Wanderung vom 14. August 201  - Pilgerweg

Coppet - Rolle

Und wieder geht ein wunderschöner und anstrengender Sonntag zu Ende. Wieder haben wir eine weitere Wanderung auf der Pilgerroute geschafft. Aber der Reihe nach. Wir starteten um 07.30 mit dem Auto Richtung Rolle. Wir planten die Pilgerroute umgekehrt - also von Coppet nach Rolle. Um 09.12 bestiegen wir den Zug nach Coppet und nach Pippihalt, Sonnencreme einreiben, Schuhe ordentlich schnüren, nahmen wir den Pilgerweg nach Rolle unter die Füsse. Das Wetter war feuchtwarm und ziemlich anstrengend zum marschieren. Als wir durch das Dorf Coppet bei der Kirche vorbei marschierten, läuteten die Kirchenglocken und die Menschen strömten fein herausgeputzt in die Sonntagsmesse, während wir unsere Wanderung in Angriff nahmen. Der Herr Pfarrer stand an der Türe und begrüsste alle seine Schäfchen persönlich.

Wir marschierten durch Rebberge und bestaunten die voll behangenen Stöcke. Die Trauben schienen uns schon sehr reif zu sein, aber wir getrauten uns nicht, zu probieren. Wir sahen über all Reben und nochmals Reben - Merlot, Syrath, Chasselas und wie sie alle heissen. Und es muss wohl ein guter Jahrgang geben. Wir werden sehen. Wir genossen die Aussicht - allerdings machten uns die vielen Strassenabschnitte etwelche Mühe. Sind wir uns mehrheitlich Wald- und Wiesenwege gewohnt, mussten wir heute sehr viel über Asphalt wandern. Was für uns bei dieser Hitze etwas gar anstrengend war.

Dann kamen wir an eine wunderschöne Anlage. Wir setzten uns auf die Gartenmauer und genossen im Schatten einen Getreidestängel, denn das Frühstück blieb für einmal auf der Strecke. Wir lasen:  Das Ökumenische Institut Bossey ist das internationale Begegnungs-, Dialog- und Ausbildungszentrum des Ökumenischen Rates der Kirchen. Seit der Gründung des Instituts im Jahr 1946 kommen Menschen aus verschiedenen Kirchen, Kulturen und Kontexten hier zu ökumenischem Lernen, akademischem Studium und persönlichem Austausch zusammen.

Bossey

Die Sonne schien heiss und gegen Mittag fanden wir den Weg durch den Wald, der uns etwas Abkühlung gab. Und wir fanden eine schöne Sitzgelegenheit, um unseren leckeren Teigwarensalat mit Rindfleisch zu verzehren. Wir hatten Hunger und bereits die zweite Flasche Isostar leer getrunken. Die Wanderung durch den kühlen Wald dauerte nicht allzu lange und schon standen wir wieder auf Asphaltstrassen. Nichts desto trotz, die Aussicht war himmlisch und schon kamen wir am Schloss von Prangins vorbei.

Schloss Prangins

"Prangins liegt nur wenige Minuten von Nyon entfernt. Auf eindrückliche Weise zeigt sich hier die Verbindung zwischen einem lebendigen und gleichzeitig in der Geschichte verankerten Ort. Sie werden fasziniert sein von dieser herrlichen Anlage hoch über dem Genfersee und
von seinem Schloss aus dem Jahr 1730, das zusammen mit der englischen Parkanlage und dem Gemüsegarten nach alter Art sorgfältig restauriert worden ist." Dies steht auf der Homepage - und genauso ist es uns ergangen, wir standen mit offenem Munde da und staunten.

 

Für einen kurzen Moment machten wir Halt. Wir füllten unsere Wasserflaschen mit frischem Brunnenwasser auf und benutzten die sauberen Toiletten. Hielten den Kopf am Brunnen unter den kalten Wasserstrahl und nach dieser Erfrischung gings weiter. Ich wurde immer langsamer und hatte für einmal sehr Mühe einigermassen vorwärts zukommen. Mein Energiehaushalt war etwas aus den Fugen geraten. Das feuchtwarme Wetter hat seine Spuren hinterlassen. Wir spazierten am Bahnhof Nyon vorbei und irgendwie war die Verlockung gross in den Zug zu steigen und nach Rolle zurück zu fahren. Wir nahmen noch einen Anlauf und unser nächstes Ziel war Gland. Durch Industrie und Strassen gings weiter. Für einmal war ich etwas mürrisch, man könnte auch sagen hässig.

Gland

Vielleicht sogar stachelig wie die vielen Kakteen, die wir auf dem Weg entdeckten. In Gland angekommen war es erneut verlockend in den Zug zu steigen, nach rund 21 km waren wir doch schon ziemlich müde. Aber nein, wenn Frau Bernasconi sich etwas in den Kopf gesetzt hat ...

 

Jedenfalls war dieser Abschnitt von Gland nach Rolle einer der Schönsten dieser Reise. Und es wäre tatsächlich schade gewesen, den letzten Teil auszulassen. Und endlich tauchte die Ortstafel von Rolle auf - endlos schien mir der Weg endlich zum Bahnhof. Unendlich! Endlos war der Marsch durch Rolle. Endlos - und ich war erschöpft und müde. Peter blieb ruhig und behielt die Nerven. Kurz vor dem Bahnhof meinte er trocken "Ich sehe die Bahnhofsuhr, siehst du sie auch?" Ich war so erleichtert, dass ich nicht wusste ob ich lachen oder weinen sollte - ich tat beides. Und als ich mit letzter Kraft den Autoschlüssel aus dem Rucksack zog, begann es zu regnen. Keine Minute vorher und keine Minute nachher. Peter erspähte beim Rundgang zur Toilette ein Migrolino in der Nähe und in diesen gingen wir wild entschlossen und kauften unser obligates Coci, ein Sandwich und ein grosses Schoggistängeli. Gemütlich tuckerten wir in bequemen Schuhen, sauberem T-Shirt und müden Beinen nach Bern zurück.

Und unser Ritual ist wie immer: Kleider in Wäsche, unter die Dusche und erst wenn es in der Wohnung herrlich nach Dulix riecht, sind wir tatsächlich zu Hause angekommen.