauf, gefühlt bis etwa zum Polarkreis.

Und dann gab es kein Halten mehr – Niketown – wir kommen. Mit letzter Kraft bogen wir in die 5th bei Nike ein  und erstanden uns T-Shirt und einen Pullover, den ich im Winter zum wandern anziehen will. Übrigens eine Stunde nach uns, traf auch Roger Federer im Nikestore ein ...

Und nun sind wir völlig erschöpft im Hotel ruhen uns aus, bevor wir dann nochmals eine Runde durch Manhattan strolchen. Jedenfalls ist New York wirklich eine crazy Stadt. Die vielen Menschen, die vielen Läden, Wolkenkratzer und die vielen, vielen Schuhläden … und alles ist einfach mal Faktor unendlich im Vergleich zum beschaulichen Bern.  Wir geniessen die Zeit und schon bald gilt es wieder Abschied zu nehmen, doch haben unsere Füsse noch zwei Tage New Yorker Pflaster vor sich. 

Und nach dem ausruhen, Tagesbericht schreiben, duschen ect... haben uns die Lebensgeister wieder gepackt, so dass wir auf Idee kamen eine Sightseeing bei Night zu  machen. Wir marschieren und marschieren und marschieren weiter bis wir wieder bei Time Square landeten. Und ein netter Verkäufer der Gray Line verkaufte uns noch sehr gerne ein Dreitagespass. Die erste Tour führte uns über den ganzen Brodway hinunter zur Mannhattenbridge. Wir tuckerten durch den Abendverkehr und bestaunten die Skiline von Manhatten. Es war eindrücklich. Als wir wieder zum Time Square zurückkehrten, hatten wir eigentlich vor noch einen Bummelk über den Broadway zu machen - aber die Massenansammlung von Menschen liessen uns rechts um kehrt machen und so sind wir den im Hotel gelandet. Auf dem Weg ins Hotel erstanden wir uns noch etwas kleines zum Abendessen ...

Morgen werden wir wohl etwas lännger schlafen - die Bustouren beginnen erst ab zehn Uhr - denn am Samstag ist mal gemütlich angesagt - vermutlich werden wir dann doch wieder kreuz und quer durch New York "tschirggen" - wir werden sehen.

Stadtrundfahrt - 03.09.2011

Nun sind wir schon fast eine Woche hier. Heute vor einer Woche haben wir gebibbert, ob wir wegen dem Hurrican Irene wirklich fliegen können. Und nun geht unsere New-York-Woche bereits zu Ende. Morgen werden wir packen und am Montag verlassen wir N.Y., um Richtung Hartford zu fahren – aber der Reihe nach.
Nachdem wir gestern Abend Tickets für unterschiedliche Bustouren erstanden haben (wir werden langsam etwas asphaltmüde…) und den Night Loop bereits hinter uns gebracht haben, war heute Uptown angesagt. Downtown machen wir morgen als easy Programm, denn diesen Teil der Stadt sind wir schon ziemlich „duregschuenet“. Eigentlich wollten wir heute nichts anderes machen, als bequem im Bus sitzen und die Aussicht geniessen, doch N.Y. lässt nicht zu, einfach mal nicht marschieren zu müssen. Beim Central Park stiegen wir ein, um zum zu Linie „Uptown“ am Times Square zu gelangen. Uns schien es, dass heute bedeutend weniger Autos auf den Strassen waren und so kamen wir bequem durch das Gewusel dieser Stadt.

Beim Times Square gibt es übrigens einen Ticketschalter für alles mögliche – Theater – Musicals – Bus usw. eine Riesenschlange stand am Morgen um 09.30 bereits vor diesen Schaltern. Wir waren froh, dass wir nur die Buslinie suchen mussten. Am einfachsten ist es wirklich Tickets per Internet zu bestellen, den erstens sind sie meist günstiger und zweitens erspart man sich ein langes Anstehen. Wir marschierten also in die 8th av. um in die Buslinie Uptown einzusteigen. Viele Touristen waren ebenso früh auf wie wir und so kam es dann bei den Busstationen zum Gerangel, wer die besten Plätze ergattern kann. Da der Busfahrer nicht so gut zählen konnte, blieben wir übrig uns mussten auf den nächsten Bus warten. Zuerst aber liess er eine Gehbehinderte ältere Dame ein. Sie sass im Rollstuhl. Aber nicht lang, kaum im Bus, stieg sie aus dem Rollstuhl und irgendwie war ich dann erstaunt, als sie wie ein flinkes Wiesel die Treppe ins Oberdeck hinauf eilte.

Die Bustour führte uns ans andere Ende der Stadt. Wir rollten gemächlich an der noblen Seite des Central Parks Richtung Harlem, bestaunten die Appartmenttürme der Wohlhabenden, gedachten beim Dakota House John Lennons. Wir verrenkten die Hälse, um die gigantische St. Johns Cathedral zu bestaunen. Besonders aufmerksam betrachteten wir das lebendige Harlem. Ich habe bis jetzt nur von den „Harlem Ramblers“ – einer bekannten Basketballmanschaft – von Harlem gehört. Hier leben vor allem Schwarze und mancher schwarze Künstler begann hier seine Karriere. Es schien mir ein „kleines New Orleans“ zu sein. Wir sahen einen sehr gegensätzlichen Stadtteil von New York. Keine Wolkenkratzer, keine herausgeputzten Strassen – aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es ein sehr lebendiger Stadtteil sein muss.

Die Fahrt führte weiter um den Central Park, beim Guggenheimmuseum stiegen wir aus. Schon für sich alleine ist das runde Gebäude ein Besuch Wert. Allerdings fand ich die Ausstellung und die Bilder – na ja – Kunst kann natürlich sehr unterschiedlich verstanden sein. Immerhin fanden wir auch noch einige Bilder von Kandinsky, Monet und Renoir, die uns besser gefielen … Und schon ging es weiter, mit dem nächsten Bus bis zum Museum of Modern Art – hier entschieden wir uns, den Besuch zu vertagen und uns dies vorzunehmen, sollte es regnen. Die Grösse und die Vielfalt – das wäre für heute zu viel des Guten gewesen.

Beim Nordende des Central Park stiegen wir wieder aus und eigentlich wollten wir nun bloss noch ein bisschen lädele. Lädele  in N.Y. das heisst stundenlanges „tschumpeln“ – von einer Strasse zur andern. Von einem Laden zum andern. Und plötzlich landeten wir mitten in einem Brasilianerfest. Es war laut, lebendig und ganz einfach kuul. Wir hörten den Klängen der Trommeln und dem Gesang der Musiker zu, bevor wir uns entschlossen zurück zum zu Hotel zu wandern.

Und auf dem Weg zu Hotel fanden wir genau das Navigationsgerät, das uns am Montag sicher aus N.Y. nach Hartford leiten soll.  Nach der Beate und der Renate haben wir nun die Steffie gefunden. Was uns die Steffie in den nächsten Wochen alles erzählen wird, werden wir euch bestimmt weitergeben.

Und nach Duschen, ausruhen und Mail checken packte uns nochmals das Einkaufsfieber - denn endlich habe ich Nikeschuhe gefunden, die passen, keine Blasen verursachen und bequem sind. So marschierten wir also frisch geduscht in den Nikestore - ein letztes Mal, verspreche ich euch, denn irgendwie muss ich ja das Material auch mit nach Hause nehmen. Aber immerhin habe ich es geschafft meine pinkigen Schuhe zu entsorgen ... Einkaufen in New York ist tatsächlich wie eine Sucht - man könnte kaufen, kaufen und nochmals kaufen ... nach dem Stress entschlossen wir uns eine Kleinigkeit zum Nachtessen einzukaufen, um dies dann in aller Ruhe und ohne Hektik im gemütlichen Hotelzimmer zu verzehren.
New York ist eine spannende, sprudelnde, pulsierende und grosse Stadt. Sie ist mir allerdings zu schnell, zu laut und auch zu unpersönlich - so dass mir der Abschied nicht allzu schwer fällt.

Querbeet durch N.Y. - 04.09.2011

Zickzack-Kurs am letzten NY-Tag: Sonntag, und schon ist der letzte Tag von unserem New-York Tag angebrochen. Beim etwas späteren als üblichen Frühstück beraten wir, was wir heute unternehmen wollen: zu Bloomingdales, zu Macy’s dem grössten Kaufhaus der Welt, nochmals in den Central Park oder die Downtown-Tour? Oder alles miteinander? Richtig geraten!
Der Weg zum Bloomingsdale war geschenkt, ein paar Blocks vom Hotel entfernt. Eine gute Gelegenheit zudem, um das neue Navi auszuprobieren und tatsächlich, Steffie wies uns den Weg zum eleganten Kaufhaus, wohl etwas erstaunt, dass wir auf dem Bürgersteig „fuhren“ und so langsam. Bloomingdale muss für Frauenherzen ein Paradies sein, vier von sieben Etagen nur Fashion und auf jeder Etage ein Schuhladen. Aber nirgendwo Elektronik oder Dinge für maskuline Interessen (mal von der Dessousabteilung abgesehen). Aber alles sehr elegant und trendy und natürlich weit über unserem Budget. So kehrten wir der mehr-besseren Welt bald einmal den Rücken zu und stiegen in die Tiefen der Subway, in deren Wechselbad zwischen glühend heissen Stationen und unterkühlten Waggons wir zum Herald Square ratterten.
Macy’s ist riesig. Ein ganzer Strassenblock breit ist das Geschäft und zehn Stockwerke hoch. Es gibt einfach alles zu kaufen, das Angebot ist immens. Wir torkelten wie in Trance durch die Etagen. Peter schritt durch die Möbelabteilung und ich irrte durch die Kofferabteilung. Ein grösserer Koffer wäre nicht schlecht gewesen, aber irgendwie werden wir unsere Einkäufe auch nach Bern bringen, zumal wir uns Mühe geben das eine oder andere zu entsorgen. Und als wir uns dann wieder in der  Koffer-Halle trafen, keiften wir eine Runde, bis wir merkten, dass dieses Warenhaus ganz einfach „to much“ an Eindrücken war. Wir verliessen über die alten Rolltreppen (immerhin Rolltreppen) fluchtartig das riesige Warenhaus.
Ein paar Mal umsteigen mit der Subway und wir standen an der Nordseite des Central Parks, wo wir gemütlich in einer schattigen Ecke Sandwiches picknickten, Cola tranken und den Tennisspielern zusahen. Ein sehr angenehmes Sonntagsprogramm.
Dann ritt uns nochmals der Touristenteufel, denn wir hatten ja immer noch unsere Bustourtickets. Gedacht getan, wieder über den von dichten Menschenmengen bevölkerten Timessquare, wieder in Line stehen und schon gings quer durch downtown, maximal im Schritttempo, New York war an diesem Sonntag einfach rappelvoll: Touristen Brasilianerparty im Zentrum, es war kein Durchkommen. Die Überraschung folgte dann erst gegen Ende der Tour in der 1st Avenue: alte Häuser aus Backsten, mit den typischen Feuerleitern aus Metall, die Schiebefenster, ein Barbershop, ein Waschsalon, es war wir im Film, wie eine Kulisse zur Westsidestory.
Voller Eindrücke stiegen wir in der Südecke des Central Parks, in der Nähe unseres Hotels aus und waren froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Nun heisst es packen – und das ist eine rechte Herausforderung, bei unserer New Yorker Shoppingorgie …
Übrigens Madeleine, wir haben heute fest an dich gedacht, denn mit der U-Bahn sind wir einiges schneller durchgekommen, als mit dem roten Doppeldecker. Wenn die Strassen verstopft sind, dann ist das durchkommen schier unmöglich. So hoffen wir denn, dass wir am Montagmorgen sicher mit dem Auto aus New York kommen und die Strasse nach Hartford finden werden – wir werden sehen. Steffie wird uns sicher leiten, denn Peter ist fleissig am üben und ein Update hat er bereits gemacht. Freuen wir uns also auf unsere Weiterreise und hören der angenehmen Steffie zu.

Hartford 05.09.201

1953er Nostalgie
1953er Nostalgie
Der Abreisetag aus New York begann ruhig. Gepackt war schon, alles lag und stand bereit. Rosmarie zauberte eine faltbare Riesentasche aus den Tiefen des Koffers und so hatten alle unsere Habseligkeiten einen Platz im Gepäck gefunden. Wenn der Gepäckberg so rasant weiterwächst, werden wir eine Transportmaschine für die Rückreise chartern müssen …
Überrascht waren wir, als unser Taxi auf dem Weg zur Autovermietung beim Central Park  in einen leeren Broadway einbog, meilenweit grüne Ampeln und sozusagen kein Verkehr. Labour day, am frühen Morgen, New York gab sich provinziell. Ich war nicht unglücklich, nicht durch das Gewühl von New York zu driven. Ein bisschen nervös war ich natürlich schon, aber die Steffie brachte uns sicher aus N.Y. heraus.
Ein herziger, kleiner, weisser Yaris wartete auf uns. Dank der Steffie rollten wir bald einmal aus dem Zentrum über nur wenig befahrene Highways nordwärts auf die 95, dann ab New Haven auf der Interstate 96 Richtung Hartford. Die Einfahrt nach Hartford war gespenstisch: sechsspurige Autobahnen und kein einziges anderes Auto! Hatten wir uns verfahren? Nein, offenbar wird der arbeitsfreie Labour day sehr ernst genommen. Das Parkhaus, die Parkplätze, die Strassen, die wir vom Hotelzimmer aus sehen: gähnende Leere! Wir sind gespannt, wie es morgen aussehen wird. Irgendwie ist das wirklich ein komisches Gefühl, nach der lebendigen und lauten Woche in New York in eine Stadt einzutauchen, die so ruhig und leer ist. Jedenfalls macht sich eine angenehme Müdigkeit breit, der wir auch etwas Platz einräumen.

Hartford 2011 – wir beschlossen, für heute erst einmal einen kleinen Rundgang durch Downtown zu unternehmen, um uns langsam dem Hartford von 1953 an zu nähern. Der erste Eindruck: eine saubere, kleine Stadt, die mit zahlreichen roten Ziegelbauten sehr englisch wirkt. Ein seltsames Gefühl, durch dieselben Strassen zu spazieren, welche die Eltern, damals knapp 26, als junges Ehepaar begingen.

Dieses und jenes Gebäude muss bereits damals an der Mainstreet gestanden haben, andere sind modernen Hochhäusern gewichen. Ein seltsames Gefühl auch, zu wissen, vor rund 58 Jahren hier zur Welt gekommen zu sein, in einer Zeit, die auf mich wie von einem anderen Planeten wirkt. Während Peters Gedanken rund 58 Jahre rückwärts schweifen, staune ich über die schnelle Internetleitung, die wir hier im Hotel haben und geniesse es, endlich mal Bilder in einer vernünftigen Zeit aufs Internet zu laden. Wie doch die Zeit vergeht.

Morgen geht es definitiv auf die Zeitreise: McCook-Spital heisst es in der Geburtsurkunde, 5 Holcomb Street, da wollen wir hin, Maureen, die freundliche Auskunfts-Dame vom Spital hat mir den Weg per Mail beschrieben.

Back to the roots - 06.09.2011

Auf den Spuren von Peter Maibach, Mark Twain und Katharine Hepburn

Nach den heissen, schwülen Tagen begann es in der Nacht zu regnen, ein weicher warmer Sommerregen klopfte an unsere Fenster im siebten Stock. Am Morgen dann war es recht frisch und bedeckt. Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet holten wir unser Wägelchen aus der Garage und begaben uns auf eine Zeitreise der besonderen Art.
2 Holcomb Street Hartford heisst es im „Certificate of birth“ unter Rubrik „Usual Residence of Mother“. Mit akribischer Gründlichkeit wurde festgehalten, dass die Schwangerschaft 40 Wochen dauerte, die Geburt am 8. Oktober 1953, 6.25 pm im J.J. McCook Hospital statt fand, dass beide Eltern weiss und 26 Jahre alt waren.
2 Holcomb Street flüsterte ich unserer Steffi ins digitale Ohr und freundlich, aber mit etwas scheppernder Stimme führte uns die Gute quer durch Hartford zum ehemaligen McCook. Die Auffahrt zum Hügel, welche Mutter uns vor der Reise beschrieben hatte, fanden wir und schon bald standen wir mitten auf einem grossen, leeren Parkplatz und begannen, die mitgebrachten Bilder von 1953 mit der heutigen Realität zu vergleichen. Das war kniffliger als gedacht. Einzelne Häuser waren abgerissen, andere umgebaut worden. Erst beim Gang um das Backsteingebäude wurde uns klar: wir stehen am richtigen Ort: dem Spitalgebäude des McCook (http://today.uchc.edu/features/2011/mar11/opportunity.html)  und nicht weit von dem Haus, in dem die junge Familie Maibach from Berne, Switzerland damals im oberen Stockwerk wohnte.
Immer wieder verglichen wir die Bilder auf dem iPhone mit den Örtlichkeiten. Es war spannend, wie sich die Puzzlesteine zusammentrugen und ich dann endlich mal eine Fotosession mit Peter machen konnte. Ich musste lange warten, dass sich mein „Husband“ endlich mal in aller Ruhe vor meine Linse wagte.
Nur noch wenige der alten Gebäude werden genutzt, das Spital selber ist geschlossen. Was noch steht ist verlottert und baufällig. Eines der Arzthäuser dient als Kindergarten, eine Drogen-Entzugsstation ist in einem Nebengebäude eingerichtet. Nach gut sechzig Jahren ist das Leben längst weitergezogen und besteht nur noch auf den alten Familienbildern.
Am 20 Dezember „in the year of the Lord“ 1953 fand die Taufe in der Grace Evangelian Lutherian Church in der Woodland Street statt, „He that believed and is baptized shalle be saved. Mark 16:16“, so der Taufspruch. Die Sponsors (Paten), Silvia Heller, meine frischgebackene Tante, war aus der Schweiz angereist, Peter Wegelin liess sich von Dr. Wacek vertreten.
Der nächste Besuch galt einem wesentlich berühmteren Sohn Hartfords: ein Steinwurf von der Grace entfernt steht das Mark Twain Haus. Während siebzehn Jahren, um 1870, dem Zenit seines schriftstellerischen Schaffens lebte Twain mit seiner Familie in dieser prunkvollen Villa. Eindrücklich die Führung durch die Räume, im Erdgeschoss die eleganten repräsentativen Zimmer, im dritten Stock das berühmte Billardzimmer, dem Refugium Mark Twains.
Und noch einen Besuch stand auf unserer Liste: die Schauspielerin Katharine Hepburn wuchs in Hartford auf und liegt hier begraben. Doch wie finden wir die Grabstätte im riesigen Cedar Hill Cementary? Ich schenkte den Koordinaten, die ich Internet fand, wenig Glauben (N 41 43.354 / W 72 42.092). Kein Problem, meinte Steffie und führte uns zielsicher zum Friedhof – und zu unserem Erstaunen noch viel weiter: mit dem Auto bis sozusagen zum Grab. Man durfte zwar nicht schneller als 20 mph fahren und musste versprechen, weder zu fischen noch zu jagen, aber sonst war das schon ok, mit dem Auto durch den Friedhof zu rollen – ein Segen bei strömenden Regen.

Nach kurzem Suchen fanden wir das Familiengrab der Hepburns und dachten an die gute alte Zeit der grossen Schwarzweiss-Filme.

Da fuhren wir also mit dem Auto durch den Friedhof. Dies ist hier normal, bei der Grösse und der Weitläufigkeit. Als Peter mir sagte, dass wir das Grab von Katherine Hepburn besuchen würden, lächelte ich milde, denn ich traute der Steffie und auch Peter nicht. Bei strömendem Regen parkten wir unser Auto in der Nähe des Familiengrabes der Familie Hepburn. Es war schon eigenartig, dass die Steffie uns so zielsicher zu dieser Gedenkstätte führte.
Den Nachmittag liessen wir mit einem Bummel durch das alte Hartford ausklingen, die Überraschung war der alte Bahnhof. Die Geleise sind zwar verrottet und nur noch ein Einziges in Betrieb. Die imposante Halle wurde in einen Wartsaal für Busreisende umfunktioniert.
Bei einem Macciato im Hotel lassen wir unseren Hartford Tag nochmals vorbeiziehen und tauchen wieder ins hier und heute auf.
Und am Mittwoch geht’s wieder zurück nach New York dort steigen wir ins Flugzeug nach Atlanta. Und dann ist der erste Teil der Reise abgeschlossen ...
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